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Lokalsport „Pures Gänsehaut-Feeling“ in Berlin
Sport Lokalsport „Pures Gänsehaut-Feeling“ in Berlin
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18:59 06.08.2019
Julia Altrup (rechts) vom VfL Marburg rückte unverhofft nach und wurde Siebte über 1.500 Meter. Quelle: Torben Flatemersch
Berlin

Die Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten standen im Zeichen von Malaika Mihambo, Tatjana Pinto und Konstanze Klosterhalfen. Aber auch vier heimische Starter waren in Berlin 
dabei.

Unverhofft erhielt Julia Altrup die Chance, sich vor großer Kulisse – an beiden Tagen kamen insgesamt 60.550 Zuschauer ins Olympiastadion – zu zeigen.

Erst vier Tage vor den Meisterschaften, die fernsehgerecht mit neun anderen Sportarten als „Finals“ aufgezogen wurden, erhielt die Läuferin des VfL Marburg die Einladung des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV).

Altrup wollte eigentlich zuschauen

Die hohe Hürde der schwierigen Norm hatte sie über 1.500 Meter eigentlich nicht geschafft. Als Nachrückerin durfte sie doch ran. Der DLV hatte festgestellt, dass nach Verschärfung der Norm nur gerade einmal zehn Starterinnen in der Meldeliste standen.

Julia Altrup war selbst überrascht und nahm das Angebot des Verbands an. „Ich wollte mir sowieso die DM in Berlin live ansehen“, sagte Altrup. „Es war schon ein komisches Gefühl, auf einmal vor so vielen Zuschauern an der Startlinie zu stehen. Aber wenn man solch eine Chance bekommt, sollte man sie auch nutzen.“

Mit letzter Kraft ins Ziel gerettet

Was sie ebenfalls nicht erwartet hatte war, dass das Rennen sofort mit hohem Tempo losging. Die spätere Siegerin in 4:08,91 Minuten Caterina Granz (LG Nord Berlin) wollte vor eigenem Publikum im Alleingang die WM-Norm unterbieten und machte das Rennen dermaßen schnell, „dass ich vorne nicht mithalten konnte“, erklärte Julia Altrup.

„Ich war auf einen taktischen Rennverlauf bis 600 Meter mit Mitlaufen eingestellt. Für mich ging es dann letztlich nur darum, nicht Letzte zu werden.“ Das gelang ihr mit letzter Kraft im Fotofinish gegen Berit Scheid (LG Bayer Leverkusen). Altrup wurde Siebte: „Jetzt kann ich mich stolz über meine Urkunde freuen.“

Schreiner freut sich über Platz 8

Über 5.000 Meter war Kilian Schreiner (ASC Breidenbach) aus Gladenbach-Weidenhausen nicht nur dabei, sondern lief auch ganz vorne immer in der Spitzengruppe mit. Nach seinem fünften Platz bei den deutschen Crosslauf-Meisterschaften und Platz elf über 10.000 Meter in Bestzeit setzte er sich auch in Berlin ganz groß in Szene. In einem taktischen Rennen, in dem jeder sich auf seinen Endspurt verlassen wollte, befand er sich immer in der Führungsspitze und hatte keine Angst vor großen Namen.

Vor der letzten Runde übernahm er sogar kurzzeitig die Führung, bevor auf den letzten 300 Metern der gnadenlose Spurt begann. Es siegte der letztjährige Europacupsieger über 10.000 Meter Richard Ringer (LC Rehlingen) in 14:01,69 Minuten. Nur sieben Sekunden dahinter mit seiner zweitschnellsten Zeit von 14:08,92 Minuten konnte Kilian Schreiner als Achter unter den 23 Startern im Ziel freudig die Arme hochreißen.

Römer überraschend im Finale

Dass es ganz schwer werden würde, ins Kugelstoßfinale zu kommen, war der Kirchhainerin Patrizia Römer (ESV Jahn Treysa) schon vor dem Wettkampf bewusst. Wichtig war es daher, sich schon in den ersten Versuchen mit einer großen Weite in eine gute Position unter den zehn angetretenen Teilnehmerinnen zu bringen. Gleich im ersten Versuch landet die 4-kg-Kugel bei 15,15 Metern.

Mit dem zweiten Versuch blieb sie nur zwei Zentimeter unter ihrer Bestweite und kam auf 15,69 Meter. Sie war selbst überrascht, dass dies fürs Finale reichte – Römer hatte schon die Wettkampfschuhe ausgezogen, bevor das Wettkampfgericht sie darauf hinwies, dass sie noch drei weitere Versuche hatte. Da war die Luft zwar schon raus. Der erträumte achte Platz war der Kirchhainerin aber nicht mehr zu nehmen.

Merbach erfüllt hohe
 Erwartungen nicht

Mit hohen Erwartungen war Julia Merbach (TSV Kirchhain) über 800 Meter angetreten. Sie hatte erst im letzten Moment die DM-Norm von 2:08,35 Minuten erzielt. In Berlin aber war sie ohne Tempomacherin auf sich allein gestellt. Schon nach der ersten Runde befand sie sich am Schluss des Feldes, lief sich danach richtig fest und beendete den ersten Zeitlauf als Letzte (2:11,77 Min.).

„Zuerst war ich von der Zeit und der Platzierung enttäuscht, aber Stunden später sehe ich es positiv, denn ich weiß, ich kann schneller laufen und ich habe viel Positives aus Berlin mitgenommen“, sagte Julia Merbach. „Die Stimmung im Stadion war überwältigend und verursachte pures Gänsehaut-Feeling.“

Kulisse macht Lust aufs nächste Jahr

Das Rennen sei schon auf den ersten 200 Metern mit blanken 30 Sekunden zu schnell für sie gewesen, gestand sie ein. Die spätere Finalsiegerin Christina Hering (Stadtwerke München) hatte schon den Vorlauf in 2:06,74 Minuten richtig schnell gemacht. Sie gewann das Finale in 2:01,37 Minuten vor ihrer Vereinskameradin Katharina Trost (2:01,68 Min.).

Merbachs Fazit: „Berlin war auf jeden Fall eine großartige Erfahrung und hat wahnsinnig viel Spaß gemacht. Die Kulisse ist absolut einmalig und hat Lust auf das nächste Jahr gemacht.“

von Helmut Schaake