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Sport-Welt Deutsches Eishockey-Team feiert ersten Gruppensieg seit 1933
Sport Sport-Welt Deutsches Eishockey-Team feiert ersten Gruppensieg seit 1933
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20:26 02.05.2011
Von Björn Franz
Bundestrainer Uwe Krupp (vorne) führt das deutsche Team wie schon bei der Heim-WM im vergangenen Jahr auch in der Slowakei von Erfolg zu Erfolg. Quelle: dpa
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Als Uwe Harnos am Sonntagabend aus der Kabine der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft kam, schüttelte er lachend den Kopf. „Die drehen völlig durch“, erklärte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) nach seiner kurzen Stippvisite bei der spontanen Feier in den Katakomben der Arena von Bratislava. Mit dem 4:3-Erfolg über Gastgeber Slowakei hatten die Deutschen zuvor wie im Rausch für ihren zweiten Coup bei der WM nach dem 2:0-Auftaktsieg über Rekordweltmeister Russland gesorgt – und damit nahtlos an die grandiose Vorstellung bei der Heim-WM im vergangenen Jahr angeknüpft.

Auch wenn die Wiederholung des sensationellen 4. Platzes aus dem Vorjahr noch ein ganzes Stück entfernt ist, hat die Mannschaft des scheidenden Bundestrainers Uwe Krupp schon jetzt einen riesigen Erfolg gefeiert. Der Gruppensieg vor zwei der großen Goldfavoriten – der erste seit 1933 – steht bereits vor dem bedeutungslos gewordenen letzten Vorrundenspiel heute (16.15 Uhr/live bei Sport1) gegen Slowenien fest. Und angesichts der Tatsache, dass die Deutschen die sechs Punkte aus den beiden Partien gegen Russland und die Slowakei mit in die Zwischenrunde nehmen, ist das Erreichen des Viertelfinals ebenfalls schon in greifbarer Nähe.

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Zumal das DEB-Team sich bei den beiden Überraschungssiegen beeindruckend abgeklärt und effektiv zeigte. Innerhalb von 20 Minuten erspielte es sich am Sonntag durch Tore von Marcel Müller (25.), dem ehemaligen Hannoveraner John Tripp (34.), Frank Hördler (37.) und Felix Schütz (45.) einen 4:0-Vorsprung und schockte damit gleichermaßen das mit aktuellen und ehemaligen Stars aus der nordamerikanischen Profiliga NHL gespickte slowakische Team wie die 9303 Zuschauer. Diese wurden angesichts der Aufholjagd ihrer Mannschaft im letzten Drittel, in dem Ladislav Nagy (46.), Josef Stümpel (48.) und Pavol Demitra (53.) für den Favoriten auf 3:4 verkürzten, zwar noch einmal richtig laut, aber letztlich ließ sich der im Sommer zu den Hannover Scorpions zurückkehrende Dimitri Pätzold im deutschen Tor nicht noch ein viertes Mal überlisten.

Als die Schlusssirene die verzweifelten Bemühungen der Gastgeber beendete, die Niederlage doch noch abzuwenden, verschwand Pätzold in einer Jubeltraube. Und derart euphorisiert rutschte dem Ingolstädter Schütz sogar eine Kampfansage an die etablierten Nationen heraus. „Wenn wir diese beiden Mannschaften geschlagen haben, können wir auch jede andere Mannschaft schlagen“, erklärte der Torschütze, der mit dem deutschen Team in der Zwischenrunde von Freitag an auf Weltmeister Tschechien, Finnland und entweder Lettland oder Dänemark treffen wird. Und schon ein weiterer Sieg würde dabei den Viertelfinaleinzug bedeuten.

Doch der Bundestrainer will davon vorerst noch gar nichts wissen. Auch in der Stunde des Triumphes warnte Krupp fast gebetsmühlenartig davor, ins Träumen zu geraten. „Für uns ist es ganz wichtig, dass wir bodenständig bleiben“, sagte der 45-Jährige. „Wir haben jetzt zwei gute Spiele gespielt, wir sind gerade am Anfang.“ Dazu passt es auch, dass Krupp im vor Turnierbeginn als mögliches „Abstiegsendspiel“ eingestuften Duell gegen Slowenien, dessen Ausgang nun völlig egal ist, heute Nachmittag turnusmäßig wieder den im Sommer in die NHL wechselnden Dennis Endras zwischen die Pfosten stellen wird. Statt seinen Spielern mit der möglichen Nominierung der Wolfsburger Nummer 3, Jochen Reimer, das Signal zu geben, einen Gang zurückzuschalten, fordert der ehemalige Weltklasseverteidiger weiter volle Konzentration.

Doch unabhängig davon, wie weit der Siegeszug die Deutschen in der Slowakei noch führen sollte, wird die Aufgabe für Harnos in den kommenden Wochen angesichts des bisherigen Turnierverlaufs immer schwerer. Denn der DEB-Chef muss nach den Titelkämpfen einen Nachfolger für den als Trainer und Sportdirektor zum Erstligisten Kölner Haien wechselnden Krupp finden, dessen Fußstapfen mit jedem Erfolg immer größer werden. Da zudem Wunschkandidat Ralph Krüger noch bis zum Sommer 2012 als Kotrainer beim NHL-Klub Edmonton Oilers unter Vertrag steht, läuft alles auf eine Übergangslösung hin. Doch darüber wollte Harnos im Rausch des Triumphes wohl lieber gar nicht länger nachdenken.