Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Zwei Schiedsrichter schaffen den Aufstieg
Sport Lokalsport Zwei Schiedsrichter schaffen den Aufstieg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 10.08.2019
Mit 21 Jahren und drei Saisons in der Gruppenliga schaffte Moritz Hämel den Aufstieg. Quelle: Schiedsrichtervereinigung Marburg
Wetter

„Es ist nicht unbedingt selbstverständlich, das Glück zu haben, aufsteigen zu dürfen“, weiß Moritz Hämel. Der 21-Jährige vom TSV Michelbach ist seit 2013 Schiedsrichter, leitet seit drei Saisons Spiele der Gruppenliga. In dieser Spielzeit wird er bis zur Verbandsliga im Einsatz sein, pfiff am 1. Spieltag die Partie der Nord-Staffel zwischen dem SC Willingen und der SG Hombressen/Udenhausen (3:1). „Es ist gut gelaufen“, war der Unparteiische mit seiner Leistung zufrieden.

Hämel steht – wie alle Schiedsrichter – unter Beobachtung. Denn gerade an die Top-Referees hat der Hessische Fußball-Verband (HFV) hohe Erwartungen. Das machten Sebastian Fink vom HFV-Verbandsausschuss und Steffen Rabe, zuständig in der Region Gießen/Marburg für das Lehrwesen, bei der Saisoneröffnung der höherklassigen Unparteiischen deutlich.

Der Grund: „Ihr seid die sportlichen Aushängeschilder der Schiedsrichter-Region Gießen Marburg“, betonten beide im Sportheim des VfB Wetter vor 50 Gästen. Darunter war neben Moritz Hämel in Alexander Müller (KTSV Borsdorf-Harb) noch ein zweiter Aufsteiger in die Verbandsliga. Felix Ebert von der FSG Kirtorf schaffte sogar den Sprung in die Hessenliga.

Lotz: "Ich spiele Fußball seit ich zehn bin"

Ein Quartett darf künftig Partien bis zur Gruppenliga leiten. Darunter befindet sich in Maximilian Lotz ein zweiter Referee von der Schiedsrichtervereinigung Marburg. Der 18-Jährige vom FSV Schröck ist seit drei Jahren Schiedsrichter und schaffte nach nur einer Saison den Aufstieg aus der Kreisoberliga in die Gruppenliga. „Ich spiele Fußball, seit ich zehn bin“, sagt Lotz.

Angefangen hat er beim JFV Ebsdorfergrund, inzwischen spielt er bei den A-Junioren des VfB Marburg in der Verbandsliga als Innenverteidiger oder „Sechser“ im Mittelfeld. „Es ist manchmal stressig, erst zu spielen und dann zu pfeifen“, räumt Maximilian Lotz ein. „Ich probiere weiter, beides unter einen Hut zu bekommen.“

Bis zur letzten Saison habe es ihm schon mehr Spaß gemacht, selbst zu kicken und mit der Mannschaft unterwegs zu sein, räumt er ein. In der Gruppenliga als Gespann aufzutreten, sei nun aber „viel cooler und attraktiver“.
Und die Gruppenliga soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. „Je weiter es nach oben geht, desto besser wird der Fußball“, sagt Lotz. „Da macht es viel mehr Spaß, die Spiele zu schauen und zu leiten.“ Am besten sei es, „wenn du unauffällig bist und die Spieler gar nicht merken, dass du da bist.“

Gesehen wurden die Auftritte von Moritz Hämel und Maximilian Lotz aber sehr wohl von der Schiedsrichtervereinigung. „Beide haben durch konstant gute Leistungen in ihren jeweiligen Spielklassen überzeugt“, erklärt Kreisschiedsrichter-Obmann Markus Bengelsdorff, der in den Aufstiegen auch eine Bestätigung für das Modell des Nachwuchsförderkaders sieht.

„Ihr habt sehr, sehr starke Leistungen gebracht“, kommentierte Steffen Rabe die Qualität der Spielleitungen in der abgelaufenen Runde während der Saisoneröffnung in Wetter. Rabe war sich mit Fink über die „hohe Leistungsdichte“, insbesondere bei den Gruppenliga-Referees, einig.

Die Verkleinerung des Kreises derer, die Spiele der höchsten Spielklasse auf regionaler Ebene leiten dürfen, auf 26 Schiedsrichter habe sich ebenso bewährt wie der Austausch mit Westfalen. „Weiche Faktoren“ würden immer wichtiger. „Unsere Entscheidungen in Sachen Auf- und Abstieg werden in Zukunft noch mehr als bisher unter dem Gesichtspunkt gefällt werden, welches Gesamtengagement ihr zeigt“, sagte Fink.

Moritz Hämel will weiterhin mit Leistung überzeugen. „Die Verbandsliga wird eine ganz andere Herausforderung und ein anderes Niveau“, erklärt der 21-Jährige. Das Spiel sei dort wesentlich schneller und man sei noch stärker gefordert, das Spiel auch zu lenken. „Das erwarten die Mannschaften.“

Hämel: Assistent beim Hessenpokalspiel

Respekt hat er vor der Aufgabe, Angst nicht. „Als junger Schiedsrichter ist es schwierig, sich Autorität zu verschaffen, gerade bei gestandenen Spielern, die vielleicht schon höherklassig gespielt haben“, weiß Hämel. „Man muss ihnen klar machen, dass man nicht der schlechteste Schiedsrichter ist.“ Das will er nicht tun, indem er mit Karten um sich wirft, sondern indem er mit den Spielern redet. „Fingerspitzengefühl zu zeigen, wird von Klasse zu Klasse wichtiger.“

Bis zur B-Jugend kickte Moritz Hämel selbst für den TSV Michelbach beziehungsweise die JSG Marbach/Michelbach. Bis er sich über eine Schiedsrichter-Entscheidung ärgerte. „Ich wollte zeigen, dass es nicht schwierig ist, es besser zu machen.“ Gesagt, getan.

Beleidigungen habe er seitdem zwar schon erlebt, Gewalt aber glücklicherweise nicht. „Ich war nie an dem Punkt, wo ich überlegt hätte aufzuhören“, versichert Hämel. Stattdessen berichtet er über schöne Erlebnisse. Etwa als er als Assistent beim Hessenpokalspiel zwischen Waldgirmes und dem SV Wehen Wiesbaden im Einsatz war. Oder als er das A-Jugend-Freundschaftsspiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem VfL Bochum leiten durfte. In dieser Saison werden zumindest noch ein paar Verbandsliga-Spiele hinzukommen.     

von Holger Schmidt