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Sport-Welt 21 Durchsuchungen in Pechstein-Affäre
Sport Sport-Welt 21 Durchsuchungen in Pechstein-Affäre
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15:22 05.03.2010
Claudia Pechstein
Claudia Pechstein Quelle: dpa
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Nicht nur Pechsteins Haus, sondern auch die Geschäftsstelle der Deutschen Eisschnelllauf- Gemeinschaft DESG seien unter die Lupe genommen worden. Außerdem seien Mitarbeiter des Verbandes, der DESG angehörende Sportler sowie eine Arztpraxis ins Visier der Fahnder geraten, teilte das BKA mit.

Ausgelöst wurde die Ermittlungen durch Anzeigen der DESG und der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA gegen Unbekannt. Dadurch sollen die möglichen Hintermänner der Affäre Pechstein ermittelt werden. „Wir haben den Ermittlern der Staatsanwaltschaft rund 100 Kontakt- Adressen mitgeteilt“, meinte Gerd Heinze, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). „Die Strafanzeige und die darauf basierenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft bedeuten nicht, dass es tatsächlich zu Verstößen gegen das Arzneimittelgesetz oder gegen das Anti-Doping-Reglement gekommen ist“, erklärte Heinze.

Unterdessen verwahrte er sich dagegen, dass es im deutschen Eisschnelllauf Doping-Verdächtigungen in zwei Fällen gebe. In einem Zeitungs-Bericht war unter Berufung auf Ermittlerkreise davon die Rede, dass es in der Datenbank des Weltverbandes ISU unter zwölf auffälligen Athleten auch zwei weitere deutsche Sportler gebe, bei denen erhöhte Retikulozyten-Werte gemessen wurden. Genau wegen dieser Blutwerte, den Vorläufern der roten Blutkörperchen, war die fünfmalige Olympiasiegerin Pechstein von der ISU für zwei Jahre gesperrt worden.

Demonstrativ erklärte Heinze, der DESG lägen keine dahingehenden Informationen vor. „Dies kann der Verband nicht bestätigen“, heißt es in einer von ihm unterzeichneten Erklärung. „Im Interesse ihrer Athleten verwahrt sich die DESG gegen unsubstanziierte Verdächtigungen in den Medien“, erklärte Heinze. „Es gibt bei uns keine Erkenntnisse, wer so etwas behauptet hat und womit diese Behauptungen gedeckt sind“, sagte Heinze. „Wenn es tatsächlich auffällige Werte bei deutschen Athleten gegeben hätte, dann hätte der Weltverband uns das mitteilen müssen.“

Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger von der Schwerpunkt- Staatsanwaltschaft Doping beim Landgericht München I unterstrich, dass es bei den Hausdurchsuchungen nicht um Ermittlungen gegen die Athletin gehe. Doch mit dem beschlagnahmten Material aus dem Hause Pechstein im brandenburgischen Dienstdorf-Radlow erhoffen sich die Ermittler Aufschlüsse über die Hintermänner der Affäre. Ziel der Durchsuchungen sei, dem Verdacht von Doping-Handlungen nachzugehen und mögliche Beweismittel zu sichern, teilte das BKA mit. Mit Unterstützung der Polizei in Berlin, Bayern und Thüringen seien umfangreiche Unterlagen sichergestellt und eine Vielzahl von Verfahrensbeteiligten vernommen worden.

„Jede Recherche bzw. Untersuchung wird mich entlasten“, sagte Pechstein. Die 38-Jährige erklärte: „Wenn nicht gedopt wurde, kann es auch keine Hintermänner geben.“ Zustimmung für die Aktion gab es von Seiten des DOSB. „Der DOSB begrüßt die Ermittlungen des BKA. Sie entsprechen unserem bereits 2006 verabschiedeten Zehn-Punkte-Plan zum Kampf gegen Doping“, sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue. Pechstein war am 1. Juli 2009 durch den Eislauf-Weltverband ISU wegen auffälliger Blutwerte zu einer zweijährigen Sperre verurteilt worden. Sie bestreitet jede Form des Dopings. Sowohl ihre Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof CAS als auch ihre Beschwerde beim Schweizer Bundesgericht gegen diese Sperren waren gescheitert. Vor der Fertigstellung steht ihr Antrag auf Revision beim Schweizer Bundesgericht.

dpa