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Sport-Welt Äquatorialguinea kauft sich eine Nationalelf
Sport Sport-Welt Äquatorialguinea kauft sich eine Nationalelf
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20:40 01.02.2012
Die Weltauswahl von Äquatorialguinea. Oben, von links: Lawrence Doe (Geburtsland: Liberia), Clementino Danilo (Brasilien), Fousseny Kamissoko (Elfenbeinküste), Thierry Fidjeu-Tazemeta (Kamerun), Rui (Spanien). Unten, von links: Ben Konaté (Elfenbeinküste), Javier Balboa (Spanien), Juvenal (Spanien), David Álvarez Aguirre (Spanien), Randy (Spanien), Iván Bolado (Spanien). Quelle: dpa
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Felipe Ovono und Jose Bokung durften auch gegen Sambia nicht mitspielen. So hatte es Trainer Gilson Paulo entschieden, und aus sportlicher Sicht ist das durchaus nachvollziehbar.

Den beiden jungen Männern aus Äquatorialguinea wird nämlich nur ein begrenztes fußballerisches Talent nachgesagt. Verdient hätte sie es trotzdem irgendwie, im Viertelfinale des Afrika-Cups am Sonnabend gegen die Elfenbeinküste (20 Uhr, live bei Eurosport) zu spielen, das Turnier wird schließlich gerade in ihrem Geburtsland ausgetragen. Und das, und deshalb hätten Ovono und Bokung mindestens eine Einwechslung verdient, kann von den Spielern des Kogastgebers sonst keiner behaupten.

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21 von 23 Spielern, die Äquatorialguinea gerade bei der Kontinentalmeisterschaft vertreten, sind nicht in dem westafrikanischen Land geboren. Sie wurden in den vergangenen Monaten eingebürgert. Die meisten von ihnen, zehn, stammen aus Spanien, fünf aus Kamerun, zwei aus der Elfenbeinküste, einer aus Brasilien, einer aus Kolumbien, einer aus Liberia und einer aus Nigeria.

Der guineische Fußballverband beteuert zwar, dass beispielsweise alle zehn „Spanier“ Wurzeln in Äquatorialguinea haben. Und tatsächlich sind in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, in Zeiten der Diktatur Francisco Macías Nguemas, tausende Menschen ins Land der früheren Kolonialherren geflüchtet. Dennoch gibt es Zweifel, ob bei der Einbürgerung der ausländischen Kicker alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Laut FIFA-Statuten darf ein Fußballer nämlich nur dann den Nationalverband wechseln, wenn er in dem Land geboren ist, Eltern oder Großeltern aus dem Land vorweisen kann oder aber seit mindestens fünf Jahren ununterbrochen in dem Land lebt. Das soll bei manchen guineischen Spielern nicht der Fall sein. Da aber noch kein am Afrika-Cup teilnehmender Konkurrent protestiert hat, sieht der Kontinentalverband CAF keinen Grund, die Spielberechtigungen genauer zu überprüfen.

Äquatorialguinea darf also weiterhin mit seiner kleinen Weltauswahl antreten, die sich der fußballverrückte Diktator Teodoro Obiang teuer zusammengekauft hat. Mit dieser zweifelhaften Strategie war das ölreiche Land schon einmal erfolgreich gewesen: Im vergangenen Jahr hatten sich die Frauen, verstärkt durch zahlreiche eingebürgerte Brasilianerinnen, für die Weltmeisterschaft in Deutschland qualifiziert. Dort kam dann allerdings das Aus in der Vorrunde.

Den Männern hatte man beim Afrika-Cup in diesem Jahr eigentlich auch nicht mehr zugetraut. Äquatorialguinea ist in der aktuellen FIFA-Weltrangliste auf Platz 151 geführt. Außerdem ist die Auswahl an talentierten Spielern im eigenen Land ziemlich begrenzt. Von den 1,1 Millionen Einwohnern sind gerade einmal 2290 Fußballer in einem der 22 Vereine registriert.

Obiang möchte sein Land bei diesem Turnier aber viel lieber als ebenbürtigen Gegner präsentieren. Auf diesem Weg möchte er sein Image und das des Landes ein bisschen aufpolieren. In Teilen ist ihm das wohl bereits gelungen: Afrika wundert sich über die Überraschungsmannschaft aus Äquatorialguinea. Und wird spätestens nach dem Turnier eine Debatte über die Einbürgerung von Fußballern führen müssen.

Das Afrika-Cup-Viertelfinale im Überblick: Sambia – Sudan (Sbd., 17 Uhr), Elfenbeinküste – Äquatorialguinea (Sbd., 20 Uhr), Gabun – 2. Gruppe D (Stg., 17 Uhr), 1. Gruppe D – Tunesien (Stg., 20 Uhr).