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Sport-Welt Deutsche Handballer patzen gegen Tunesien
Sport Sport-Welt Deutsche Handballer patzen gegen Tunesien
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21:06 13.01.2013
Granollers

Carsten Lichtlein drehte sich zu seinem Tor um, knallte wütend mit der Hand gegen die Latte. Der Rest der deutschen Truppe trottete mit gesenkten Köpfen zur Bank, musste von dort mit ansehen, wie die Tunesier jubelten. So, als ob sie gerade die Weltmeisterschaft gewonnen hätten. Immer wieder fielen die Spieler auf die Knie, küssten ihren Teppich, das Spielfeld, die Stätte des historischen Triumphs, des ersten Sieges über Deutschland. Trainer Alain Portes sprach sogar pathetisch von einem „ganz großen Tag für die Nation“.

Deutschlands Handballer mit ihren sieben WM-Debütanten kassierten nach der siegreichen Reifeprüfung gegen Brasilien (33:23) den ersten Dämpfer, suchten nach dem bitteren 23:25 (13:13) gegen den Afrika-Meister nach Erklärungen. „Das ist eine deprimierende Niederlage, war ein komisches Spiel“, fand der gegen Brasilien noch überragende Keeper Silvio Heinevetter. Trainer Martin Heuberger sprach am Ende vom „fehlenden Glück, zu wenigen gewonnenen Zweikämpfen“. Doch das war es nicht allein. Es war die Physis, die körperliche Präsenz, die auch den Unterschied machte. Mit dem ruppigen Spiel der Tunesier, einem schmutzig-giftigen, den versteckten Fouls, den kleinen Nickligkeiten und provozierenden Schauspielereien (selbst im Angriff), kamen die Deutschen nicht zurecht. Hinzu kam, wie schon gegen Brasilien vor der Pause, eine miserable Chancenverwertung. Für den deutschen Angriff war immer wieder beim im französischen Nantes spielenden Tunesien-Goalie Magaeiz Endstation. "Wir haben ihn zum Weltmeister geworfen", fand Patrick Groetzki. Mit 16 Paraden stach er seinen Gegenüber Heinevetter (6) klar aus. 52 Prozent Angriffseffektivität (23 Tore bei 44 Würfen) - zu wenig.

Und: In der Defensive fanden die Deutschen mit ihrem 6:0-Riegel zudem kein probates Mittel gegen die afrikanischen Rückraum-Kanoniere. War es erst der erste 21-jährige Bald-Kieler Jallouz, der mit seinem beeindruckenden Luftstand, seinen peitschenartigen Würfen Roggisch & Co. vor Probleme stellte, war es dann der Rückraumrechte Bannour, der zunächst nach Belieben traf. Als der 22-Jährige dreimal in Folge Heinevetter narrte, lag Deutschland schon vor der Pause 6:10 (19.) zurück, wirkte mutlos. Erst mit der Hereinnahme von Weinhold (ab 22.) - mit sieben Treffern gegen Brasilien neben Heinevetter der Matchwinner  - sowie den Toren von Christophersen wurde es besser. Zudem packte die Abwehr kurz vor der Pause auch besser zu, stand beweglicher, geschlossener, war Ausgangspunkt für Tempogegenstöße. Nach drei Treffern in Folge, als Klein zum 12:11 (27.) traf, hatte Deutschland das Spiel gedreht. Denkste! Denn es sollte die letzte Führung sein.

Nach der Pause kalt erwischt (17:19/45.), stets einem Rückstand hinterhechelnd, schien die Partie beim 18:21 (49.) bereits gelaufen. Auch, weil die Bank um Heuberger nicht auf Ballhöhe war. Das Mittel der Manndeckung gegen die afrikanischen Kanoniere - es wurde nie probiert. Der Wechsel im Tor -  er kam zu spät, erst in der 49. Minute. Und warum ließ Heuberger bei all der hektischen Wechselei in der Schlussphase den international erfahrenen Christophersen (8 Würfe/7 Tore) draußen? „Wir waren da aber auch zu hektisch, wollten mit Macht und sofort den Rückstand aufholen“, fand Weinhold noch einen Grund. Trotz allem langte es noch, dass die DHB-Sieben zurückkam, beim 21:21 (54.) sogar kurz auf Augenhöhe war, nach neuerlichem Rückstand 20 Sekunden vor Schluss auf 23:24 (Weinhold) verkürzte. Doch zu mehr reichte es nicht. ARD-Experte Bob Hanning fand die Niederlage deshalb „verdient“ und meinte vorsichtig, dass die große Breite im Kader auch dazu verführe, sich zu verzetteln: „Wir hatten keine Ruhe ins Spiel.“ Kapitän Oliver Roggisch schaute derweil nach vorn, auf den Dienstag, auf Argentinien (18.15 Uhr/ARD): „Noch ist alles drin, das Gute bei dem WM-Tempo ist, dass du keine Zeit hast, nach Niederlagen darüber zu grübeln. Es geht weiter.“ Es fragt sich nur, wie lange noch.

Jens Kürbis

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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