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Lokalsport Zwischen Worst Case und Hoffnung
Sport Lokalsport Zwischen Worst Case und Hoffnung
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17:00 21.03.2020
Viele Zuschauer sind für die Marburg Mercenaries (weiße Trikots) immens wichtig – entsprechend groß ist die Sorge vor Spielausfällen wegen Corona. Quelle: Foto: Nadine Weigel
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Marburg

Der Saisonbeginn der German Football League (GFL), ursprünglich Ende April mit dem Season-Opening geplant, wurde seitens des Dachverbandes bereits verschoben – zunächst auf das Wochenende des 30./31. Mai. Damit können auch die Mercenaries nach dem jetzigen Stand planen und möchten – so es die Situation zulässt – nach dem Ende der Osterferien am 20. April, den Trainingsbeginn wieder aufnehmen. Bis dahin versuchen die Trainer, ihre Spieler mit individuellen Trainingsplänen bestmöglich vorzubereiten. „Mit der jetzt getroffenen Entscheidung kann die German Football League flexibel auf neue Entwicklungen reagieren“, sagt Carsten Dalkowski , Präsident der Marburg Mercenaries und Ligasprecher der GFL.

Auch die Mercenaries werden flexibel reagieren müssen: „Wir werden die Krise dazu nutzen, ausschließlich auf unsere elektronische Mobilität zurückzugreifen, weg von Treffen, Meetings und Besprechungen.“ Alles Organisatorische läuft dezentral. Auch werde die Geschäftsstelle bis auf Weiteres nicht besetzt sein. „Die Erreichbarkeit ist aber weiterhin gewährleistet – per E-Mail, Whatsapp oder Telefon.

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Sorgen machen Dalkowski die finanziellen Auswirkungen. Dabei gehe es auch um den Worst Case, das schlechteste Szenario für den Verein, aber es gebe auch Hoffnung.

Unter normalen Umständen hätten die Mercenaries im Mai zwei Heimspiele gehabt, die ganze nächste Saison über insgesamt sieben Spiele im Georg-Gaßmann-Stadion ausgetragen. Der Verein rechnet mit etwa 15 000 Euro Gewinn pro Heimspiel. Fiele also die ab nunmehr Ende Mai geplante neue Saison auch noch aus, fehlten dem Verein inklusive anderer Verpflichtungen rund 150 000 Euro. „Dann könnten wir dichtmachen“, bringt es Dalkowski auf den Punkt.

Derzeit gehe es darum, den Schaden zu minimieren. Die Kaderplanungen sind abgeschlossen, inklusive der Amerikaner, die eigentlich schon in Marburg wären, nun aber erst einmal in ihrer Heimat bleiben und warten, was kommt. „Insofern haben wir zunächst die Flüge gecancelt. Doch wurden bereits die Spieler hier angemeldet und Wohnungen für sie gemietet. All das müssen wir auf Eis legen“, erklärt Dalkowski. Um letztlich startklar zu sein, benötigt der Verein eine Vorlaufzeit von vier Wochen. „Man weiß aber noch nicht, wann das sein wird. Und wenn es beispielsweise weitergehen würde, sagen wir theoretisch mal mit einer Auflage mit maximal 500 Zuschauern pro Heimspiel, dann wäre das für uns der Super-GAU, weil wir völlig anders kalkulieren müssten“, ergänzt der Präsident.

Hinzu kommt, dass die Mercenaries nicht wissen, wie sich manche Sponsoren verhalten. „Wir schicken denen die Rechnungen und die können aufgrund der aktuellen Situation möglicherweise nicht zahlen, springen also aus verständlichen und nachvollziehbaren Gründen ab“, beschreibt Dalkowski die missliche Lage.

Zusagen stimmen Dalkowski optimistisch

Die nächste große Herausforderung käme, sollte sich die Coronavirus-Pandemie in den USA wellenartig ausbreiten, während es anderswo wieder bergauf geht, beispielsweise der Spielbetrieb in der GFL wieder laufen würde. „Man stelle sich dann vor, unsere amerikanischen Spieler und Trainer wollen in diesem Fall Marburg sofort wieder verlassen, um bei ihrer Familie zu sein. Dies bringt Folgen ohne Ende mit sich“, bringt Dalkowski das gesamte Szenario auf den Punkt.

Allerdings verweist der Mercenaries-Präsident auch darauf, dass es positive Signale gibt, ja, gar Anlass zur Hoffnung, dass der Worst Case für seinen Verein „und hoffentlich für all die anderen betroffenen Vereine auch nicht eintrifft“. Etwa das Signal der Stadt Marburg über den Oberbürgermeister, auch die Vereine letztlich nicht im Regen stehen lassen zu wollen. Oder aber das Signal von einigen Mercenaries-Sponsoren, die zugesagten Gelder fließen zu lassen, egal, was passiere.

„Wir erfahren also auch, dass derzeit alle näher zusammenrücken, und das ist auch absolut notwendig. Wir als Verein können momentan nur von Woche zu Woche entscheiden, was als nächstes auf uns zukommt, was wir als nächstes tun müssen. Aber eines wird deutlich: Wir alle sind gefragt, alles Unnötige hintenanzustellen, nur das absolut Notwendigste zu tun. Nur so lässt sich die Krise gemeinsam bewältigen“, appelliert auch Dalkowski an jeden Einzelnen, Verantwortung zu übernehmen – zum Wohle der Gesundheit.

Von Michael E. Schmidt

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