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Sport-Welt Sigurdsson: „Alles ist möglich“
Sport Sport-Welt Sigurdsson: „Alles ist möglich“
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13:05 16.01.2015
Dagur Sigurdsson
Die Ruhe selbst: Dagur Sigurdsson. Quelle: Axel Heimken
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Doha

Die Hände vor der Brust verschränkt, schaut Dagur Sigurdsson mit festem Blick in die Runde. Kein nervöses Nesteln an den Händen, keine zittrige Stimme wie bei seinem Vorgänger. Kurz vor dem WM-Auftakt der deutschen Handballer gegen Polen (heute, 17 Uhr, nicht im frei empfangbaren Fernsehen) wirkt der Isländer gelassen. Fragen nach einer etwaigen leeren Halle („Da mache ich mir keinen Kopf“), dem Hotelluxus („Mir egal, ob es ein oder zwei Bananen gibt“) oder der Anfangssieben („Die sage ich in der Kabine“) – nichts bringt ihn aus der Ruhe. Auch nicht, dass er auf einer Expertenliste gelesen hat, dass Polen im Ranking die Nummer vier ist, nach Titelfavorit Frankreich, Kroatien und Dänemark. „Wir sind auf 16, kurz vor Argentinien. Es liegt an uns, das zu ändern.“ Mehr noch: Sigurdsson vermittelt eine ansteckende Alles-wird-gut-Stimmung: „Wir können hier jeden schlagen. Wenn Abwehr und Torhüterleistung passt, ist alles möglich.“

Für Polen hat er „ein großes Bild“, einen Plan. Denn diese Partie ist für Gensheimer und Co. die vielleicht entscheidende bei dieser WM, hochexplosiv dazu. Aufgrund einer Historie von Animositäten, die mit dem WM-Gold von 2007 begann. Polen fühlte sich im Finale betrogen. Vor allem ist da aber die verpatzte WM-Qualifikation im Sommer, die den deutschen Handball in eine tiefe Krise stürzte und Sigurdsson ins Amt hievte. Dank einer bis heute umstrittenen Wildcard sind die Deutschen in Katar doch dabei. Das sorgte für heftige Diskussionen. Mittendrin der deutsche Trainer der Polen, Michael Biegler. Er habe da von einer abgekarteten Sache gehört. In Doha gibt er sich darauf einsilbig. Das Thema sei raus aus den Köpfen.

Von wegen. Die Wildcard spielt von der ersten Minute an mit. „Die Polen sind physisch stark. Wenn du deine Nase zu tief in die Abwehr steckst, kann sie auch mal brechen“, sagt Steffen Weinhold. Kiels Halbrechter ist einer der deutschen Leistungsträger. Wie Außen Patrick Groetzki: Er gibt zu, dass das Spiel eine „besondere Note hat. Das ist Ironie des Schicksals, aber wir waren damals auf Augenhöhe mit Polen und sind es auch heute.“ Die gute Vorbereitung mit drei Siegen, dazu der Umstand, dass die jungen Spieler wie der 19-jährige Paul Drux so gut eingeschlagen hätten – all das gebe Selbstvertrauen. Auch der neu erweckte Teamgeist.

Als offizielles Ziel wurde das Achtelfinale ausgegeben. Haben die Deutschen die Olympischen Spiele 2016 – Platz zwei bis sieben führt in die Qualifikation – bereits abgeschrieben? „Nein, wir müssen erst mal aus der Gruppe rauskommen. Das ist die erste Etappe. Ist das geschafft, reicht uns das Achtelfinale nicht“, wehrt Teammanager Oliver Roggisch ab. In der Gruppe – noch mit Russland, Dänemark, Argentinien und Saudi-Arabien – nicht unter die besten vier zu kommen, wäre für Torhüter Carsten Lichtlein, der vor seiner siebten WM steht und zum ersten Mal die Nummer eins zwischen den Pfosten ist, eine Art Supergau. „Aber dazu wird es nicht kommen.“

Von Jens Kürbis

Handball-WM - das müssen Sie wissen

Die deutschen Spieltermine: Zum Auftakt in Doha geht es am Freitag (17 Uhr) gegen Polen. Die weiteren Gegner in der Vorrunde sind Russland (Sonntag, 17 Uhr), Dänemark (Dienstag, 19 Uhr), Argentinien (Donnerstag, 17 Uhr) und Saudi-Arabien (24. Januar, 17 Uhr).

Das deutsche Team: Bundestrainer Dagur Sigurdsson wird sein offizielles WM-Aufgebot erst kurz vor dem Auftaktspiel gegen Polen bekannt geben. Von den 18 Spielern, die in Doha sind, wird er dann 16 benennen.

Der Modus: 24 Mannschaften nehmen an der WM teil. Nach der Vorrunde mit vier Sechsergruppen qualifizieren sich die jeweils besten vier Teams der Gruppen für das Achtelfinale. Sie ermitteln im K.-o-System den neuen Weltmeister. Zudem spielen die Verlierer der Viertelfinals noch die Plätze fünf bis acht aus.

Die Favoriten: Nach Expertenmeinungen kommt vor allem dieses Quartett für Gold infrage: Titelverteidiger Spanien, Olympiasieger Frankreich, der WM-Zweite Dänemark und der WM-Dritte Kroatien.

Die WM im Fernsehen: Erstmals sind Spiele einer Handball-WM der Männer nicht im frei empfangbaren TV zu sehen. Der Bezahlsender Sky hat die Rechte erworben und wird über Direktübertragungen im Fernsehen (dafür ist das teure Sportpaket erforderlich) hinaus von den restlichen Spielen in einem sogenannten Livestream im Internet berichten.

Die WM in Hannover: Mit dem Spanier Juan Andreu ist ein Spieler der TSV Hannover-Burgdorf in Katar dabei – ihm sowie der deutschen Mannschaft kann man in großer Runde die Daumen drücken. In der Sonderbar am Raschplatz 6 in Hannover werden die deutschen Spiele beim sogenannten Public Viewing gezeigt. Spieler der „Recken“ sind dabei.

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