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Lokalsport Letzte Dienstreise führt nach Ulm
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00:18 13.05.2019
Eine Szene aus dem Hinspiel: Stadtallendorfs Jascha Döringer führt den Ball vor Ulms Johannes Reichert.  Quelle: Thorsten Richter
Stadtallendorf

Fast genau ein Jahr ist es her, dass die Stadtallendorfer Eintracht den erstmaligen Klassenerhalt in der ­Regionalliga Südwest perfekt machte. Mit einem 1:0 gelang der Eintracht seinerzeit der Liga-Verbleib. Zu Hause. Gegner: der SSV Ulm.

In dieser Spielzeit stellt sich die Gemengelage anders dar: Zwar bekommt es die Eintracht im Saisonfinale nach der heutigen knapp 380 Kilometer lange Anreise morgen (14 Uhr) erneut mit den „Spatzen“ zu tun.

Den Klassenerhalt kann die Eintracht aber nur noch schaffen, wenn wirklich alles für sie läuft: kein Abstieg der SG Sonnenhof Großaspach aus der 3. Liga, Niederlagen der direkten Konkurrenten VfB Stuttgart II, FSV Mainz 05 II und Wormatia Worms sowie zwei eigene Siege in den letzten zwei Partien.

Und selbst wenn all dies eintrifft, müssten die Herren­wälder noch kräftig die eigene Tordifferenz aufpolieren – ein sehr unwahrscheinliches Szenario. Mit einem 2:1-Sieg gegen Mainz unterstrich die Eintracht jüngst, dass sie im Endspurt keineswegs die Zügel schleifen lässt.

TSV-Coach Dragan Sicaja wundert’s nicht: „Mentalität war nie das Problem“, sagt der Kroate, „es gab höchstens zwei, drei Spiele, in denen wir müde waren – körperlich, aber auch geistig.“


Stadtallendorfs ­Mittelfeldspieler Amar Zildzovic sieht es ähnlich: „Wir haben die ganze Saison alles gegeben. Die anderen waren besser, deswegen steigen wir leider ab.“ Zuvor sollen seine Schützlinge allerdings die restlichen 180 Minuten Regionalliga-Luft genießen, wünscht sich Sicaja.

„Junge Spieler wie Perry Ofori und Arne Schütze können jede Gelegenheit nutzen – auch um Fehler zu machen, um daraus zu lernen“, sagt der TSV-Coach, der den Ehrgeiz nicht vermissen lässt: „Wir wollen unser Spiel durchboxen“, sagt er.

Nicht minder motiviert ist Ulms Cheftrainer Holger Bachthaler – auch wenn es für den Tabellenvierten schwer werden dürfte, den FC Homburg (3., 60 Punkte) und den 1. FC Saarbrücken (2., 61) noch abzufangen: „Wir werden nicht weniger Prozent geben, dafür bin ich zu ehrgeizig“, sagt der 44-Jährige – und warnt inständig vor den Mittelhessen: „Stadtallendorf kämpft ums Überleben und muss gewinnen, um die Chance auf den Klassenerhalt offen zu halten. Sie haben ein gutes Umschaltspiel, wir dürfen nicht in Konter laufen.“

Zudem will der SSV-Coach mit dem ehemaligen Bundesligisten die „Heimserie fortsetzen“ – und die ist wahrlich beeindruckend: Zuletzt spielten die Ulmer 0:0 gegen den SC Freiburg II, davor gewannen sie fünfmal in Folge im Donaustadion. Zudem kassierten sie in diesem Kalenderjahr noch kein Gegentor auf eigenem Geläuf, auf dem Anfang der Saison auch Bundesligist Eintracht Frankfurt stolperte: In der ersten Runde des DFB-Pokals unterlag der amtierende Cup-Sieger den Ulmern überraschend mit 1:2.

Wie bei der Eintracht, die alle Spieler zur Verfügung hat, sieht auch die personelle Situation bei den Ulmern gut aus. Einzig die langzeitverletzten ­Johannes Reichert, Steffen Kienle und ­David Braig fallen aus.

Da es für beide Teams vor dem Duell um nicht mehr viel geht, geht der Blick bei beiden Clubs bereits in die Zukunft: So fiebern die Ulmer dem württembergischen Landespokalfinale entgegen. Dort trifft die Bachthaler-Elf am 25. Mai (14.15 Uhr) auf den TSV Essingen. „Wir haben ein großes Ziel. Es gibt als Spieler nichts Schöneres, als einen Titel zu gewinnen“, sagt der SSV-Coach, dessen Gegenüber fleißig für die Hessenliga plant.

Einen großen Umbruch wie 2014 soll es bei der Eintracht nicht geben. Ziel sei es derweil, den Stamm zu halten und junge Spieler zu holen, die sich in höheren (Jugend-)Ligen hervorgetan haben. „Einige Spieler werden nicht finanzierbar sein“, blickt Sicaja auch auf den derzeitigen Kader und spricht damit allen voran jene Kicker an, die aus „dem Frankfurter Raum“ kommen. André Fließ oder Ersatzkeeper Alexander Loch etwa wohnen in Frankfurt.

Die Frage sei auch, so Sicaja, ob es für die Hessenliga überhaupt notwendig ist, Spieler im Kader zu haben, die von weit her kommen.

von Marcello Di Cicco