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Sport-Welt Die Stunde der Außenseiter
Sport Sport-Welt Die Stunde der Außenseiter
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21:59 30.10.2011
Championjockey Eduardo Pedroza und Paraisa (rechts) galoppieren zum Sieg im Großen Preis vom Gestüt Burg Eberstein.
Championjockey Eduardo Pedroza und Paraisa (rechts) galoppieren zum Sieg im Großen Preis vom Gestüt Burg Eberstein. Quelle: Florian Petrow
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Der Anlass lag vier Wochen zurück: Da hatte die Stute Danedream den Prix de l’Arc de Triomphe gewonnen, das prestigereichste Galopprennen der Welt. Und dieses Pferd stammt aus dem Pferdeland Niedersachsen. Genauer gesagt aus dem Gestüt Brümmerhof in Soltau, das auch noch von Gregor Baum, dem Präsidenten des Hannoverschen Rennvereins (HRV) und seiner Frau betrieben wird. Deshalb stand das Ehepaar Baum, das als perfekter Gastgeber auf der Neuen Bult sonst die Siegerpreise verteilt, zum Saisonfinale in Langenhagen selbst einmal im Mittelpunkt einer Ehrung.

Und nachdem auf der Videoleinwand noch einmal Danedreams großer Ritt in Longchamp gezeigt worden war, betonte Gregor Baum: „Ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass auf unserem Gestüt ein Arc-de-Triomphe-Sieger gezogen worden ist. Und meine Frau und ich freuen uns uneingeschränkt mit den neuen Besitzern.“ Baum hatte die famose Stute 2010 an einen badischen Möbelhausbesitzer verkauft, mittlerweile gehört sie zur Hälfte dem japanischen Pferdezüchter Teruya Yoshida.

Doch nicht nur die Eheleute Baum standen im Blickpunkt des Renntages, auch Danedreams Trainer Peter Schiergen und Jockey Andrasch Starke, der in Paris im Sattel saß. Starke führte im 4. Rennen in Langenhagen Esperanza zum Sieg, ausgerechnet in Abwesenheit des Besitzers Martin Kind, der in seiner Eigenschaft als Klubchef des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 einen Fernsehauftritt absolvieren musste. Schiergen hatte weniger Erfolg, obwohl er allein in den drei Listenrennen gleich acht Pferde an den Start gebracht hatte. Doch nur Lagalp und Nicea schafften es im Großer Preis Jungheinrich Gabelstapler über 2200 Meter als Zweite und Dritte wenigstens aufs Treppchen.

Ohnehin schlug zum Saisonabschluss noch einmal die Stunde der Außenseiter. In den Rennen 6 bis 9 gab es durchgehend fünfstellige Quoten in der Dreierwette, mit Kasumi, der in Hoppegarten von Roland Dzubasz vorbereitet wurde, im Großer Preis Jungheinrich Gabelstapler und Etive (Trainer Henry-Alex Pantall) aus dem Rennstall des Scheichs Mohammed al-Maktoum im Großen Preis der Mehl-Mülhens-Stiftung über 1400 Meter gewannen Außenseiter zwei der drei Hauptereignisse. Nur Paraisa, von Andreas Wöhler trainiert, wurde im Zweijährigenrennen über 1600 Meter ihrer Favoritenrolle souverän gerecht.

Aus lokaler Sicht setzte die Akzente dieses Mal Hans-Jürgen Gröschel. Der Trainerroutinier ist bekannt dafür, dass seine Pferde eher spät als früh im Jahr gut laufen. Und das zeigten sowohl die zweijährige Debütantin Wasimah im 2. Rennen als auch The Danzig Factor im 3. Wettkampf eindrucksvoll. Beide kamen ganz unterschiedlich zu ihren Siegen: Wasimah spielte zum Schluss ihre Spurtkraft aus, The Danzig Factor ging mit Jockey Terence Hellier sofort an die Spitze, brachte den Vorsprung ins Ziel und erntete ein Sonderlob von Gröschel: „Hellier ist einer der wenigen, die das können“, sagte er.

Carsten Schmidt