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Sport-Welt Menschliches Versagen trotz Videobeweis
Sport Sport-Welt Menschliches Versagen trotz Videobeweis
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12:34 11.12.2010
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Im Fußball spätestens seit der WM herbeigesehnt, im Eishockey an menschlichem Versagen gescheitert: Anstatt zu Gerechtigkeit hätte der Videobeweis in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) am Freitagabend beinahe zu einem handfesten Skandal geführt. Schiedsrichter Lars Brüggemann erkannte beim 3:2- Sieg nach Penaltyschießen des neuen Tabellenführers DEG Metro Stars bei den Kölner Haien einen klaren Düsseldorfer Treffer nicht an, obwohl er mehrere eindeutige Zeitlupen studierte. Da sich die Gäste im 189. rheinischen Derby dennoch durchsetzten, wurde noch größeres Aufsehen um die katastrophale Fehlentscheidung verhindert.

„Um Gottes Willen. Das ist der Hammer. Eine solche Entscheidung darf es nicht geben“, stammelte der ehemalige Düsseldorfer und Kölner Trainer Hans Zach als Co-Kommentar beim Pay-TV-Sender Sky. Im finalen Penaltyschießen nach regulärer Spielzeit und fünfminütiger Verlängerung hatte Brüggemann beim ersten Düsseldorfer Versuch von Kapitän Daniel Kreutzer im Shoot-Out den Videobeweis bemüht, da die Scheibe extrem schnell und mit bloßem Auge kaum erkennbar im Kölner Gehäuse einschlug. Auf den verschiedenen Zeitlupen, die Brüggemann zur Verfügung hatte, war der reguläre Treffer aber zu erkennen.

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Zusammen mit den 14.563 Zuschauern in der Lanxess-Arena und den vielen Fernsehzuschauern konnte DEG-Kapitän Kreutzer nicht fassen, was der Unparteiische gesehen haben wollte. „Mir hat er gesagt, er hätte den Puck an der Latte gesehen“, erzählte Kreutzer nach der Partie - ein Hohn angesichts der eindeutigen Bilder. „Wir haben doch auch die Bilder. Das muss doch jeder sehen“, ereiferte sich auch Ex-Bundestrainer Zach. Brüggemann selbst wollte sich nicht äußern.

Kreutzer nahm es angesichts des Sieges gelassen: „Gott sei Dank haben wir gewonnen. Damit ist es egal.“ Da Club-Kamerad Tyler Beechey den entscheidenden Penalty verwandelte, siegte die DEG trotzdem und schob sich zum ersten Mal in dieser Saison an die Tabellenspitze.

Ein fader Beigeschmack blieb dennoch. Immerhin wird das Eishockey gern als Paradebeispiel von Fußballern angeführt, die sich bei strittigen Torszenen benachteiligt fühlen. Bei der WM in Südafrika sorgte beim 4:1 Deutschlands im Achtelfinale gegen England ein nicht gegebenes eindeutiges Tor von Englands Frank Lampard für Aufsehen. Der Fußball-Weltverband FIFA öffnet sich nur zögerlich technischen Hilfsmitteln, die Europäische Fußball-Union UEFA baut auf Torrichter.

dpa