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Sport-Welt Doping-Erdbeben bei den Top-Sprintern
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21:50 14.07.2013
US-Topsprinter Tyson Gay. Quelle: dpa
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Berlin

Doping-Enthüllungen ungeahnten Ausmaßes erschüttern die internationale Leichtathletik. Wenige Stunden nach der Offenbarung von US-Sprinter Tyson Gay, positiv getestet worden zu sein, raste die Nachricht um die Welt, dass auch der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler Asafa Powell und seine jamaikanische Teamkollegin Sherone Simpson in die Kontroll-Falle gerast sind. Das bestätigte ihr Agent Paul Doyle am Sonntag der Nachrichtenagentur AP.

Nach mehreren Medienberichten soll auch Staffel-Olympiasieger Nesta Carter zu insgesamt fünf positiv getesteten Spitzenathleten aus Jamaika gehören. Das berichten unter anderem der britische „Telegraph“, CBS und jamaikanische Quellen. Bei den weiteren beiden Athleten soll es sich nach dpa-Informationen um Werfer handeln. Bei der verbotenen Substanz soll es sich nach Doyles Angaben um das Stimulanzmittel Oxilofrin handeln. Diese sei bei den jamaikanischen Meisterschaften festgestellt worden.

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Powell war 2008 mit Jamaikas Staffel Olympiasieger über 4 x 100 Meter geworden. Er hielt den Weltrekord ehe er von Landsmann Usain Bolt abgelöst wurde. Unterdessen versicherte Bolts Manager, dass sein Athlet nicht zu den fünf positiv getesteten jamaikanischen Sprintern gehöre. Sherone Simpson gewann 2004 mit Jamaikas Frauen über 4 x 100 Meter Olympia-Gold und holte vergangenes Jahr in London olympisches Staffel-Silber.

Der spektakuläre Doping-Paukenschlag vier Wochen vor den Weltmeisterschaften in Moskau (10. bis 18. August) begann am Sonntag mit dem Geständnis von Tyson Gay, das WM-Titelduell mit Bolt wegen eines positiven Tests absagen zu müssen. Der schnellste Mann über 100 Meter in diesem Jahr bestätigte in einer Telefonkonferenz, dass er bei einer Trainingskontrolle am 16. Mai positiv auf eine verbotene Substanz getestet worden sei. „Ich komme nicht mit einer Sabotage-Theorie. Fakt ist vielmehr, dass ich Leuten vertraut habe, die mich nun hängengelassen haben“, sagte Gay.

Die Anti-Doping-Agentur der USA (USADA) begrüßte, wie Gay „mit der Situation“ umgehe. Zudem kündigte die Agentur an, die Analyse der B-Probe in Kürze vorzunehmen.

Die ersten Reaktionen auf das Doping-Beben reichten von Ungläubigkeit bis Unverständnis. „Das ist eine Hammer-News“, sagte Julian Reus, der deutsche Meister über 100 und 200 Meter, dem TV-Sender Sky Sport News HD. „Wir sind schockiert und entrüstet. Für die Leichtathletik und den Männer-Sprint im Besonderen ist das eine große Belastung. Damit werden im Grunde alle Spitzenleistungen infrage gestellt. Da sind Zweifel angebracht“, sagte Helmut Digel, Councilmitglied des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, der Nachrichtenagentur dpa. „real????echt??? Wirklich??“, twitterte Deutschlands Weitsprung-Ass Sebastian Bayer.

Gay hatte bei den US-Trials mit 9,75 Sekunden über 100 Meter und 19,74 Sekunden über 200 Meter aufhorchen lassen. Er galt als ernsthafter Herausforderer für Jamaikas Sprint-König Usain Bolt, für den der Weg zum WM-Gold nun frei zu sein scheint. Zuvor hatte bereits dessen Landsmann und Titelverteidiger Yohan Blake verletzungsbedingt passen müssen.

Der 30 Jahre alte Gay will die B-Probe zwar schnellstmöglich öffnen lassen, hat seinen Start bei den Titelkämpfen vom 10. bis 18. August in Moskau aber bereits abgesagt. Die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) hatte den dreifachen Weltmeister von 2007 schon am Freitag über das positive Ergebnis der Dopingprobe informiert. Um welche Substanz es sich handelt, verriet Gay nicht.

Der IAAF liegen noch keine detaillierten Informationen über den spektakulären Fall vor. „Deshalb kann man jetzt weder etwas über die Schwere des Vergehens noch über die eingenommene Substanz sagen“, erklärte Digel. Fest stehe dagegen, dass das Ansehen der Leichtathletik darunter leide. „Wir haben Probleme genug. Das ist ein Ärgernis für die WM“, meinte Digel und fügte hinzu: „Entscheidend ist aber, dass dieser positive Test vor der WM aufgedeckt wurde.“

Gay war in dieser Saison fit und gesund auf die Bahn zurückgekehrt, nachdem er in den vergangenen Jahren wegen Bänder- und Muskelbeschwerden sowie einer Hüftoperation den Anschluss an die Weltspitze verloren hatte. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London reichte es für den Amerikaner lediglich zu Silber mit der US-Staffel über 4 x 100 Meter.

Umso erstaunlicher geriet sein Comeback in dieser Saison. „Die Zeit gibt mir das Selbstvertrauen, dass ich jeden schlagen kann“, tönte er nach seiner Weltjahresbestleistung über 100 Meter Mitte Juni bei den US-Meisterschaften in Des Moines/Iowa. Einen Monat später steht Gay am Pranger und möglicherweise vor dem Karriereende.

dpa