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Sport-Welt Die Bundesliga ist zurück
Sport Sport-Welt Die Bundesliga ist zurück
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22:43 03.09.2009
Von Uwe Kranz
Bereit für die 1. Liga: Die Handballer des TSV Hannover-Burgdorf. Quelle: Florian Petrow
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Im Gegensatz zu dem in seinem einzigen Erstligajahr vorzeitig zurückgezogenen PSV will sich die TSV dauerhaft in der besten Handball-Liga der Welt etablieren – und viele Experten schätzen die Chancen dafür gar nicht so gering ein. Mit einem Heimspiel gegen HBW Balingen-Weilstetten um 15 Uhr in der AWD-Hall startet die Mannschaft um Trainer Frank Carstens in die Saison. Und während die Topklubs wie THW Kiel und HSV Hamburg mit Rekordtransfers alle Grenzen sprengen, hoffen die bodenständig verstärkten Burgdorfer nicht zuletzt auch auf den „achten Mann“.

„Die richtige Stimmung in der Halle kann sehr viel ausmachen. Wenn die Unterstützung von den Rängen stimmt, denke ich, können wir über die Saison gesehen sechs bis acht Punkte mehr holen“, rechnet Carstens optimistisch vor. Noch sehr frisch sind seine Erinnerungen an das entscheidende Aufstiegsspiel gegen die TSG Friesenheim, in dem sein Team mit 3700 Fans im Rücken einen Rückstand von sieben Toren aufholte und mit dem spektakulären Freiwurftreffer von Jacek Bedzikowski zwei Sekunden vor dem Ende den Aufstieg perfekt machte. „Wer das erlebt hat, wird auch wiederkommen“, ist sich Carstens sicher.

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Die Verkaufszahlen sprechen dafür, dass der Trainer Recht behält. Mit mehr als 900 Dauerkarten hat der Klubs die Vorjahreszahl fast verfünffacht. Mehr als die Hälfte der Tickets für den Saisonauftakt sind bereits vergriffen. Die Fans freuen sich auf Gegner wie Kiel, Hamburg, TBV Lemgo oder Rhein-Neckar Löwen. Für Carstens sind andere Spiele wichtiger. Im Abstiegskampf sieht er sechs Teams auf Augenhöhe. „Auch an einem Mittwochabend gegen Wetzlar brauchen wir die Unterstützung der Fans“, sagt er. Als beste Werbung sollen die eigenen Auftritte in der AWD-Hall dienen. „Wichtig ist nicht, dass alle Spiele gewonnen werden, sondern dass Kampf und Einstellung stimmen“, sagt Geschäftsführer Ulrich Karos.

Bei der Auswahl der Neuzugänge legten der Sportliche Leiter Stefan Wyss und Carstens das Augenmerk auf eine kräftige Physis. Der Lette Aivis Jurdzs (ASK Riga) und der Schwede Gustav Rydergaard (Alingsas HK) zeigen mit ihrer hünenhaften Art auf den ersten Blick, dass sie in der Abwehr schwer zu überwinden sind. Dazu kommen mit dem neuen Spielmacher Daniel Brack (HBW Balingen-Weilstetten), sowie den Rückraumschützen Piotr Przybecki (HSG Nordhorn) und Jan-Fiete Buschmann (GWD Minden) Spieler mit langjähriger Bundesliga-Erfahrung.

Trotz der vielen neuen Gesichter im Kader schwärmen alle im TSV-Team vom hervorragenden Mannschaftsgefüge und der homogenen Ausrichtung in der Vorbereitung. „Die Mannschaft zeigt eine tolle Moral und eine gute Einstellung zu ihrer Aufgabe“, stellt Carstens fest. „Ständig wird konstruktive Kritik geübt, mit dem Ziel, die Dinge besser zu machen. Das habe ich so noch nie erlebt.“

Auch wenn sich die Leistungen aus den vergangenen Wochen nicht direkt auf die Liga übertragen lassen, ist der Trainer optimistisch: „Dass wir eine gute Abwehr stellen, ist klar. Auch die Torwartleistung von Jendrik Meyer und Alexander Hübe haben sich gesteigert“, sagt er. „Abwehr–Gegenstoß wird die Grundlage unseres Spiels sein. Das Spielerische im Angriff umzusetzen, wird noch Zeit brauchen.“

Weit weniger festlegen möchte sich der Trainer, wenn es um seine „erste Sieben“ geht. „Wir könnten zwei solcher Reihen aufstellen und beide als ,erste Sieben‘ spielen lassen“, sagt Carstens über die große Qualität in seinem Kader. Einige Spezialisten im Team wie Verteidigerbrocken Rydergaard oder Angriffsexperte Brack zwängen ihn jedoch zur Blockbildung. „Wir werden wohl immer einen Abwehrspieler im Angriff mit dabei haben“, sagt er. Auch im Tor sei das Rennen zwischen Meyer und Hübe völlig offen.

Als offenes Rennen gilt auch der Abstiegskampf. GWD Minden, TSV Dormagen, HSG Wetzlar, HSG Düsseldorf und HBW Balingen-Weilstetten werden vor dem Saisonstart als Hauptkonkurrenten der TSV Hannover-Burgdorf gehandelt. Die Partie zum Auftakt ist für Carstens deshalb auch gleich ein „Vierpunktespiel“. Eine Niederlage wäre „psychologisch“ für sein Team alles andere als gut. „Wir werden aber nicht verlieren“, ist er sich sicher. Sollte er Recht behalten, hätte die TSV ihre Chancen verbessert, das zu werden, als was sie kürzlich vom ehemaligen Kieler Spielmacher und Champions-League-Sieger Stefan Lövgren bezeichnet wurde: eine Bereicherung für die Bundesliga. Eine solche Aussage aus berufenem Munde dürfte auch den letzten Handballfan neugierig gemacht haben auf das Team, das die Handball-Bundesliga zurück nach Hannover geholt hat.