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Sport-Welt 5000 Teilnehmer bei Special Olympics
Sport Sport-Welt 5000 Teilnehmer bei Special Olympics
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11:19 24.05.2012
Judoka Daniel Herdrich (r.) besiegt im Vorkampf seinen Gegner Markus Schreiner aus Ingolstadt. Quelle: dpa
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München

Als die Goldmedaille endlich um seinen Hals baumelt, macht Daniel Herdrich auch vor dem Vizeweltmeister nicht Halt. Gerade hat ihm Andreas Tölzer, Judo-Hoffnungsträger bei den Olympischen Spielen in London, bei der Siegerehrung der nationalen Special Olympics in München das Edelmetall überreicht. Da beugt sich Herdrich auch schon vom Siegerpodest zu dem kräftigen Judoka herunter, zieht ihn zu sich und gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Am liebsten würde Herdrich in diesem Moment wohl die ganze Welt umarmen. Stolz reckt er die Arme in die Höhe, ballt die Fäuste und startet eine La-ola-Welle. Die Zuschauer in der Münchner Olympiahalle machen mit. Sie jubeln und klatschen.

Daniel Herdrich ist einer von rund 5000 Athleten bei den nationalen Wettkämpfen für Menschen mit geistiger Behinderung - und er hat schon viele Turniere dieser Art miterlebt. Der 42-Jährige hat das Down-Syndrom und ist seit der Gründung der Special Olympics Deutschland vor gut 20 Jahren dabei. Judo macht er, seit er neun ist. In seiner Wohnung in Lörrach hat er für Besucher seine Medaillensammlung an die Wand gehängt.

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„Ich hab' viel trainiert“, sagt Herdrich, nachdem er den späteren Zweiten bei seinem ersten Endrundenkampf innerhalb von zehn Sekunden auf den Rücken geworfen hat. „Der Gegner war überrascht.“ Normalerweise trainiert Herdrich montags beim Judoclub Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze nahe Basel. Doch damit nicht genug: Donnerstags geht's zum Schwimmen, freitags zum Turnen. „Ich probiere immer, mein Bestes zu geben“, sagt er. Wenn er sich nicht für eine der 19 Sportarten entscheiden müsste, er würde wohl am liebsten in mehreren Disziplinen starten.

Nicht weit von den Judoka entfernt stehen die Schwimmer im Rampenlicht. Iris Lorke steigt vorsichtig ins Becken: 25 Meter Rücken, Bahn sieben. Lorke hält sich am Rand fest, atmet noch einmal tief durch, dann geht's los. Eine knappe Minute später kommt sie in ihrem Klassifizierungslauf als Dritte ins Ziel. Die Athleten bei den Special Olympics werden so in verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt - in jeder Gruppe gibt es Medaillen zu gewinnen.

Obwohl Iris Lorke schon 50 Jahre alt ist, sind es ihre ersten Special Olympics. Zusammen mit zehn anderen Athleten und vier Betreuern ist sie am Sonntag extra aus Nordrhein-Westfalen angereist. „Wir haben viel Spaß gehabt“, sagt sie über die vergangenen Tage auf dem Olympia-Gelände in der bayerischen Landeshauptstadt. In ihrem gewohnten Umfeld geht sie jeden Dienstag mit Kolleginnen von der Werkstatt für behinderte Menschen Grevenbroich-Hemmerden im Hallenbad schwimmen. Die Atmosphäre in der olympischen Schwimmhalle in München ist für Lorke und ihr Team etwas ganz besonderes.

Die Fußballer haben sich in München an einer der acht weiteren Sportstätten niedergelassen. Etwas nördlich vom Olympiapark reiht sich ein Spielfeld an das nächste. Markus Hinterbrandner tänzelt konzentriert auf der Torlinie. „Hinten zumachen“, ruft der Mannschaftskapitän seinen Mitspielern von der bayerischen Spielgemeinschaft Piding/Ruhpolding zu. Am Ende rettet er seinem Team mit mehreren Paraden den 5:2-Sieg. Vor zwei Jahren in Bremen holte der Keeper mit seiner Mannschaft noch Bronze. „Jetzt will ich mindestens Zweiter werden“, sagt der 22-Jährige.

Zwei große Momente hat Hinterbrandner bei den diesjährigen Special Olympics bereits hinter sich. Im Alten Rathaus am Marienplatz haben sich beim Eröffnungsfestakt am Montag wichtige Leute versammelt: Bundespräsident Joachim Gauck, Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), Oberbürgermeister Christian Ude (SPD). Hinterbrandner setzt sich auf die Bühne, nimmt seine Gitarre und singt ein Lied, das er von seinem Opa gelernt hat: „Wo auf den Bergen die Einsamkeit ist.“

Kurz darauf betritt Gauck die Bühne. „Lieber Markus, Sie haben uns das Herz weit gemacht“, sagt der 72-Jährige, bevor er mit seiner Rede beginnt. „Wir sind hierhergekommen und dachten, Sie können nur Sport, aber Sie können auch Kunst - und das ist so schön.“ Ein paar Stunden später sitzt Hinterbrandner schon wieder im Scheinwerferlicht. Bei der Eröffnungsfeier in der Olympiahalle gibt er ein weiteres Konzert. Daniel Herdrich und Iris Lorke sitzen im Publikum. Für alle drei wird es eine unvergessliche Woche bleiben.

dpa

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