Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Sport-Welt Alarm in den USA: Kein US-Star mehr in Top Ten
Sport Sport-Welt Alarm in den USA: Kein US-Star mehr in Top Ten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:42 08.08.2010
Andy Roddick verlor gegen den Franzosen Gilles Simon. Quelle: ap
Anzeige

Amerikas Herrentennis ist auf dem Tiefpunkt: Erstmals seit der Einführung der Computer-Weltrangliste 1973 steht an diesem Montag kein US-Star mehr unter den besten zehn. Der ehemalige Branchenführer, Andy Roddick, purzelte nach seinem Achtelfinal-Aus beim Turnier in Washington als letzter der erfolgsverwöhnten US-Boys aus der absoluten Weltspitze. „Das ist schon ein Einschnitt. Das sollten wir nicht zu leicht nehmen“, analysierte US-Davis Cup-Kapitän Patrick McEnroe. „Aber es ist auch nicht allzu überraschend, wenn man bedenkt, wie sich das Spiel verändert hat. Spieler kommen aus der ganzen Welt.“

In den Siebziger und Achtziger Jahren hatten Stars wie Jimmy Connors und John McEnroe für Titel und Triumphe en masse gefeiert, in den Neunzigern Pete Sampras, Andre Agassi und Jim Courier nahtlos daran angeschlossen. Seit ihrem Karriere-Ende konnte jedoch nur noch Roddick 2003 bei den US Open ein Grand-Slam-Turnier gewinnen. In den 27 Grand Slam-Veranstaltungen seit Roddicks September-Sieg in Flushing Meadows jubelten jedes Mal andere - allen voran der Spanier Rafael Nadal und Roger Federer aus der Schweiz. Eine größere Titel- Tristesse gab es für die tennisbessenen Amerikaner nur von 1955 bis 1963, als 30 Grand Slams ohne einen einzigen US-Sieger endeten.

Anzeige

Nach seiner vermeidbaren Pleite gegen den Franzosen Gilles Simon in Washington sprach Roddick von „einer schlechten Nacht“ und wirkte ziemlich ratlos. „Ich wünschte, ich hätte eine Antwort für Sie, aber die habe ich leider nicht. Ich habe mich mental einfach nicht gut gefühlt“, so der 27-Jährige. Er ist seit Jahren der einzige Amerikaner, der mit den Weltbesten mithalten kann. Dreimal (2004, 2005, 2009) stand Roddick im Wimbledon-Finale, dreimal unterlag er Federer.

Patrick McEnroe ist davon überzeugt, dass Amerikas Nummer eins bald wieder unter den Top Ten sein wird und dass mit John Isner (Nummer 19) und Sam Querrey (20) zwei weitere Landsleute in nicht allzu langer Zeit ebenfalls dorthin vordrängen werden. Die gegenwärtig schlechte Phase im amerikanischen Herrentennis sei nicht erfreulich, aber nur eine Momentaufnahme. 2007 gewann das US-Team zum letzten Mal den Daviscup.

Jeff Newman, Turnierdirektor in Washington, hofft sehr, dass McEnroe Recht behält, denn „ich denke schon, dass das einen Einfluss auf die Zuschauerzahlen hat. Für den Gelegenheits- oder den Nicht- Tennis-Fan wollen wir Amerikaner haben, deren Namen bekannt sind“, so Newman.

Der Belgier Xavier Malisse sieht trotz der eher grauen Gegenwart die Zukunft des amerikanischen Herrentennis nicht in Gefahr . „Ich denke nicht, dass die USA deshalb in Panik verfallen sollten. Sie haben so viele gute Spieler und es gibt jede Menge Kinder und Jugendliche, die bereits an die Tür klopfen. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit und guter Anleitung“, prophezeite der Weltranglisten-62. aus Belgien. Er hatte im Achtelfinale von Washington John Isner besiegt - und somit dazu beigetragen, dass erstmals seit der Premiere 1969 keine Amerikaner im Viertelfinale der Hartplatz-Veranstaltung in Washington standen.

dpa