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Sport-Welt Janne Ahonen gibt bei Vierschanzentournee sein Comeback
Sport Sport-Welt Janne Ahonen gibt bei Vierschanzentournee sein Comeback
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19:54 27.12.2009
Von Tatjana Riegler
Janne Ahonen: Die Rückkehr eines Überfliegers. Quelle: afp/Archiv
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Vielleicht haben ihn seine Emotionen erschrocken. Vielleicht waren sie gar echt. Da hatte Janne Ahonen im März 2008 seinen Rücktritt erklärt, wortreich unter Tränen, um ein knappes Jahr später seine Rückkehr anzukündigen, ebenso wortreich: „Das war einfach so ein Gefühl, das in diesem Winter hochkam. Es zog mich zurück auf die Schanze.“

Die Skisprungfans, nicht nur die finnischen, rieben sich verwundert die Ohren: Sprach da etwa Janne Ahonen? Von Gefühlen? Die er in seiner langen Karriere doch nur selten gezeigt hatte. Selbst bei größten Siegen ließ der Finne sich höchstens von der Aufforderung des Stadionsprechers ein winziges Lächeln unter der tief ins Gesicht gezogenen Wollmütze entlocken. Als hätte ein Lächeln seine Tarnung zerstört, oder sein Image als „Schweiger aus Lahti“.

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Zu Saisonbeginn kehrte der 32-Jährige zurück. Der König der Einsilbigkeit und der König der Schanzen, die er mit perfekter Sprung- und Flugtechnik länger dominierte als jeder andere. Fünf Gesamtsiege, ein einsamer Rekord, hat Ahonen bei der Vierschanzentournee gefeiert, die am Montag zum 58. Mal in Oberstdorf mit der Qualifikation auf der Schattenbergschanze startet. Fünf Goldmedaillen bekam er bei Weltmeisterschaften umgehängt; zweimal gewann er den Gesamtweltcup, mit
36 Weltcupsiegen flog Ahonen auf den
3. Rang der ewigen Liste. Dass er mit
104 Podestplätzen seit 1992 die meisten aller Zeiten holte, belegt seine Konstanz in der Weltspitze, die allen Technik- und Kleideränderungen trotzte und von der selbst Vierfachweltmeister wie Martin Schmitt oder Doppelolympiasieger wie Simon Ammann nur träumen.

Ahonen blieb der Traum vom Olympiagold. Die Winterspiele sind der weiße Fleck seines Sportlerlebens; zu mehr als zweimal Silber mit dem finnischen Team reichte es nicht. Bisher: „Ich bin zuversichtlich, dass ich in Vancouver erfolgreich sein kann“, sagt Ahonen, und es klingt nicht nach Motivationsproblemen, die er bei seinem Rücktritt erwähnt hatte. Ehefrau Tiia und die Söhne Mico und Milo rieten ihm zur Rückkehr: „Tu es, wenn du es wirklich willst“, zitiert der Finne seine Frau und spricht gern vom „Gemeinschaftsprojekt“.

Bei aller Freude über die Rückkehr eines Sportstars liegt die Frage nahe: Warum tut Ahonen sich das noch an? Das harte Training, die fettarme Ernährung, die Tabletten zur Fettverbrennung? Die Antwort ist die gleiche, die den siebenfachen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher wieder ins Cockpit drängt. Oder den siebenfachen Tour-Sieger Lance Armstrong noch einmal durch Frankreich strampeln lässt. Die Sehnsucht nach Siegen, die Bestätigung des Starstatus. Oder hat sich Ahonen im Alltag, dem Feind aller Ruhmverwöhnten, gelangweilt? „Ich habe genug zu tun“, betonte er Ende 2008. Seine Firma, über die er Zubehör für Motorräder vertreibt, seine Arbeit als TV-Kommentator, seine selbstentworfene Villa und besonders seine Familie erforderten seinen Einsatz.

Mag sein, dass Skispringen nicht mehr alles ist in Ahonens Leben. In diesem Winter aber genießt es Priorität. Vancouver ruft, die Vierschanzentournee ist nur die Generalprobe. Die Weltcup-Plätze 9 und 10 haben den Finnen zum Geheimtipp beim Grand Slam gemacht. Und die Konkurrenz traut dem 32-Jährigen einiges zu. „Man darf ihn nie unterschätzen“, sagt der Österreicher Gregor Schlierenzauer, der Gesamtweltcupsieger von 2009. Auch Schmitt glaubt, dass Ahonen „wieder vorne mitmischen“ kann.

Erklärbar ist das Phänomen Ahonen aber kaum. Weder seine Schweigsamkeit noch seine Erfolgsaussichten. Jens Weißflog, viermaliger Tournee-Gewinner und selbst jahrelanger Überflieger, sagt: „Janne ist wohl einfach cooler als alle anderen.“

Jens Reinbold 22.12.2009
Björn Franz 18.12.2009