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Sport-Welt Hitziges Nachspiel in Fürth
Sport Sport-Welt Hitziges Nachspiel in Fürth
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17:50 21.03.2012
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„Ich habe nur gejubelt“: Kevin Großkreutz (r.), Gerald Asamoah (l., verdeckt). Quelle: dpa
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Fürth

Sie setzten ein Signal, das mancher Dortmunder als respektlos empfand, und sie setzten es zu früh. Der zum Helden einer Pokalnacht auserkorene Jasmin Fejzic betrat die Szene in der 118. Minute, als das DFB-Pokalhalbfinale zwischen dem Zweitliga-Ersten Greuther Fürth und dem deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund noch torlos hin und her wogte. Alle freuten sich auf das bevorstehende Elfmeterschießen oder zitterten vor dem finalen Shootout. Darin war dem Bosnier, der den vorzüglichen Fürther Stammtorwart Max Grün zwei Minuten vor Ende der Verlängerung ablöste, eine Schlüsselrolle zugedacht.

"Elfmeter", sagte sein Trainer Mike Büskens später über den Pechvogel Fejzic, "hält er im Training perfekt." Doch als es am späten Dienstagabend ernst wurde für die Franken, stand das Elfmeterschießen noch gar nicht auf dem Spielplan. In letzter Sekunde hatte sich der Dortmunder Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan endlich getraut, auf den Rat seines Trainers Jürgen Klopp zu hören und auch mal aufs Tor zu schießen. Volltreffer! Sein Schuss prallte gegen den Pfosten, von da gegen den Rücken des herangeflogenen Fejzic und von dort ins Netz: 1:0 für Dortmund, Abpfiff, grenzenloser Jubel bei den Schwarz-Gelben, grenzenlose Traurigkeit bei den Weiß-Grünen. "Bitterer kann man nicht ausscheiden", klagte Büskens leise, während sich sein ähnlich aufgewühlter Kollege Klopp den richtigen Hinweis erlaubte: "Der Torwartwechsel war legitim. Fakt ist nur, dass sich die Fürther zwei Minuten zu früh auf das Elfmeterschießen eingestellt haben."

So geriet das Finale dieser kämpferisch und leidenschaftlich geführten Partie zu einem Musterbeispiel für den Reiz der Pokalwettbewerbe mit ihrem ganz speziellen Knock-out-Charakter. Die Fürther hatten, salopp gesagt, den Dortmunder Sieg eingewechselt, und die überglücklichen Borussen sangen hämisch "Torwartwechsel, Torwartwechsel, hej, hej". Die Kabine des BVB wurde nach der Zitterpartie zur Partyzone, während die Fürther ihre Enttäuschung und auch ihren Ärger in der Mixed Zone los wurden. Die Dortmunder Komplimente (Klopp: "Diese Mannschaft gehört in die Bundesliga") vernahmen sie wohl, doch aufbauend wirkten sie im Moment der unglückseligen Niederlage nicht.

Dass einer der Sieger im Augenblick der überschäumenden Emotionen über die Stränge schlug, passte indes nicht zu einem Abend, an dem sich die beiden Mannschaften hart, aber herzlich begegnet waren. Kevin Großkreutz, gebürtiger Dortmunder und seit Kindesbeinen BVB-Fan, wurde nach dem Abpfiff persönlich. Er ging auf den Fürther Kollegen Gerald Asamoah los, der von 1999 bis 2011 einer der populärsten Schalker Profis war, und bedachte ihn mit Worten, die von kollegialer Freundlichkeit weit entfernt gewesen sein dürften.

"Ich habe nur gejubelt", sagte Großkreutz später, der auf das Wort "Schalke" schon bei früherer Gelegenheit allergisch reagierte. Asamoah, der ehemalige deutsche Nationalspieler ghanaischer Herkunft, wollte sich über Großkreutz’ Worte lieber nicht äußern. "Zu so einem Typen brauche ich nicht viel zu sagen. Er ist es nicht wert, darüber zu reden." Konkreter wurde Asamoahs Mitspieler Mergim Mavraj: ",Asa‘ braucht sich nicht von einem pubertierenden Jungen beleidigen zu lassen bezüglich seiner Hautfarbe." Dass Großkreutz auch Fürths Trainer Büskens - mit 18-jähriger Schalker Vergangenheit - verbal attackiert habe, bestätigte der Coach später, ohne ins Detail zu gehen. "Das war eigentlich beschämend", kommentierte er den Trash-Talk-Auftritt des BVB-Profis mit der königsblauen Allergie. Da kamen selbst die beschwichtigenden Einwände Klopps zu spät, der darum bat, "nicht über Kevins Charakter zu urteilen, wenn man ihn nicht persönlich kennengelernt hat".

Auch diese Episode zwischen Gift und Galle gehörte zu einem Abend, der nichts für Ästheten war, aber dramaturgisch gesehen alles bot, was den Fußball zu einem aufregenden Spektakel machen kann.

Borussia Dortmund will nun den dritten Pokalsieg nach 1965 und 1989 in Angriff nehmen. Es winkt ein Traumfinale nach einem Abend, der zum Albtraum hätte werden können und in Gündogan einen neuen Dortmunder Helden gebar. "Das", pries Klopp den Schützen zum Sieg, "ist seine Eintrittskarte zu Borussia Dortmund, er hat Geschichte geschrieben."

Carsten Schmidt 21.03.2012
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