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Sport-Welt „Es macht Spaß, hier zu reiten“
Sport Sport-Welt „Es macht Spaß, hier zu reiten“
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17:30 16.10.2013
Von Jörg Grußendorf
Gehandicapt an den Start: Der deutsche Springreiter Lars Nieberg. Quelle: Hubert Jelinek
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Hannover

Herr Nieberg, bei den German Classics sind Sie ein gern gesehener Stammgast. Was reizt Sie, immer wieder aus Münster oder vorher aus Homberg/Ohm anzureisen?

Das ist für mich selbstverständlich. Schließlich bin ich hier in der Nähe im Kreis Gifhorn groß geworden. Ich bin hier schon in der Jugend herumgeritten. Da trifft man viele alte Bekannte und Freunde.

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Und es ist nicht zu überhören, dass Sie auch viele Fans auf der Tribüne haben.

Ja, es gibt schon einige, die mir die Daumen drücken. Aber abgesehen davon: Die Atmosphäre ist immer etwas Besonderes. Die Halle ist meistens voll, die Stimmung sehr gut. Es macht immer wieder Spaß, hier zu reiten.

Mitveranstalter der Classics ist Paul Schockemöhle. In Ihrer Jugend waren Sie  bei ihm in seinem Reitstall beschäftigt. Wie ist Ihr Verhältnis zu ihm?

Gut.

Sie sind aber nur ein Jahr bei ihm geblieben.

Leider hat er mich früher noch nicht richtig erkannt als vielleicht hoffnungsvollen Reiter. Ich habe mich damals dort nicht wohlgefühlt, weil ich keine Chance gesehen habe weiterzukommen. Und ich wollte weiterkommen. Ich habe meinen Weg ja trotzdem gemacht.

Das kann man wohl sagen: Olympiasieger, Welt- und Europameister ...

Das hat aber noch Jahre gedauert und ging nicht so schnell. Das war harte Arbeit. Aber zurück zu Paul Schockemöhle: Er ist ein Segen für die German Classics. Solch ein Turnier gehört einfach hierher in die Hauptstadt des Pferdelandes Niedersachsen. Das Turnier ist wichtig fürReiter und Züchter, besonders auch für den Nachwuchs.

Das ist Lars Nieberg

Lars Nieberg wurde am 24. Juli 1963 in Wittingen (Kreis Gifhorn) geboren. Aufgewachsen ist der heute 50-Jährige im benachbarten Knesebeck. Dort fing er auf dem elterlichen Hof mit dem Reiten an; 1980 begann er seine Lehre als Bereiter beim späteren Bundestrainer der deutschen Springreiter, Herbert Meyer. Nach Stationen bei Paul Schockemöhle und Achaz von Buchwaldt wurde er Bereiter im Gestüt Wäldershausen, dessen Gestütsleitung er 1994 übernahm. Im März 2013 wurde Nieberg Nachfolger von Kurt Gravemeier als Leiter des Gut Berl in Münster. Auf dem Anwesen von Hendrik Snoek betreut er Zucht, Aufzucht und Ausbildung der jungen Pferde, daneben trainiert der Olympiasieger die Reiter des Gutes, so auch Katrin Eckermann, eine erfolgreiche Nationenpreisreiterin. Der 50-Jährige ist Stellvertretender Aktivensprecher der Springreiter. Mit ihm leben seine Frau Gitta sowie seine Söhne Gerrit (20 Jahre) und Max (19) auf Gut Berl – beide scheinen in Niebergs Fußstapfen zu treten: Max absolviert gerade eine Lehre als Bereiter, der gelernte Steuerfachangestellte Gerrit strebt sie an. gru

Sehen Sie sich denn auch andere Prüfungen in der Messehalle an?

Natürlich. Besonders gern gucke ich beim Schridde-Preis (eine Springprüfung für Nachwuchsreiter, d. Red.) zu. Zum einen kann man da Talente entdecken, zum anderen reiten da oft Töchter oder Söhne von Bekannten, Kollegen und Konkurrenten.

