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Lokalsport Uni-Team behält die Trophäe
Sport Lokalsport Uni-Team behält die Trophäe
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18:59 13.06.2019
Der Marburger Steven Schleicher holt zum Pass aus. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Sophie Rumpelt, Medizinstudentin an der Philipps-Universität und seit vier Jahren Frisbee-Spielerin in Marburg, erinnert sich noch genau daran, was sie am Sonntag um 15.15 Uhr zu einer Mitspielerin sagte, als beide den ehrwürdigen Rasen im Georg-Gaßmann-Stadion betraten, wo das Finale der Frisbee-Hochschulmeisterschaft 2019 stattfand: „Es ist schon ein besonderes Gefühl, auf dem Rasen, auf dem wir wöchentlich trainieren und wo wir uns unsere Taktiken überlegt haben, den Titel gewinnen zu können!“ Und genau so sollte es kommen.

Mit einer phasenweise absolut dominanten Leistung gegen das Team aus München setzte sich der Lokalmatador letztlich völlig verdient 13:4 durch. Auch wenn der Gast aus der bayerischen Landeshauptstadt anfangs noch gut mithielt. Zwischenzeitlich stand es nämlich drei zu drei. Die Kontrahenten punkteten bis dato stets abwechselnd.

Aber Marburg hatte einen Trumpf in der Hinterhand. „Wir haben mit einem sehr großen Kader gespielt und auch unerfahrenen Spielern im Laufe des Turniers viel Spielzeit eingeräumt“, sagt Ida Dumon, eigentlich Spielerin, aber aufgrund einer Verletzung zum Zuschauen und Turnier organisieren verdammt. Ausgerichtet wurde das Turnier vom Frisbee-Hochschulteam der Philipps-Universität und dem Ultimate Frisbee-Team des VfL 1860 Marburg, den „Hässlichen Erdferkeln“.

Dadurch waren die Marburger auch nach Vorrundenspielen am Samstag noch topfit und ausgeruht – gespielt wurde mit sieben Feldspielern. Die Münchener hatten auch deswegen das Nachsehen. „Man muss aber auch sagen, dass am Ende doch die individuelle Klasse entscheidend war“, sagte Steffen Döscher, seit sechs Jahren ein Frisbee-Spieler. Marburg zog bereits vor der Pause auf und davon. Wobei sie sich insbesondere durch starke Defensivarbeit auszeichneten und mehrere Pässe der Münchener abfingen. Bei den Umschaltaktionen ging es dann ruckzuck: Dabei gaben sich schnelles Kurzpassspiel über das gesamte Feld und lange Pässe in die Tiefe, die dann in der Endzone gefangen wurden, die Klinke in die Hand.

Der Spielbetrieb ist eine Mischung aus verschiedenen Ballsportarten: Punkte gibt’s, wenn man die Scheibe in der gegnerischen Endzone fängt. Die Spieler dürfen sich mit der Frisbee in der Hand nicht bewegen, müssen die Scheibe abspielen. Fällt sie nach einem ungenauen Pass auf den Boden, wechselt der Scheibenbesitz. Bewegung ist immer drin im Spiel.

Die Hochschule Ansbach stahl bei der Siegerehrung jedoch die Show. Das Team aus der Region Franken ergatterte zwar kein Platz auf dem Treppchen wie Teams aus Marburg, München und Aachen, aber trug stets eine überdimensionale, aufblasbare Wassermatte in Flamingo-Form mit sich herum. Allgemeines Gejohle brodelte, als das „Tier“ bei der Urkundenverleihung wie ein Pokal in die Luft gereckt wurde. Ohnehin war die Atmosphäre so entspannt wie die Reggae-Sounds, die aus den Lautsprechern im Stadion säuselten. Auf dem Platz wurde sich beglückwünscht, wenn der Gegner etwas besonders gut gemacht hatte – bei anderen Sportarten undenkbar.

„Das ist der Grund, warum ich diesen Sport so gerne habe. Es gibt so gut wie nie Stress. Außerdem kennt sich die Frisbee-Gemeinschaft untereinander – von Turnieren und auch dem gemeinsamen Feiern danach“, sagte Döscher. Auch sie war im Knubbel, wo eine kleine Sause stieg. „Ich musste aber helfen, das Frühstück für die Teams am nächsten Morgen vorzubereiten“, sagte die Studentin. Daher blieb sie nicht so lange.

von Benjamin Kaiser