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Lokalsport Wie „Bibo“ noch mal zu Flugeinlagen kam
Sport Lokalsport Wie „Bibo“ noch mal zu Flugeinlagen kam
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14:58 09.08.2019
Dirk Novosad streift die Torwarthandschuhe nur noch bei den Alten Herren über. Eigentlich. Am Wochenende kam er unverhofft bei Stadtallendorfs Reserve zum Einsatz. Quelle: Nadine Weigel
Stadtallendorf

Er hat in seiner fast über 30-jährigen Fußballerlaufbahn bei der Stadtallendorfer Eintracht schon einiges gesehen und mitgemacht.

Doch am vergangenen Sonntag erlebte Dirk Novosad „ein Novum“, wie er selbst sagt. Aus Liebe zur Eintracht.

„Das ist ganz einfach mein Verein. Ich kenne keinen anderen“, sagt der Ur-Stadtallendorfer, der als Schriftführer auch Vorstandsmitglied ist.

Der 38-Jährige war eigentlich nur Zuschauer beim A-Liga-Spiel des SV Bauerbach II gegen die Eintracht-Reserve. Er hatte sich auf Entspannung eingestellt, aber die Fußballgötter schmiedeten andere Pläne: Binnen Minuten in Hälfte eins verletzten sich Stamm- und Ersatzkeeper so schwer, dass sie nicht weiterspielen konnten.

Man verlernt es ja nicht

Novosad flanierte auf das Spielfeld und sah nach dem Verletzten. Auf die Frage des Referees, wer er denn überhaupt sei, antwortete er: „Ich bin derjenige, der gleich ins Tor geht, wenn Sie erlauben, dass ich auf dem Spielbogen nachgemeldet werde.“ Der Schiedsrichter habe verblüfft aus der Wäsche geschaut.

In der Halbzeit lief sich Novosad warm und fing noch ein paar Bälle. Dann wurde es ernst. Zwar spielt der Mann, der seit über 30 Jahren das Trikot der Eintracht überstreift, noch für die Alten Herren, aber der letzte Einsatz im Seniorenbereich ist drei Jahre her. „Man verlernt ja nicht, einen Ball aus der Luft zu pflücken oder ein vernünftiges Stellungsspiel zu haben“, sagt der 38-Jährige, der beim Halbzeitstand von 1:5 mehrere Eins-gegen-eins-Situationen entschärfte. Letztlich ging das Spiel 2:9 verloren.

Auf dem Platz wieder der Alte

Doch wäre Novosad nicht gewesen, hätte Bauerbach in Durchgang zwei noch sehr viel mehr Tore schießen können. „Das war dann schon Dauerbeschuss. Unsere Jungs waren gegen Ende des Spiels schon ziemlich k. o. Außerdem ist es eine komplett neu zusammengewürfelte Mannschaft, die sich erst finden muss“, erklärt der 38-jährige Notfallkeeper.

Als er auf dem Platz stand, war er wieder ganz der Alte. „Ich war schon früher recht laut auf dem Platz und habe viel mit meinen Vorderleuten kommuniziert“, erinnert sich Novosad. Anweisungen und Aufmunterungen waren neben spektakulären Flugeinlagen sein Kerngeschäft.

Nicht so groß, aber sprunggewaltig

Wegen seiner Beine, in denen Sprungfedern integriert scheinen, erhielt er einen besonders ungewöhnlichen Spitznamen, der aus seiner Hochzeit als Hessenliga-Torwart bei der Eintracht herrührt: „Bibo“. Damals trug er ein grell-gelbes Torwarttrikot und wurde für seine spektakulären Flugeinlagen von den Fans gefeiert.

„Mit 1,77 Metern war ich nie besonders groß. Aber meine Sprungkraft war immer ganz gut“, sagt er und erklärt: „Bei der Kindersendung Sesamstraße gab es einen großen, gelben Vogel, der Bibo hieß.“ Aber Novosad macht keinen Flattermann, wenn bei seinem Herzensverein Not am Mann ist.

von Benjamin Kaiser