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Lokalsport Klare Niederlage, die Mut macht
Sport Lokalsport Klare Niederlage, die Mut macht
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17:20 28.04.2019
Seine Mercenaries hielten beim amtierenden Meister Schwäbisch Hall lange gut mit, unterlagen letztlich aber deutlich: Marburgs Cheftrainer Dale Heffron. Quelle: Thorsten Richter
Schwäbisch Hall

52:9 galoppierten die Schwäbisch Hall Unicorns am Samstag letztlich über die Marburg Mercenaries hinweg. Doch der Endstand war nicht repräsentativ für die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden Teams. Dennoch zeigte sich eben auch, dass der Kader der Hausherren in den entscheidenden Situationen wacher, stärker und besser war als der der „Mercs“. Für die war an diesem Tag mehr drin.

„Ich bin nicht sauer auf mein Team, weil wir mit vielen jungen Spielern angetreten sind, die sich in dieser Liga noch zurechtfinden müssen. Aber natürlich bin ich über das Ergebnis enttäuscht, das deutlich zu hoch ausgefallen ist“, bewertete Dale Heffron, Marburgs Head Coach.

Sein Team hielt bei Starkregen in Hälfte eins lange mit, erlaubte sich allerdings Fehler, die das wohl beste Team Europas gnadenlos bestrafte: Marburg kassierte beim ersten Spielzug der Hausherren einen 67-Yards Receiving Touchdown, ein Extrapunktversuch von Kicker Kristof Szakacs wurde geblockt, und 17 Sekunden vor Ende der ersten Halbzeit beim Spielstand von 14:9 für Hall ließ Marburgs desolates Tackling-Verhalten bei einem Punt Return einen 80-Yards-Touchdown zum 9:21 zu.

Team versuchte aggressiv zu spielen

Halls Nate Robitaille spielte bei diesem Lauf seine ganze Routine aus und schlüpfte durch ein kleines Loch in Marburgs Deckung. Nach dem letzten Spielzug vor der Pause jubelten die Marburger bereits über einen vermeintlichen Touchdown. „Die Pylone hat sich bewegt, aber die Schiedsrichter waren der Meinung, dass Hendrik Schwarz vor der Endzone ins Seitenaus geschubst wurde. Da hat man in der Halbzeit schon ein wenig gemerkt, dass die Köpfe heruntergingen, weil das Momentum des Spiels sich gedreht hatte“, berichtete Elias Gniffke, Marburgs Offensive Coordinator.

Defensive Coordinator Sergej Schmidt machte seinen Spielern keinen Vorwurf. „Wir haben viele junge Spieler im Team, die heute zum ersten Mal Bundesliga gespielt haben. Dass es da gegen Topspieler Europas zu Touchdowns kommt, ist nicht verwunderlich“, sagte er. Sein Team versuchte, über die gesamte Dauer aggressiv zu spielen und konnte sogar zwei Interceptions durch Malte Klein und Sidney Shiundu sowie eine Fumble Recovery verbuchen. Auch die Laufverteidigung wusste in Durchgang eins zu überzeugen. Im Zentrum von Marburgs Defensive Line dominierte Joel Maddock eine neu zusammengestellte Haller Offensive Line und machte Laufversuchen mehrmals den Garaus. Marburgs Offensive stotterte hingegen über die gesamte Dauer, was zur Folge hatte, dass die Abwehr in Halbzeit zwei abbaute, da sie zu lange auf dem Feld gestanden hatte. Zu oft war unter Quarterback Jakeb Sullivans Leitung nach drei Versuchen Schicht. „Es war schwer für ihn, weil er nur selten genügend Zeit hatte, um sich eine Anspielstation auszusuchen“, nahm Heffron seinen Spielmacher in Schutz. Die exzellente Defensive Line dominierte Marburgs Offensive Line und belagerte Sullivan regelrecht.

Stockfehler in entscheidenden Spielphasen

Marburgs „Rasengeneral“, der im ersten Viertel den Touchdown zum zwischenzeitlichen 6:6 per Lauf erzielte, zeigte Agilität und ein gutes Gefühl für den gegnerischen Pass Rush. „Er und alle im Team werden im nächsten Spiel besser sein“, versicherte Heffron. Dabei wurde Sullivan ein ums andere Mal von seinen Mitspielern hängengelassen. Marburgs Receiver ließen nicht viele Pässe von Sullivan durch die Finger gleiten, aber die wenigen Stockfehler leisteten sie sich in entscheidenden Spielphasen – besonders bei dritten Versuchen.

Nachdem sich die Hausherren eine 8:6-Führung erobert hatten, erhöhte Quarterback Jadrian Clark via Touchdown-Lauf auf 14:6, bevor Mercenaries-Kicker Kristof Szakacs das zwischenzeitliche 9:14 per Field Goal besorgte. Es waren Marburgs letzte Punkte in dieser Partie.

Nach der Halbzeitpause, die mit dem langen Touchdown-Pass von Clark zum 28:9 begann, schlugen sich die „Söldner“ zwar wacker, doch der Kampf war entschieden. „Wir haben einfach zu viele tiefe Bomben gefressen“, hob Schmidt Halls lange Touchdowns hervor. Positiv: Selten zerlegte Halls Offensive Marburgs Abwehr Spielzug um Spielzug mit lang anhaltendem Ballbesitz. Drei weitere Touchdowns und ein Field Goal in den beiden Schlussvierteln führten zum Endstand.

Nächste Spiele

Munich Cowboys – Kirchdorf Wildcats (Sa., 16 Uhr),
Stuttgart Scorpions – Marburg Mercenaries (Sa., 18 Uhr),
Ingolstadt Dukes – Schwäbisch Hall Unicorns (Sa., 18.30 Uhr),
Frankfurt Universe – Allgäu Comets (So., 16 Uhr).

von Benjamin Kaiser