Sie sind schon ziemlich früh bei Turnieren gestartet. Wenn Sie mit Ihren Ponys eingeritten sind, so wird noch heute im Kreis Gifhorn erzählt, hieß es für den jungen Nieberg nur: Sieg oder Krankenhaus. Was ist von dieser Mentalität geblieben?

(Schmunzelt) Ich glaube nicht, dass das jemals so gestimmt hat. So schlimm war es nicht. Aber die Prioritäten verlagern sich auch mit dem Alter, und man wird auch vernünftiger und erfahrener. Und wenn man sieht, dass das Risiko für einen Sieg zu hoch ist, dann kann man auch mal auf einen 2. oder 3. Platz reiten. Aber: Es ist schon so, dass ich am liebsten gewinne.

Auch am Sonntag beim Großen Preis?

Na klar. Ich will immer gewinnen, wenn ich an den Start gehe – das hat sich nicht geändert.

Diesmal sind Sie aber gehandicapt. Sie haben sich das Schlüsselbein gebrochen. Wie ist das passiert?

Eine dumme Gesichte. Das war in Calgary bei der Siegerehrung. Mein Pferd ist ausgerutscht, wir sind beide gestürzt  – das war ein bisschen unglücklich.

Sind Sie denn schon wieder fit für ganz große Ziele?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich noch nicht wieder richtig trainiert habe. Es ist erst fünf Wochen her – und es war ein komplizierter Bruch. Die Pferde sind zwar leicht trainiert, aber man sieht doch, dass sie „abgemuskelt“ haben. Ich muss sehen, dass ich jeden Tag nutze.

Das Training haben Ihre Bereiter übernommen?

Ja. Aber einige Dinge macht man doch lieber selbst. Ich habe erst in der vergangene Woche wieder angefangen.

Welche Pferde werden Sie denn mitbringen?

Auf jeden Fall Leonie als erstes Pferd. Bei den anderen Pferden entscheide ich spontan. Bei dem einen brauche ich zum Beispiel mehr Kraft – und da muss ich sehen, ob ich die schon wieder aufbringen kann.

Sie haben im März 2013 die Leitung von Hendrik Snoeks Gut Berl übernommen. Sind Sie jetzt noch mehr Trainer oder Manager als Reiter?

Nein, ich habe noch etliche eigene Pferde im Gestüt Wäldershausen, wo ich vorher 23 Jahre gelebt habe, und viele auf Gut Berl. Ich habe in beiden Ställen sehr gute Leute, die mir ermöglichen, dass ich weiter auf hohem Niveau reiten kann.

Auch auf höchstem?

Das hoffe ich. Ich habe die nächsten drei Jahre schon noch als Aktiver auf dem Plan. Und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro – das ist noch einmal ein großes Ziel, ein richtig großer Anreiz.

 

Das ist Lars Nieberg

Am Donnerstag um 14.30 Uhr starten die ersten Reiter bei der 13. Auflage der German Classics. Das viertägige Reitturnier in der Messehalle 2 in Hannover wird mit einer internationalen Springprüfung eröffnet. Höhepunkt der Classics ist der Große Preis am Sonntag, wenn von 13 Uhr an auch wichtige Punkte für die sogenannte Riders Tour gesammelt werden. Titelverteidiger ist Olympiasieger Ludger Beerbaum. 
Auch lokale Größen und Nachwuchsreiter werden ihr Können in Hannover zeigen. Besonders begehrt ist die Teilnahme am Hermann-Schridde-Gedächtnispreis am Freitagnachmittag. Die Finalisten entscheiden in einer Stilspringprüfung, Klasse M, wer die oder der Beste in Niedersachsen ist. Aus der Umgebung Hannovers haben sich Finja Bormann vom RFV Harsum und Sophie Löhr vom RFV Wunstorf für den Wettkampf qualifiziert. Höher schlagen die Herzen der Angehörigen, wenn die Mannschaften der Bezirksverbände im Springen (Freitag, 22.35 Uhr) und der Dressur (Sonntag, 8.20 Uhr) gegeneinander antreten.
Karten für die German Classics gibt es im Laporte Kartenshop, Karmarschstr. 30/32, Hannover oder im Internet unter www.haz.de/tickets

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