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Sport-Welt Alle reden über Bahrain
Sport Sport-Welt Alle reden über Bahrain
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20:06 13.04.2012
Von Patrick Hoffmann
Klares Zeichen: Ein Graffiti in einem Dorf westlich der Hauptstadt Manama fordert die Formel 1 auf, nicht in Bahrain zu starten.
Klares Zeichen: Ein Graffiti in einem Dorf westlich der Hauptstadt Manama fordert die Formel 1 auf, nicht in Bahrain zu starten. Quelle: dpa
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Manama

Bernie Ecclestone ist einer dieser Menschen, die niemanden neben sich dulden. In der Formel 1 hat er das Sagen. Er bestimmt, wie viele Rennen es gibt und wo und wann sie stattfinden. Ecclestone ist der Alleinherrscher, er unterscheidet sich in diesem Punkt eigentlich kaum von den Machthabern jener Länder, in denen seine Rennserie seit einigen Jahren bevorzugt Station macht. An diesem Wochenende fährt die Formel 1 zum Beispiel in China (Rennstart am Sonntag ist um 9 Uhr). Geredet wird seit Tagen aber vor allem über den Großen Preis am Wochenende darauf, in Bahrain. Bis Freitagvormittag war nicht einmal klar, ob das Rennen in dem Wüstenstaat überhaupt stattfinden würde. Dann sprach Ecclestone ein Machtwort.

„Das Rennen steht auf dem Kalender, schon seit Längerem. Wir werden dort sein. Alle Teams sind einverstanden, dort zu sein“, sagte der Formel-1-Boss. „Alle sind glücklich.“ Wirklich?

Ecclestones Einschätzung darf zumindest bezweifelt werden. In den vergangenen Tagen sollen sich im Fahrerlager nämlich die Stimmen gemehrt haben, das Rennen in Bahrain lieber abzusagen. Und aus politischen Gründen würde einiges dafür sprechen. Seit mehr als einem Jahr geht in der Hauptstadt Manama Nacht für Nacht das Volk auf die Straßen, fordert Reformen und das Ende der königlichen Herrschaft. Die regierende Familie der Al Khalifa begegnet diesem Wunsch mit Gewalt, lässt Demonstrationen blutig niederschlagen. Allein seit Februar sollen auf Bahrains Straßen 45 Menschen gestorben sein.

Diese Zustände dürften auch die Formel-1-Geschäftsleute beunruhigen. Es liegt auf der Hand, dass die Regierung von Bahrain das Rennen nutzen will, um der Welt ein besseres Bild zu bieten als das, was durch die Ausschreitungen entstanden ist. Das kann nicht im Interesse der Teams und der Sponsoren sein. Viele Mitarbeiter beschleicht zudem ein Gefühl der Angst, derzeit nach Bahrain zu reisen, zumal der vom König bezahlte Formel-1-Tross dort bei den meisten Menschen nicht willkommen ist. Seit Wochen gibt es Protestveranstaltungen. So posierten kürzlich im Dorf Aali einige als Formel-1-Fahrer verkleidete Demonstranten mit Maschinengewehren.

Ecclestone beharrt dennoch auf einen Start. Der große Strippenzieher sieht sich dieses Mal nicht in der Lage, an den Strippen zu ziehen. „Mich verbindet mit dem Großen Preis von Bahrain ein geschäftlicher Vertrag“, sagte der 81-Jährige. „Würde ich das Rennen absagen, würde ich vertragsbrüchig.“ Dann müsste der Engländer tief in die eigene Tasche greifen. Das will er natürlich nicht.

Warum aber schweigen die teilnehmenden Automobilkonzerne wie Mercedes und Renault zu der Thematik? Mark Webber, Fahrer im Team Red Bull, hat die Frage vor ein paar Tagen vielleicht am besten beantwortet. „Hinter jedem Großen Preis auf dieser Welt steckt irgendein Interesse“, sagte der Australier, „und wenn es nur ein finanzielles ist.“

Die Formel 1 hat dennoch versucht, dieses Interesse in eine wohlklingende Botschaft zu verpacken. Die Boliden kreisen am kommenden Wochenende tatsächlich unter dem Slogan „UNIF1ED. One nation in celebration“. Eine Nation vereint im Rausch der Geschwindigkeit. Die Demonstranten in Manama waren erst empört und haben dann ziemlich schnell reagiert. Sie haben in den vergangenen Tagen im ganzen Land T-Shirts verteilt. Darauf steht geschrieben: „F1 is racing on our blood“. Die Formel 1 fährt auf unserem Blut.