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Lokalsport „Mercs“ bügeln schlechten Start spät aus
Sport Lokalsport „Mercs“ bügeln schlechten Start spät aus
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10:45 29.07.2019
Hatte seinen Anteil am Marburger 40:33-Sieg in Ingolstadt: Triston McCathern. Quelle: Thorsten Richter
Ingolstadt

Der Plan für den Samstag sah folgendermaßen aus: Früh morgens in Marburg via Reisebus losfahren, um 15.30 Uhr in Ingolstadt aufschlagen und die restlichen drei Stunden bis zum Kick-Off nutzen, um Ruhe einkehren zu lassen und noch einmal Details durchsprechen zu können. Aber eine Vollsperrung auf der Autobahn machte diesem Plan den Garaus. Mit 90 Minuten Verspätung kamen die Mercenaries an – und verspätet zündeten sie auch.

Die „Söldner“ brauchten einige Zeit, um auf Betriebstemperatur zu kommen. „Da hat man gemerkt, dass die Jungs noch nicht ganz da sind“, stellte Head Coach Tibor Gohmert fest. 0:14 stand es nach dem ersten Viertel. Die Dukes erwischten den deutlich besseren Start, obwohl sie sich auch einige Fehler erlaubten. Allein in der ersten Hälfte leisteten sie sich drei Turn­over – zwei Fumbles und eine Interception. Und für alle drei Ballverluste zeichnete Marburgs Defensive Back Jarrod Cann verantwortlich.

„Er hat trotz heftigen Rückenproblemen ein tolles Spiel gemacht“, lobte Defensive Coordinator (DC) Sergej Schmidt. Ansonsten machten seine Schützlinge in Durchgang eins einen soliden Job. Insbesondere der Pass Rush, mit dem Ingolstadts unterdurchschnittliche ­Offensive Line nicht klar kam, machte Dukes-Quarterback Cory Benedetto zu schaffen. „Wir mussten viel Druck machen, weil wir besonders in der Secondary Personell auf dem Zahnfleisch gegangen sind. Wir hatten nur vier Defensive Backs zur Verfügung und haben daher auch ein wenig vorsichtiger agiert als sonst“, so der DC. Die Laufverteidigung war hingegen einmal mehr bombenfest.

Die Offensive um Quarterback Jakeb Sullivan kam nur langsam in Tritt. Mehrmals endeten die Angriffsrechte mit Punts – ungewöhnlich für Marburgs exzellente Passoffensive. Für die magere Ausbeute im ersten Viertel hatte Offensive Coordinator Elias Gniffke allerdings eine griffige Erklärung: „Der Gegner hat einen neuen Defensive Coordinator. Das haben wir erst unter der Woche erfahren. Der Trainer hat auch eine neue Verteidigungsformation installiert, sodass wir am Anfang unvorbereitet waren und einige Dinge umstellen mussten. Das hat dann ein wenig gedauert.“ Auch Ingolstadts Pass Rush setzte Sullivan zu.

Trotz des überraschenden Rückstands nach zwölf Spielminuten war Gohmert mit einer Beobachtung sehr zufrieden: „Auch als wir mit zwei Touchdowns zurücklagen, kam an der Seitenauslinie keine Panik bei Spielern und Trainern auf. Wir waren ruhig, haben die Dinge besprochen und es dann besser gemacht.“ Das Selbstvertrauen, das fünf Siege in Serie bescheren. Und im zweiten Viertel kam der Mercenaries-Motor dann auf Touren. Ein Touchdown und zwei Field Goals stellten den 13:14-Pausenstand her.

Im dritten Viertel fielen nur elf von den insgesamt 73 Punkten, sodass die Partie zwischen dem Tabellenvierten aus Marburg und dem Schlusslicht der Gruppe Süd anfangs des Schlussviertels auf Messers Schneide stand – 19:19. Und wie bereits in der Vorwoche gegen die Kirchdorf Wildcats machten die „Mercs“ in den letzten zwölf Spielminuten den Deckel drauf. Drei Touchdowns erzielten sie. Die Passfänger Bence Takacs und Niklas Fengler fingen jeweils ihren ersten GFL-Touchdown und sorgten für die 33:26-Führung, vor einem unnachahmlichen Lauf von Running Back und Zugpferd Triston McCathern über das halbe Feld zum 40:26. „Der Mann ist der Wahnsinn. Einer der unterschätztesten Spieler in der Liga“, befand Gniffke. Das 33:40 der Hausherren kurz vor Schluss war letztlich nur Ergebniskosmetik.

Für die Marburger sind die Playoffs nun ganz nah – und die Chancen sind gut, diese als Tabellendritter der GFL Süd zu erreichen, nachdem Konkurrent Stuttgart gestern bei den Allgäu Comets unterlag.

von Benjamin Kaiser