Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Sport-Welt Eva Bitter gewinnt die German Classics
Sport Sport-Welt Eva Bitter gewinnt die German Classics
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:37 01.11.2010
Von Christian Purbs
Die vierfache deutsche Meisterin Eva Bitter gewinnt die German Classics.
Die vierfache deutsche Meisterin Eva Bitter gewinnt die German Classics. Quelle: Dröse
Anzeige

Überraschungen hat es in den zehn Jahren der German Classics schon viele gegeben, aber eine so überraschte Siegerin wohl noch nie. Eva Bitter war einfach nur baff. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagte die 37-jährige Springreiterin nach ihrem Erfolg mit Satisfaction im mit 50.000 Euro dotierten Finale des internationalen Turniers vor 75.000 Zuschauern. „Das ist mein größter Erfolg.“ Und sie ist immerhin vierfache deutsche Meisterin.

Nach ihrem Ritt – die Bad Essenerin war die vierte von zehn Teilnehmern der Siegerrunde – hatte Bitter gebannt die weiteren Rivalen beobachtet, war von Starter zu Starter blasser geworden. Sie wirkte richtiggehend geschafft. Als schließlich mit dem Niederländer Jeroen Dubbeldam der letzte durch war und sie als Siegerin feststand, da schlug sie völlig verblüfft die Hände vor das Gesicht. „Mensch, hatte ich ein Glück“, sagte sie fast schüchtern. „Meine Zeit war eigentlich nicht gut (37,88 Sekunden, d. Red.). Ich dachte die ganze Zeit, da zieht sowieso noch jemand vorbei.“

Das passierte aber nicht, denn Bitter hatte Großartiges geleistet, war klasse geritten und erst die zweite German-Classics-Siegerin überhaupt. Die erste war die Schwedin Malin Baryard-Johnsson vor sechs Jahren.

Bitter hatte auch ihren mehrfachen Heimvorteil gekonnt genutzt. Die 37-Jährige kommt aus Niedersachsen (nähe Osnabrück) ritt mit Satisfaction einen Hannoveraner vom Landesgestüt Celle – und kennt sich in der Landeshauptstadt ohnehin bestens aus. Sie hat hier sogar schon mal für ein Jahr gelebt und ihr Abitur gemacht, an der Waldorfschule in Bothfeld. „Es war ein hartes Jahr“, sagte sie mit einem breiten Grinsen, „es war plötzlich vorbei mit Namen tanzen und Kuchen backen.“

Aber sie kehre immer wieder gern zurück nach Hannover, meinte Bitter, besonders zu den Germans Classics. „Sie sind ein herausragendes Turnier“, sagte die Lebensgefährtin von Olympiareiter Marco Kutscher, der ihr unter der Woche einige Tipps beim Training gegeben hatte. Bitter sammelte in der Riders-Cup-Wertung 20 Punkte und hat am nächsten Wochenende beim Finale in München mit insgesamt 40 Zählern als Dritte gute Chancen auf den Gesamtsieg. In Führung liegt der Ire Denis Lynch (45) vor Heiko Schmidt (41).

Und Bitter war gar erstmals in ihrer Karriere schneller als der Österreicher Hugo Simon, der mit Ukinda in 38,39 Sekunden Zweiter wurde. „Ich hatte an diesem Wochenende einige Male Pech mit Fehlern beim letzten Sprung. Darum bin ich etwas vorsichtiger geritten“, sagte der Österreicher. Für diesen kleinen taktischen Fehler bekam der 68-Jährige von Turnierdirektor Paul Schockemöhle einen schönen Spruch mit auf den Weg. „Mensch Hugo, noch ein bisschen mehr Erfahrung, dann wird das noch was“, sagte er und erntete dafür machen Lacher.

Der 65-Jährige hatte allen Grund, gut gelaunt zu sein. Trotz Terminüberschneidungen und einem Weltcupturnier in Lyon als Konkurrenzveranstaltung konnte er einen neuen Zuschauerrekord bei den 10. German Classics vermelden. Im vergangene Jahr hatten insgesamt knapp 42.000 Zuschauer das Turnier besucht. „Diesmal waren es noch einige mehr“, sagte Schockemöhle. Und die werden nächstes Jahr bestimmt wiederkommen.