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Sport-Welt Kim Clijsters gewinnt nach Babypause die US Open
Sport Sport-Welt Kim Clijsters gewinnt nach Babypause die US Open
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20:20 14.09.2009
Kim Clijsters aus Belgien mit ihrer Tochter Jada. Quelle: afp
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Normalerweise haben kleine Mädchen mit blonden Locken abends um elf auf einem Tennisplatz nichts mehr verloren, aber wenn Mama in der Nähe ist und Papa auch, dann kann ja nix passieren. Jada trippelte also zu Mama hin, die so einen komischen Pott in der Hand hielt, der war kalt und fasste sich nicht gut an, aber weil Mama so glücklich war, musste wohl alles in Ordnung sein mit diesem Ding. Am Ende hielt Mama Jada in einem Arm und den Pott im anderen, und die allgemeine Rührung entlud sich im kollektiven Seufzer: Ach, ist das schön.

Es war der Moment, auf den alle gewartet hatten, seit feststand, dass Kim Clijsters allen Ernstes bei ihrem dritten Turnier nach der Rückkehr zum Tennis im Finale der US Open spielen würde. Sie selbst fand die zwei Wochen in New York und vor allem das Ende mit dem Sieg im Finale gegen Caroline Wozniacki (7:5, 6:3) irgendwie surreal. „In meinen wildesten Träumen hätte ich mir nie vorstellen können, dass so was passiert“. Sechs Jahre Anlauf hatte sie gebraucht, um bei den US Open 2005 ihren ersten Grand-Slam-Titel zu gewinnen, etwas mehr als vier Wochen brauchte sie für den zweiten, und da kann man sich nur fragen, wie so was möglich ist.

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Ohne die Einladung in Wimbledon, bei der Premiere des neuen Dachs mit Stefanie Graf und Andre Agassi zu spielen, wäre es auch nie möglich gewesen. Nur, um sich bei dem Auftritt nicht zu blamieren, hatte sie Anfang des Jahres wieder mit dem Training begonnen, und dabei war die Lust auf die Herausforderung und den Wettbewerb Schlag für Schlag zurückgekehrt.

Der Weltranglistenerste Roger Federer meinte dieser Tage, es sei ihm schleierhaft, wie man mit 24 zurücktreten könne, wie es Clijsters vor gut zwei Jahren getan hatte. Sie findet nach wie vor, es sei damals die richtige Entscheidung gewesen; die Motivation sei weg gewesen, sie sei oft verletzt gewesen, aber vor allem habe heiraten und eine Familie gründen wollen. „Ich war glücklich, dass ich die Chance dazu hatte“. Genau das halt, was Federer offensichtlich auch wollte, nur dass er keine Pause machen musste, um Vater werden zu können.

Die ersten Wochen des Trainings waren kein Kinderspiel. „Ich musste mir einfach klar machen: Okay, Kim, du fängst hier wieder bei null an. Das war ja nicht nur eine kleine Pause zwischen zwei Turnieren, die ich da genommen hatte. Der Körper musste sich erst wieder an diese Art von Arbeit gewöhnen. Da gab es Flüche am Anfang – nicht solche wie bei Serena Williams neulich – aber schon ‘ne ganze Menge“.

Einen Blick auf die zahlreichen Wiederholungen der ominösen Momente im gemeinsamen Spiel ersparte sich Clijsters bei der Vorbereitung auf das Finale, stattdessen sah sie sich mit Jada lieber die freundlichen Filmfiguren aus Ice Age an. In dieser ganz anderen, so viel erfüllenderen Möglichkeit, die Zeit nach dem Training, die Zeit vor den Spielen zu verbringen, steckt ein Teil der Erklärung, warum sie so schnell wieder in Form kam. „Jada ist es egal, ob ich gewonnen oder verloren habe. Die freut sich einfach, wenn sie Mami sieht“.

Und diese Freude trägt mehr als alles andere, treibt mehr als alles andere an. Bei den Siegen im Laufe des Turniers gegen Venus und Serena Williams konnte man sehen, dass die Mutter der Stunde eine bessere Spielerin als im ersten Teil ihrer Karriere ist. Nun kann man sich fragen, wie es um die Qualität des Frauentennis bestellt ist, wenn eine nach zwei Jahren aus dem Hain der Familie zurückkehrt und prompt gewinnt. Aber Clijsters ist nicht irgendwer, sondern eine ehemalige Nummer 1.

Im eher mittelprächtigen Finale gegen die erfrischende Debütantin Wozniacki brauchte Clijsters vor allem gute Nerven, um die eigenen Fehler zu akzeptieren. Und auch darin ist sie heute besser – dank Jada. „Ich glaub, ich verstehe heute besser, wie ich reagiere. Du lernst einfach, mit deinen Gefühlen anders umzugehen“. Die Siegerin der US Open 2009 nun als leuchtendes Vorbild aller berufstätigen Mütter zu sehen, wäre ein wenig übertrieben. Aber eine wunderschöne Geschichte ist es allemal, und Jada wird sicher später mit Freude die Fotos ihres ersten großen Auftritts mit Mama und Pokal in ein Album kleben.

von Doris Henkel