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Olympia 2010 Die deutschen Skispringer genießen ihren Erfolg
Sport Olympia 2010 Die deutschen Skispringer genießen ihren Erfolg
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19:31 23.02.2010
Michael Neumayer, Andreas Wank, Martin Schmitt und Michael Uhrmann (von links) waren bei der Siegerehrung in Whistler bester Laune. Quelle: dpa
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Martin Schmitt klingelte im Überschwang der Gefühle seine Freundin aus dem Bett, Michael Uhrmann wirkte nach dem Silber-Flug der deutschen Skisprung-Mannschaft eher gefasst. „Ich genieße diesen emotionalen Moment innerlich“, meinte der umjubelte Schlussspringer des Quartetts bei der abendlichen Stippvisite im Deutschen Haus von Whistler.

Ein paar Gläser Weißbier, ein warmes Essen und viele Interviews – viel Zeit zum Feiern blieb nicht. Doch das wird nun nachgeholt. Schon am Dienstagmorgen brachen die Olympiazweiten mit ihren Medaillen im Gepäck gen Vancouver auf, wo sie die Winterspiele gemütlich ausklingen lassen wollen. „Wir werden die Olympiastimmung aufsaugen und ausspannen. Das ist ein optimaler Abschluss“, sagte Bundestrainer Werner Schuster.

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Optimal war auch der Wettkampf verlaufen, obwohl es ausgerechnet Vizeweltmeister Schmitt mit seinem verpatzten zweiten Sprung noch einmal spannend gemacht hatte. Doch Uhrmann behielt die Nerven und sicherte den 2. Platz hinter den überragenden Österreichern und vor den bedrohlich nahe gekommenen Norwegern. „Der Michael hat das souverän zu Ende gebracht. Ihm gilt mein spezieller Dank. Die Freude und Erleichterung ist riesengroß“, lobte Schmitt seinen Gold-Kollegen von 2002. Diese Gefühle teilte er später per Mobiltelefon auch seiner Freundin in der Heimat mit. „Ich habe sie um halb eins in der Nacht geweckt, denn es war ein besonderer Moment, den ich nicht vergessen werde“, erzählte Schmitt.

Uhrmann kam die Dramatik vor dem finalen Sprung sogar ganz gelegen. „Ich bin sehr froh, dass ich Martin etwas von dem zurückgeben konnte, was er mir in all den Jahren ermöglicht hat“, sagte der Bayer. Der Erfolg, an dem Startspringer Michael Neumayer und der junge Andreas Wank ebenfalls großen Anteil hatten, war für den 31-Jährigen eine Genugtuung. „In den vergangenen acht Jahren ist viel passiert. Wir waren zwischendurch schon abgeschrieben. Aber wir drei Älteren sind richtig starke Springer“, meinte Uhrmann.

Das „Senioren-Trio“ Schmitt, Uhrmann, Neumayer will auf jeden Fall noch bis zur Weltmeisterschaft 2011 weitermachen und seinen Teil zum anstehenden Neuaufbau beitragen. „Es wird weitergehen, man muss sich um den deutschen Skisprung keine Sorgen machen“, sagte Uhrmann. Und Schmitt ergänzte: „Wir haben gute Leute im Nachwuchsbereich. Es liegt jetzt an ihnen, den nächsten Schritt zu tun.“

Die Medaille soll dabei als Motivationshilfe dienen. „Das gibt einen Riesenschub und erleichtert die Arbeit mit den jungen Springern ungemein. Nun sollte es gelingen, den Neuaufbau positiv zu gestalten“, sagte Thomas Pfüller, der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes (DSV). Auch Uhrmann ist zuversichtlich: „Auch wenn sich die Prognose gewagt anhört: Ich glaube daran, dass man die Österreicher angreifen kann.“

Allerdings liegt bis dahin ein großer Berg an Arbeit vor Bundestrainer Schuster, der die deutschen Springer bis 2014 wieder zur stärksten Nation auf den Schanzen machen will. „Im Moment ist kein Typ da, der um den Sieg springen kann. Dass wir hier mit einer Medaille rausgehen, ist daher gut“, sagte Schuster. „Es war ein sehr wichtiger Tag, um zu beweisen, dass die Grundsubstanz stimmt. Wir haben einen guten Weg eingeschlagen und müssen jetzt ein paar Nachjustierungen vornehmen. Aber alle müssen wissen, dass es Geduld braucht.“

Neue Wege will und muss in der kommenden Saison auch Schmitt beschreiten. „Es ist klar, dass ich etwas ändern muss. Es ist mir in diesem Winter nicht gelungen, die tägliche Qualität hochzuhalten“, meinte der 32-Jährige. „Auch in der Vorbereitung hat einiges nicht gepasst. Ich habe schon einige Ideen, was ich anders machen will.“ Schuster wird dies gerne vernommen haben, denn auch er weiß um die Baustellen. „Wenn Martin weitermacht, muss er einige Dinge ändern, sonst wird es mühsam“, meinte er.

Eric Dobias
Gerald Fritsche