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Sport-Welt Hochspringer aus Hannover genießt die Stimmung
Sport Sport-Welt Hochspringer aus Hannover genießt die Stimmung
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22:51 08.09.2012
Von Manuel Becker
Für Bötzel waren es wohl die letzten Paralympics.
Für Bötzel waren es wohl die letzten Paralympics. Quelle: dpa
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London

Nach dem Wettkampf kam er langsam angetrottet, haute sich noch einmal verärgert mit der Hand aufs Bein. „Das ist sehr, sehr ärgerlich“, sagte Reinhold Bötzel in der Mixed-Zone des Londoner Olympiastadions. Beim paralympischen Hochsprung-Wettkampf war er nach drei Fehlversuchen über 1,90 Meter ausgeschieden. Damit landete der Mann aus Hannover, der sonst für Rot-Weiß Koblenz startet, auf Rang sieben.

Deutlich über 1,90 Meter wollte er eigentlich springen, und beim Warmspringen habe er auch ein gutes Gefühl gehabt, sagte Bötzel. Die 1,85 Meter hatte er im dritten Versuch noch übersprungen und gedacht „jetzt bist du voll drauf. Aber dann habe ich meine alten Fehler gemacht uns bin in die Latte rein gesprungen“, sagte der 36-Jährige.

Seit dem 27. August war er in London, hatte jeden Tag trainiert, „bis auf einen freien Samstag“, wie er erzählt. Die Paralympics hatte er größtenteils am TV-Gerät im olympischen Dorf verfolgt. „Da stand der eigene Wettkampf im Vordergrund“, sagt er. Einmal sei er aber doch im Olympiastadion gewesen, bei der 4x100-Meter-Staffel, bei der er Ersatzläufer war. Die Staffel lief zu Bronze, weil zwei Teams disqualifiziert wurden, und Bötzel saß auf der Tribüne und trauerte der Bronze-Chance hinterher.

Am Sonnabendabend durfte er die Atmosphäre in dem wie jeden Abend mit 80.000 Zuschauern ausverkauften Olympiastadion selbst erleben. „Leider viel zu kurz“, wie er nach dem Wettkampf sagte. „Die Stimmung war einfach geil, unbeschreiblich“, sagte Bötzel. „Wenn du da unten stehst, denkst du, jetzt schaut wirklich jeder, auch der im letzten Winkel des Stadions, auf dich.“ Mit lautem „Ohhhhh“ oder „Yeah“ staunte das ganze Stadion bei den Sprüngen der Athleten über deren Höhen oder deren Scheitern. „Das kriegt man aber erst mit, wenn man landet“, sagte der Hannoveraner, der schnell zum Zuschauen verdammt war. Gold gewann der Pole Maciej Lepiato (2,12 Meter) vor dem US-Amerikaner Jeff Skiba und dem Chinesen Hongjie Chen.

Für Bötzel waren es wohl die letzten Paralympics. „Ich habe so viel und hart trainiert, jetzt will ich mal mein Leben genießen“, sagte er am Sonnabendabend noch im Olympiastadion. Die Weltmeisterschaft in Lyon im nächsten Jahr sei der letzte Wettkampf. „Danach ist Schluss mit dem Leistungssport.“

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