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Lokalsport Yohn und Bradley verlassen den BC Marburg
Sport Lokalsport Yohn und Bradley verlassen den BC Marburg
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00:17 03.05.2019
Abschied vom BC: Co-Trainer Andreas Steinbach, Paige Bradley, Betreuerin Paula Gimbel und Katie Yohn verlassen das Marburger Bundesliga-Team. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Das Rückspiel um Bronze gegen den TSV Wasserburg war schon fast eine Stunde vorbei, da tummelten sich noch immer viele BC-Fans auf dem Parkett der Georg-Gaßmann-Halle. Viele wollten am Samstagabend die Gelegenheiten nutzen, noch einmal kurz mit Katie Yohn und mit Paige Bradley zu sprechen oder Fotos mit ihnen zu machen. Die ein oder andere Träne floss.

„Dass Katie und Paige gehen“, sagte ihre bisherige Mitspielerin Finja Schaake, „ist für uns ein großer Verlust – sportlich, aber auch menschlich“. Für die Vereinsverantwortlichen wird es eine Herausforderung, die Lücken, die die beiden US-Amerikanerinnen hinterlassen, zu schließen.

"Wir sind als Team sehr eng zusammengewachsen"

Aufbauspielerin Bradley kam 2016 von der University of Denver nach Marburg, holte mit dem BC Pharmaserv in ihrer ersten Saison Bronze, danach zweimal Platz vier in der Meisterschaft, dazu in der aktuellen Saison Rang drei im Pokalwettbewerb und 2018 den zweiten Platz in der Central Europe Women League.

Die inzwischen 25-Jährige überzeugte von Beginn an, wurde zunehmend zur Führungsspielerin und geht nun mit „vielen wunderschönen Erinnerungen“ zurück in die USA, wo sie zunächst einige Zeit mit ihrer 98 Jahre alten Großmutter und dem Rest ihrer Familie verbringen möchte. „Darauf freue ich mich, das möchte ich genießen. Aber natürlich bin ich auch ein bisschen traurig, aus Marburg wegzugehen“, sagte sie im Gespräch mit der OP.

„Wir sind als Team sehr eng zusammengewachsen, es sind viele Freundschaften entstanden, der Kontakt wird hoffentlich für immer bestehen. Es hat mir viel Spaß gemacht, sogar das Training, auch wenn es oft hart war.“ Sportlich könnte sich Bradley, die für den BC in Liga, Pokal und Europacup insgesamt 103 Spiele bestritt und dabei 557 Punkte erzielte, nach ihrer Auszeit ein Engagement in Australien vorstellen: „Ich möchte versuchen, dort zu spielen.“

Yohn zieht es nach "Down Under"

Nach „Down Under“ zieht es bereits jetzt Yohn. Die 28-Jährige wird in wenigen Tagen zu den Kalamunda Eastern Suns, einem Team der State Basketball League aus Perth, stoßen. Nach der Saison, so ihr Plan, möchte sie ihre Karriere als Basketballerin beenden. „Es war mein Gefühl, zum Abschluss noch mal etwas anderes zu machen“, erklärte die Flügelspielerin, die 2015 von den Rhein-Main Baskets nach Marburg gewechselt war, in ihrer ersten Saison bereits großen Anteil am dritten Platz in der Liga hatte und insgesamt in vier Spielzeiten 1.756 Punkte in 137 Partien auf nationaler und internationaler Bühne erzielte.

Mit 346 „Dreiern“ liegt die „Scharfschützin“ in der vereinsinternen Statistik nur hinter Amanda Davidson (376 „Dreier“ zwischen 2007 und 2013). Auch die bisherige Kapitänin sprach von „vielen neuen Freundschaften“ und einer „tollen Zeit in Marburg“, verhehlte aber auch nicht, dass es für sie einen kleinen Wermutstropfen gebe: „Wir haben immer sehr hart gearbeitet. Es ist schade, dass es nicht für einen Titel gereicht hat.“

Drei beziehungsweise vier Jahre – selten sind amerikanische Spielerinnen über einen solch langen Zeitraum bei einem deutschen Verein, wie BC-Präsident Oliver Pohland nach dem 79:67-Sieg im letzten Saisonspiel gegen Wasserburg und dem dennoch knapp verpassten dritten Platz (die OP berichtete) hervorhob.

Abgänge sind ein "herber Verlust"

Trainer Patrick Unger zeigte sich „unglaublich dankbar, dass ich mit Katie und Paige arbeiten durfte. Sie haben sich unglaublich geschunden und immer in den Dienst der Mannschaft gestellt.“ Ihre Abgänge seien ein „herber Verlust“.
Noch unklar ist, ob ansonsten alle Spielerinnen aus dem aktuellen Kader bleiben.

Die Verträge von Alex Wilke und Joey Klug haben auch für die Spielzeit 2019/2020 Gültigkeit, Finja Schaake hat vor wenigen Wochen bei den Blue Dolphins verlängert. „Die Gespräche laufen jetzt. Wir werden sehen, was dabei herauskommt“, wollte Unger keine Prognose abgeben. Pohland zeigte sich zuversichtlich und kündigte über die Hallenlautsprecher an: „Wir werden für die nächste Saison erneut eine schlagkräftige Mannschaft zusammenstellen.“

Auch außerhalb des Spielerinnen-Kaders gibt es zwei Stellen neu zu besetzen: Co-Trainer Andreas Steinbach hört nach fünf Jahren aus beruflichen Gründen auf. Ebenso lange war Paula Gimbel, die für ein Jahr ins kanadische Edmonton umzieht, als Teambetreuerin tätig.

von Stefan Weisbrod