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Sport-Welt Deutsche Kombinierer erfolgreich
Sport Sport-Welt Deutsche Kombinierer erfolgreich
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16:22 24.01.2010
Freude beim Zieleinlauf.
Freude beim Zieleinlauf. Quelle: dpa
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Happyend für Georg Hettich nach einem Wochenende der Extreme: Der Olympiasieger von Turin holte sich beim Weltcup in der Nordischen Kombination in seinem Heimatort Schonach mit Platz neun im Einzel nicht nur das letzte Olympia-Ticket, sondern sprang erstmals seit einem Jahr wieder auf das Siegerpodest. Am Sonntag gewann er erwartungsgemäß mit Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt), Eric Frenzel (Oberwiesenthal) und Tino Edelmann (Zella-Mehlis) den Team-Wettbewerb und holte sich somit noch einmal Selbstvertrauen für den Jahreshöhepunkt.

Diesen hätte der mittlerweile 31-Jährige nach einer Saison voller Tiefs und Rückschläge fast verpasst. „Als ich am Samstag auf dem Balken saß, kam es mir in den Sinn, dass dies vielleicht der letzte Sprung meiner Karriere ist“, erzählte Hettich. Zwar hatte er sich seinen sofortigen Abschied vom Leistungssport im Fall der Nichtnominierung noch nicht endgültig überlegt, doch er war naheliegend. „Es wäre dann dort passiert, wo ich begonnen habe. So aber treibe ich eben noch ein paar Wochen länger Sport“, sagte Hettich zufrieden.

Dabei ist nicht sicher, ob der Schwarzwälder in Vancouver überhaupt einen Start bekommt. „Er ist Ersatzmann. Wenn er sich mit überragenden Sprüngen im Training anbietet, müssen wir überlegen, ob wir noch einmal eine Ausscheidung ansetzen. Das wollen wir aber vermeiden, um Sicherheit in die Köpfe der Athleten zu bekommen“, betonte Bundestrainer Hermann Weinbuch und erzählte, dass die Entscheidung der Trainer und Funktionäre pro Hettich einstimmig gefallen sei.

Nach dem Rückzug von Ronny Ackermann (Dermbach) standen neben Hettich nur noch Sebastian Haseney (Zella-Mehlis) und Andreas Günther (Baiersbronn) für das letzte Vancouver-Ticket zur Auswahl. Der Olympiasieger von Turin hielt diese aber beim Sieg von Weltcup-Spitzenreiter Jason Lamy Chappuis in Schach und verdiente sich auch durch seinen Kampfeswillen im Saisonverlauf und den deutlichen Formanstieg in den vergangenen Wochen die Kanada-Reise.

Mit seiner Rolle als Reservist kann Hettich leben. „Ich werde keine Diskussion um einen Start anzetteln und keine Unruhe ins Team bringen“, versprach der 31-Jährige. Kampflos will er aber einen möglichen Start bei seinen dritten Winterspielen nicht aufgeben. „Ich will in jedem Fall versuchen, mich anzubieten. Meine Leistung im Team-Wettbewerb war meine erste Kampfansage“, sagte Hettich, der glücklich ist, dass seine Laufbahn einen ordentlichen Abschluss bekommt. „Es nervt mich, wenn ich für etwas kämpfe und es nicht schaffe“, meinte der Doktorant für Sportwissenschaften, der nach Vancouver definitiv nicht mehr im Weltcup starten wird.

Im Trubel um Hettich ging fast unter, dass die deutschen Kombinierer auch im 23. Jahr nach dem Sieg von Hubert Schwarz 1987 in Schonach nicht gewinnen konnten. Kircheisen wurde Vierter vor Edelmann, Frenzel belegte Rang elf. „Das war nicht das, was wir wollten beim Heim-Weltcup“, kritisierte Weinbuch. Mit dem überaus deutlichen Sieg im Team-Wettbewerb wurde der Coach etwas zufriedener gestellt, sieht aber noch viel Arbeit bis Vancouver. „Wir müssen noch an den Sprüngen arbeiten und nach der Wettkampfpause wieder in eine ordentliche Laufform kommen“, betonte Weinbuch.

dpa