Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Olympia 2010 Trotz Friesinger-Sturzes: Trio greift nach Gold
Sport Olympia 2010 Trotz Friesinger-Sturzes: Trio greift nach Gold
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:41 27.02.2010
Stephanie Beckert (v.l.), Daniela Anschütz-Thoms und Anni Friesinger-Postma Quelle: dpa
Anzeige

Anni Friesinger rutschte auf dem Bauch durchs Ziel, trotzdem fährt der „Deutschland-Express“ in der Gold-Spur: Das Damen-Trio ist bei den Winterspielen am Sonnabend trotz des Strauchlers der Inzellerin auf der Zielgeraden in den Endkampf um Gold eingezogen. Damit haben die Deutschen nun die große Chance, den Olympiasieg von Turin in der Teamverfolgung der Eisschnellläufer zu wiederholen. Zum Auftakt des letzten Wettkampftages im Olympic Oval schalteten Anni Friesinger-Postma, Daniela Anschütz-Thoms und Stephanie Beckert im Halbfinale das Team der USA aus und treffen nun am Nachmittag (Ortszeit/23.17 MEZ) auf das japanische Trio. Im Viertelfinale waren die Deutschen tags zuvor den Niederlanden überlegen, die USA hatten überraschend mit Weltmeister Kanada den Top-Favoriten aus dem Rennen geworfen.

In 3:03,55 Minuten setzten sich die erst zum zweiten Mal in dieser Formation laufenden Deutschen gegen das Überraschungsteam mit der erfahrenen Jennifer Rodriguez und den beiden Neulingen Jilleanne Rookard und Nancy Swider-Peltz durch, weil auch die US-Girls im Schlussgang ihre Probleme hatten. Im Ziel lagen 0,23 Sekunden zwischen beiden Teams. Lange Zeit war es vor 7000 Zuschauern ein harter Kampf, weil die Deutschen wegen der Startprobleme von Stephanie Beckert zunächst in Rückstand gerieten. Dann jedoch avancierte die Erfurterin, die nunmehr ihre dritte Medaille bei den Spielen von Vancouver nach zweimal Silber auf den langen Strecken sicher hat, zur Lokomotive und leistete über drei der sechs Runden bis in Ziel hervorragende Führungsarbeit.

Anzeige

Erst Friesingers Probleme in der Schlussrunde - sie trat in der vorletzten Kurve auf ein Bahn-Klötzchen und leistete sich unfreiwillig eine Slapstick-Einlage - machten das Rennen noch einmal spannend. Sie fluchte und schlug mit den Fäusten auf das Eis, doch dann sah sie die 1 auf der Anzeigetafel und strahlte.

Vor den Rennen hatte es einen tagelangen Streit um den Einsatz von Friesinger-Postma gegeben, die erst in letzter Sekunde von Bundestrainer Markus Eicher nominiert worden war, nachdem die Berlinerin Katrin Mattscherodt im 5000-Meter-Rennen enttäuscht hatte. Nach der erfolgreichen Rennen gegen die Niederlande hatte Eicher erstmals eingeräumt, wie sauer sein früherer Schützling über die ursprünglich geplante Degradierung war. „Anni war total angefressen. Aber wenn sie ein bissel wütend ist, ist sie am besten“, kommentierte der Bundestrainer. Auch im Halbfinale erwies sich die 33-jährige Inzellerin erneut als zuverlässige Stütze des Teams.

Friesinger hat mit dem Final-Einzug bei ihren vierten und letzten Olympischen Spielen ihre fünfte Medaille sicher und kann sich im Finale den Traum vom dritten Olympia-Gold nach 2002 (1500 Meter) und 2006 (Team) erfüllen. Vor vier Jahren hatten Friesinger und Anschütz als „Golden Girls“ in Turin mit der inzwischen gesperrten Claudia Pechstein bereits den ersten Team-Lauf der Olympia-Geschichte gewonnen.

Mattscherodt statt Friesinger im Final-Team

Nach dem Ausrutscher von Anni Friesinger-Postma im Halbfinale tritt die 16-malige Weltmeisterin aus Inzell im Finale der Teamverfolgung bei den Olympischen Winterspielen nicht mehr an. Eisschnelllauf-Bundestrainer Markus Eicher nominierte an ihrer Stelle Katrin Mattscherodt. Das deutsche Trio mit Mattscherodt, Daniela Anschütz-Thoms und Stephanie Beckert greift im Richmond Olympic Oval gegen Japan nach Gold. Das Finale ist für den Sonnabend um 23.17 Uhr MEZ angesetzt.

dpa