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Sport-Welt Aha-Effekt und Weltrekord
Sport Sport-Welt Aha-Effekt und Weltrekord
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09:44 04.06.2012
Von Carsten Schmidt
Malte Schneeberg hängt in seinem Rennrollstuhl die „Fußgänger“ ab. Quelle: Petrow
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Hannover

Dominik André Arndt war sichtbar beeindruckt. „Das war schon cool, wie der Rollstuhlfahrer auf einmal Gas gegeben und die Läufer überholt hat.“ Der 20-Jährige, einer der besten niedersächsischen Sprinter, hatte sich kurz zuvor den 400-Meter-Lauf der Behindertensportler bei den niedersächsischen Leichtathletik-Meisterschaften im Erika-Fisch-Stadion angesehen - und das Aha-Erlebnis bescherte ihm Malte Schneeberg von der RSG Langenhagen. Der 24-Jährige gewann nach etwas mehr als einer Minute deutlich vor den „Fußgängern“ - und auch er freute sich riesig. „Einfach klasse, wie mich die Zuschauer angefeuert haben“, sagte der frühere Junioren-Weltmeister.

Schneeberg und Arndt nahmen an einer Premiere teil, gemeinsame Meisterschaften für Behinderte und Nichtbehinderte mit insgesamt 700 Teilnehmern. Damit setzten die Leichtathleten zwischen Ems und Elbe die Idee der Inklusion um - jedem kann am öffentlichen Leben nach seinen Möglichkeiten teilnehmen. Und nicht nur die Funktionäre freuten sich über das gelungene Experiment, das auch noch von einem Weltrekord im Behindertensport gekrönt wurde: Sebastian Dietz (Ahle) - der 27-jährige Westfale ist nach einem schweren Autounfall stark bewegungseingeschränkt - warf in der Klasse F36 den Diskus auf 39,62 Meter und damit 64 Zentimeter weiter als der Chinese Wang Wenbo.

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„Das läuft doch perfekt“, sagte Rita Girschikofsky, die Präsidentin des Niedersächsischen Leichtathletik-Verbandes. Sie hatte fünf Jahre dafür gekämpft, dass diese Veranstaltung zustande kommt. Und ihre Einschätzung bestätigte auch die Gruppe von der BSG Wiki Wilhelmshaven. „Alles gut“ fand Arne Tjarks, der Niedersachsenmeister im Kugelstoßen und Diskuswurf der Rollstuhlfahrer. Und seine Vereinsbetreuerin lobte die Stimmung: „Unsere Wettkämpfe finden normalerweise nur vor ein paar Leuten statt. Das war in diesem vollen Stadion doch etwas ganz anderes.“

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