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Sport-Welt Eisschnellläuferin Beckert holt WM-Bronze
Sport Sport-Welt Eisschnellläuferin Beckert holt WM-Bronze
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17:56 10.03.2011
Die niederländische Weltmeisterin Ireen Wüst (M), die Zweitplazierte Tschechin Martina Sablikova (l) und die Drittplazierte Stephanie Beckert. Quelle: dpa
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Stephanie Beckert strahlte über das ganze Gesicht, Claudia Pechstein rang sich ein eher gequältes Lächeln ab. Die 22-jährige Team-Olympiasiegerin hat das erste große Duell gegen Pechstein zu ihren Gunsten entschieden und bei den Eisschnelllauf-Weltmeisterschaften in Inzell mit Bronze die erste Medaille für das deutsche Team erkämpft. Die Erfurterin lief in 4:04,28 Minuten so schnell wie noch nie auf einer europäischen Bahn.

Nur Mehrkampf-Weltmeisterin Ireen Wüst aus den Niederlanden (4:01,56) und die geschlagene Top-Favoritin Martina Sablikova aus Tschechien (4:02,07) waren noch schneller. Pechstein kam bei ihrem ersten Titelkampf nach Ablauf ihrer Zweijahressperre wegen erhöhter Blutwerte auf den achten Platz.

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„Es lief super. Ich habe schnell meinen Rhythmus gefunden. Über meine Zeit habe ich mich riesig gefreut. Ich bin total glücklich“, sagte Stephanie Beckert. Es war für die stille Genießerin die erste Medaille bei einer Weltmeisterschaft, nachdem sie im Vorjahr mit Gold im Team und zweimal Silber bei Olympia in Vancouver ihren internationalen Durchbruch geschafft hatte.

Teil 1 ihres Unternehmens Inzell ist damit erfüllt. Die Thüringerin hatte zuvor je eine Plakette auf den Langstrecken als Ziel verkündet. „Ich werde mich jetzt ganz konzentriert auf die 5000 Meter vorbereiten und versuchen, dort noch eine Medaille abzustauben“, meinte Beckert, die vor dem Rennen weiter über Rückenschmerzen geklagt hatte. „Aber beim Rennen waren die weg und erst recht bei der Siegerehrung“, sagte sie.

Pechstein verpasste ihre erste von drei Chancen, auch bei ihrer zwölften Einzelstrecken-WM eine Medaille zu erkämpfen. Mit bislang 53 Medaillen (14/27/12) bei Olympia, WM und EM ist sie ohnehin die meistdekorierte Eisschnellläuferin der Welt. „Ich wolle eine Zeit vorlegen, an der sich die anderen die Zähne ausbeißen“, hatte sie angekündigt, doch ihr Plan ging nicht auf. „Ich wollte hier schon ein bisschen schneller sein. Aber egal, es war schön, hier überhaupt zu laufen“, meinte Pechstein und gab gleich eine neue Kampfansage für die 5000 Meter am Samstag aus.

„Ich werde die 1500 Meter am Freitag weglassen und mich ganz auf die 5000 Meter konzentrieren. Da muss ich mich nun besonders anstrengen“, sagte die 39-Jährige und beklagte sich danach über die zahlreichen Blutkontrollen seit Ablauf ihrer Sperre. „Ich bin jetzt bei fast jedem Rennen mehrfach getestet worden, hier in Inzell sind mir vier Röhrchen abgenommen worden. Mit intelligenten Bluttests hat das nichts mehr zu tun. Ich leide jetzt schon fast an Blutarmut.“

Unbeeindruckt vom Scheidungs-Krieg mit ihrem Noch-Ehemann Markus Buklitsch, der eine Unterhaltsklage angestrengt hat, ging Pechstein im siebten Paar der Konkurrenz das Rennen schnell an, musste dann aber dem Tempo Tribut zollen und konnte mit 33er Rundenzeiten nicht mit den Topläuferinnen mithalten. Trotz Saisonbestleistung von 4:08,11 Minuten reichte es für sie nur zu Platz acht.

Bereits am Morgen hatte Pechstein eine Versöhnungs-Offensive gestartet und durch einen Sponsor für alle akkreditierten Sportler, Trainer und Offizielle 1000 Donuts verschenken lassen. „Ich will damit allen Dankeschön sagen, die mich nach meiner Sperre wieder so herzlich im Kreis der Eisschnelllauf-Familie aufgenommen haben“, meinte sie zur Begründung.

Für Wüst war es bereits das sechste WM-Gold nach drei Siegen auf Einzelstrecken und zwei Mehrkampf-Titeln. Die Prognose, dass in Inzell der Europarekord fallen würde, erfüllte sich aber nicht. Weiterhin ist die Erfurterin Gunda Niemann-Stirnemann mit ihrer Zeit aus dem Jahr 2001 in Hamar (4:00,26 Minuten) die schnellste Läuferin in Europa auf dieser Distanz.

dpa