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Sport-Welt Max Hoff ist der „Champion des Jahres“
Sport Sport-Welt Max Hoff ist der „Champion des Jahres“
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20:25 10.10.2011
Von Heiko Rehberg
Daumen hoch: Der Kanute Max Hoff wurde von seinen Kollegen zum „Champion des Jahres“ gewählt.
Daumen hoch: Der Kanute Max Hoff wurde von seinen Kollegen zum „Champion des Jahres“ gewählt. Quelle: dpa
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Max Hoff spricht den Satz gelassen aus. Wer Kanu leistungsmäßig betreibe, sagt er, der müsse „ein bisschen verrückt“ sein. Positiv verrückt natürlich. Hoff betreibt Kanurennsport, er ist einer der Besten, 2009 und 2010 gewann er über die 1000 Meter den EM- und den WM-Titel. Und er macht manchmal verrückte Dinge. Zum Beispiel einen Duathlon barfuß laufen.

Beim alljährlichen Treffen von Deutschlands Spitzensportlern, zu denen der Robinson Club und die Deutsche Sporthilfe die Topathleten einladen, stand in Camyuva in der Türkei diesmal ein Spaß-Duathlon auf dem Programm. Erst das Schwimmen um einen großen, künstlichen Eisberg im Meer, danach ging es auf die asphaltierte, 2,4 Kilometer lange Strecke rund ums Clubgelände. Am Start waren Weltmeister, Europameister, Olympiasieger, aber Hoff sorgte für das größte Aufsehen. Das lag zum einen daran, dass der Kanute so schnell unterwegs war, dass die deutsche Leichtathletik die Suche nach einem guten 800-Meter-Läufer vielleicht auf das Wasser ausdehnen sollte. Und das lag daran, dass der 29-Jährige auf Schuhe verzichtete. Da schmerzte angesichts von kleinen Kieselsteinen, die auf dem Weg lagen, bereits das Zuschauen, aber Hoff störte das überhaupt nicht. Er lächelte beim Laufen. „Ich muss immer etwas ausprobieren und mich bewegen, sonst fühle ich mich schlecht“, sagt Hoff.

Seine Sportlerkollegen wählten den Kanuten in der Türkei zum „Champion des Jahres“. Es ist nur auf den ersten Blick eine überraschende Wahl, denn die Saison 2011 war für ihn ein Jahr mit Höhen und Tiefen. In seiner Paradedisziplin, den 1000 Metern, auf denen er bei den Olympischen Spielen 2012 in London Gold holen möchte, wurde er nur WM-Vierter. Mit dem Kajak-Vierer dagegen wurde er Weltmeister.

Mit Kugelstoßweltmeister David Storl, Speerwurfweltmeister Matthias de Zordo oder dem Weltmeister der Nordischen Kombinierer, Eric Frenzel, die ebenfalls als Kandidaten zur Wahl standen, hatten die meisten Experten eher gerechnet. Diese drei kommen öfter im Fernsehen vor, ihr Sport ist populärer. Aber Spitzensportler ticken anders: Sie können am besten einschätzen, wer einen enormen Trainingsaufwand betreibt. Und was Hoff in diesem Jahr vielleicht an großen Erfolgen fehlt, das macht er mit einer beeindruckenden Persönlichkeit wett. Insofern ist der Modellathlet aus Troisdorf eine erstklassige Wahl als „Champion des Jahres“. Hoff ist einer für den zweiten Blick. Und er hat eine bewegte Sportgeschichte.

Ursprünglich fuhr Hoff Kajak im Wildwasser. Aber er wollte unbedingt einmal an Olympischen Spielen teilnehmen, also stieg er 2007 zu den Rennkanuten in die ruhigeren Gewässer um. Seitdem ist er immer auf Achse, für einen Wettkampf fährt er schon mal mit dem Kleinwagen von Köln nach Marseille, ein Sieg bringt ihm „ein paar Hundert Euro, aber ich würde das auch machen, wenn es gar kein Geld gibt, einfach, weil ich Bock darauf habe, weil es meine Passion ist“.

Hoff hat nebenbei sein Diplom als Molekularbiologe gemacht, zusammen mit dem Training blieben ihm wochentags selten mehr als fünf Stunden Schlaf. Die Doktorarbeit soll folgen, aber erst nach den Spielen in London. „Im Prinzip muss man total bescheuert sein, wenn man so ein Leben führt wie ich“, sagt Hoff.

Er klingt dabei sehr zufrieden mit seinem Leben.