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Sport-Welt „Ich kam zum Schluss, dass das dazugehört“
Sport Sport-Welt „Ich kam zum Schluss, dass das dazugehört“
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08:37 29.01.2013
Von Stefan Knopf
Grischa Niermann gab zu, zwischen 2000 und 2003 „einige Male das verbotene Mittel EPO genommen" zu haben. Quelle: dpa
Hannover

Herr Niermann, Sie haben lange Jahre für einen sauberen Radsport geworben, jetzt räumen Sie den Gebrauch von Epo ein. Auch wenn das schon ein paar Jahre zurückliegt: Wie haben Sie all die Zeit mit dieser Wahrheit gelebt?

Ich habe das ganz gut verdrängt. Ich habe mich die vergangenen zehn Jahre als sauberen Radsportler gesehen, der jungen Fahrern sagt, dass Epo oder Wachstumshormone kein Weg sind. Damit habe ich die dunkle Vergangenheit weggehalten. Es ist mir schwer gefallen, aber es wäre eine Lüge, wenn ich sagen würde, ich hätte mir den Kopf zermartert.

Wie war das erste Mal mit Epo?

Es gab Zeiten, da habe ich geträumt, ein großer Star zu werden. Irgendwann kam ich zum Schluss, dass das dazugehört.

Gab es Druck vom Team oder einen freundlichen Tipp vom Kollegen?

Das war meine persönliche Entscheidung. Es war eine Zeit, in der es einem sicher leicht gemacht worden ist. Ich hatte damals als Fahrer nicht das Unrechtsbewusstsein, das ich hätte haben sollen.

Also war Doping Alltag?

Das war kein Alltag. Es war möglich.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie Epo genommen haben? War das spürbar?

Ja, es lief besser. Aber kein Dopingmittel hat den Effekt, dass man sich wie Supermann fühlt oder keine Schmerzen mehr hat. Bei mir hat es vielleicht ein oder zwei Prozent Leistungssteigerung gebracht.

Sie sprechen nur von Epo-Gebrauch. Sie haben nie andere Dinge probiert? Kein Testosteron, kein Kortison, kein Blutdoping?

Nein.

Wann haben Sie Epo genommen?

Im Jahr 2000 vor Paris–Nizza und der Tour de France, 2002 vor dem Giro d’Italia und 2003 vor der Tour de France.

Immer nur davor, nie während der Rennen?

Nur davor.

In dieser Zeit haben Sie Ihre besten Ergebnisse eingefahren: 24. Platz bei der Tour 2000, 28. Platz bei der Tour 2003, Sieg bei der Niedersachsen-Rundfahrt 2001. Wie stolz sind Sie auf diese Ergebnisse?

Ich bin auf diese Zeit überhaupt nicht stolz, weil ich mich verleiten lassen habe, den rechten Weg zu verlassen. Und wenn jemand verlangt, ich soll die Ergebnisse zurückgeben, dann werde ich das tun.

Warum haben Sie wieder aufgehört?

Ich habe gesehen, dass es mir nicht hilft, große Resultate einzufahren. Mein Traum war mal ein Platz unter der Top Ten bei der Tour oder sogar ein Platz auf dem Podium. Aber ich habe eingesehen, dass das für mich nicht möglich ist, dass es in keiner Relation steht, so ein Risiko einzugehen. Darum habe ich irgendwann 2003 entschieden, wieder aufzuhören.

Haben Sie nie gesundheitlichen Risiken befürchtet?

Nein, ich wäre auch niemals bewusst gesundheitliche Risiken eingegangen. Das ist auch ein Grund, warum ich nie auf die Idee gekommen wäre, zu Wachstumshormonen zu greifen. Ich war mir immer bewusst, dass meine Karriere zeitlich begrenzt ist und dass ich danach noch gesund und glücklich leben möchte.

Wie lief das, als Sie sich zum Epo-Gebrauch entschlossen haben? Sie sind ja nicht in die nächste Apotheke gelaufen und haben ein paar Ampullen bestellt ...

Das gehört zu den Dingen, über die ich nicht in der Öffentlichkeit reden möchte. Das ist wichtig für die niederländische Kommission.

Hat Ihre Familie vom Doping gewusst?

Meine Frau war die Einzige, die immer auf dem Laufenden war. Sie wusste, was ich tat. Den Rest meiner Familie habe ich in den vergangenen Wochen und Monaten ins Vertrauen gezogen.

Wie hart war das?

Es ist mir sehr nahe gegangen, meine Kinder zu unterrichten. Mein kleiner Sohn versteht das noch nicht richtig, aber mein älterer Sohn ist neun, der versteht das sehr wohl. In den vergangenen zwei Wochen hatte ich das Gefühl, die Welt bricht über mir zusammen. Dass ich keine Zukunft in meinem Job habe und dass meine Familie nie mehr so leben wird wie bisher.

Können Sie nachvollziehen, dass nicht jeder glauben wird, dass Sie nach 2003 nichts mehr genommen haben?

Das kann ich. Aber ich könnte flächendeckendes Doping bis 2008 gestehen, die Sperre wäre dieselbe: ein halbes Jahr. Und wer sich meine Ergebnisse ansieht, der weiß, dass ich die Wahrheit sage.

Interview: Stefan Knopf

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