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Sport-Welt „Das tut einfach nur noch weh“
Sport Sport-Welt „Das tut einfach nur noch weh“
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00:15 13.11.2013
„Wir haben eigentlich auch im Stadion alles im Griff gehabt – bis auf einige Blöcke, insbesondere N 16 und N 17“: Das Abbrennen der Pyrotechnik kommt Hannover 96 teuer zu stehen. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Herr Kind, Krawalle, Pyrotechnik,ein schwaches Spiel – insgesamt war die Partie gegen Braunschweig ein Derby zum Vergessen, oder?
Es war ein sehr schwieriges Derby. Im Grundsatz sind ja Derbys zu begrüßen, aber dieses war ein besonderes im negativen Sinne. Die Polizei hat es aber insgesamt sehr gut im Griff gehabt. Die Erwartungen waren doch schon etwas anders.

Trotz der großen Sicherheitsvorkehrungen haben Fans beider Mannschaften, besonders aber die Ihres Klubs,ausufernd Pyrotechnik abgebrannt.
Leider. Wir haben eigentlich auch im Stadion alles im Griff gehabt – bis auf einige Blöcke, insbesondere N 16 und N 17 (dort stehen die sogenannten 96-Ultras, d. Red.).

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Wie ist es denn möglich, derart viel Pyrotechnik ins Stadion zu schmuggeln?
Das ist die Frage, die sehr deutlich zu analysieren sein wird. Die ersten Gespräche habe ich gleich am Sonnabendmorgen geführt. Es ist gibt erste Spekulationen, aber dazu möchte ich erst mal noch nichts sagen. Wir müssen jedoch schleunigst Antworten finden, denn es sind ja immer diese Problemblöcke, die Ärger machen.

Borussia Dortmund hat nach den Ausschreitungen „auf Schalke“ vor zwei Wochen massive Einschnitte für die Ultraszene des Klubs vorgenommen und zum Beispiel die Auswärtsdauerkarten gestrichen. Schweben Ihnen auch irgendwelche Sanktionen vor?
Das werden wir in dieser Woche diskutieren. Aber: Wir wollen keine Pauschalverdammung. Das hilft uns nicht, das hilft eigentlich keinem. Mir wäre lieber, wir würden Einzelne identifizieren. Aber das wird schwer, leider waren die meisten vermummt. Man muss auch sehen, dass es vor diesem Spiel in dieser Saison bei unseren Spielen keine Anwendung von Pyrotechnik gab; vielleicht war das Ganze derbyspezifisch.

Ein echter Aufreger war auch die Choreografie der 96-Fans, die durchaus schön aussah, aber Geschmacklosigkeiten darbot. Ein Schwein im Eintracht-Wappen, das Wort Abschaum …
… das geht überhaupt nicht. Dafür kann ich mich nur entschuldigen. Das Banner „Tod und Hass dem BTSV“ hätte während des Spiels unbedingt abgenommen werden müssen. Abschaum, Tod, Hass: So etwas ist unbegreiflich. Und wieder die Frage: Wie haben die Fans das Banner reingekriegt? Darauf müssen wir schnellstens Antworten finden, wie man so etwas unterbindet.

Die Choreografie soll doch im Vorfeld mit dem Verein abgesprochen worden sein.
In dieser Form mit Sicherheit nicht. Ehrlich gesagt: Wenn ich dieses ganze Theater sehe, stelle ich mir schon die Frage, ob ich noch ganz normal bin. Immer wieder muss ich mich mit dieser Scheiße auseinandersetzen. Wir haben so hart gearbeitet, dass 96 sich schrittweise entwickelt, und immer wieder kommen Leute und beschädigen es. Es kann einfach nicht sein, dass eine Minderheit eine große Mehrheit dominiert. Das tut einfach nur noch weh.

Für den Verein wird es jetzt wieder eine Strafe vom Deutschen Fußball-Bund  geben. Haben Sie schon eine Ahnung, in welcher Höhe sie ausfallen könnte?
Summenmäßig nicht. Aber nach unserer Einschätzung müsste die Strafe kleiner sein als nach dem DFB-Pokalspiel gegen Dynamo Dresden in der vergangenen Saison. Damals mussten wir ungefähr 70 000 Euro zahlen.

Warum sollte es diesmal weniger sein?
Weil wir diesmal keine Gewalt im Stadion hatten und wirklich alles protokolliert haben, was wir an Sicherheitsmaßnahmen in  – auch kostenmäßig –  hohem Aufwand vorbereitet haben. Warum das nicht alles gegriffen hat, das müssen wir analysieren. Aber wir hatten uns auf alle Szenarien vorbereitet. Darum hoffe ich, dass das „strafmindernd“ einzuordnen ist.

Kann man den hohen Kostenaufwand für die Sicherheitsvorkehrungen beziffern?
Nicht endgültig. Aber sonst haben wir als Standard 450 Sicherheitsleute, diesmal waren es 700. Wir haben bauliche Maßnahmen durchgeführt, dazu kommen Reparaturkosten. Wir bewegen uns irgendwo bei 100 000 Euro, und da kommt dann noch die DFB-Strafe hinzu. Wirtschaftlich war dieses Spiel wahrlich nicht kostengünstig. Wir vernichten Kapital für nichts. Das macht nur noch betroffen, unwahrscheinlich betroffen sogar.

Die HDI-Arena ist videoüberwacht. Das gibt Ihnen doch die Möglichkeit, die „Täter“ zu ermitteln und so zumindest das Geld für die DFB-Strafe von denen zurückzuholen.Datenschutzrechtlich dürfen wir die Aufnahmen nicht auswerten. Das macht die Polizei, und da hoffe ich, dass wir bis zum Mittwoch die ersten Informationen haben.

Wir werden Sie dann weiter vorgehen?
Wenn wir jemanden identifizieren können, dann gehen wir mit allen rechtlichen und vereinsrechtlichen Mitteln dagegen vor.

Von Jörg Grußendorf