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Lokalsport Stadtallendorf beendet lange Leidenszeit
Sport Lokalsport Stadtallendorf beendet lange Leidenszeit
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12:48 29.10.2018
Erdinc Solak (Mitte; gegen Vellmars Christian Brinkmann) traf für Stadtallendorf in Mainz zum Sieg. Quelle: Thorsten Richter / Archiv
Mainz

Am 18. August diesen Jahres gewann die Stadtallendorfer Eintracht zuletzt ein Regionalligaspiel. Ein 2:0 gegen die Reserve vom VfB Stuttgart. Gestern fuhr das Team von Dragan Sicaja nach fast zwei Monaten ohne Sieg den dritten Saisonsieg ein und hat dem FC Astoria Walldorf die „rote Laterne“ zugeschoben. Und das 2:1 beim FSV Mainz 05 II war verdient.

Matchwinner war Erdinc Solak. Die Offensivkraft stellte mit seinem Doppelpack die 2:0-Führung her und führte die Seinen somit zum Sieg. „Er weiß, dass er nicht immer alles richtig macht, aber wir brauchen unbedingt einen Erdinc Solak, der Lust auf Fußball hat“, meinte Sicaja. Die Lust war Stadtallendorfs Nummer zehn anzumerken.

Niklas Kölle ließ das Bein stehen

Doch er konnte nicht nur spielerische Akzente setzen, sondern zeigte viel Kampf- und Laufbereitschaft. Seine Mitspieler standen dem Doppeltorschützen in diesen Kategorien in nichts nach. Alle Stadtallendorfer waren gallig und giftig. „Wir wollten die guten jungen Spieler des Gegners in Zweikämpfe verwickeln. In die Bereiche gehen, die weh tun. Fußball muss mit Leidenschaft sein“, erklärte Sicaja, dessen Schützlinge die Hausherren bereits früh anliefen und erdrückendes Pressing spielten.

„Nur so können wir bestehen“, meinte der TSV-Trainer. Seinem Team spielte es in die Karten, dass sie seit mehreren Wochen mal wieder in Führung gingen. Linksverteidiger Niklas Kölle ließ gegen Felix Nolte das Bein stehen. Der Stürmer nahm dankend an. Referee Manuel Bergmann zeigte umgehend auf den Punkt. Solak verwandelte sicher.

Nicht hart, aber platziert

Bartosch Gaul setzte jedoch nicht beim Foul an, sondern früher. „Wenn ich sehe, was da vorher für eine Verkettung von Fehlern war. Fehlpass-Festival! Wir können den Ball dreimal klären und kassieren einen Elfmeter“, ärgerte sich der FSV-Coach. Auch beim 0:2 waren seine Verteidiger nur Statisten, nicht handlungsschnell genug: Ein abgefälschter Schuss von Antonyos Celik rollte Solak vor die Füße, der von den Mainzern nur Geleitschutz erhielt.

Der Abschluss war nicht hart, aber so platziert, dass FSV-Keeper Finn Dahmen nicht mehr drankam. Die Eintracht-Bank sowie die 40 selbst proklamierten „Allendorfer Jungs“ – Männer, Frauen, Kinder – fielen fast in Ekstase.

Anschlusstreffer kurz vor der Pause

Zwar hatte Mainz deutlich mehr Ballbesitz, konnte aufgrund einer defensiv kompakten Eintracht wenig damit anfangen. Nach dem 0:2 erhöhten die Hausherren die Schlagzahl ein wenig, kamen aber kaum in Stadtallendorfs Sechzehner. Torchancen waren daher auch Mangelware. Einzig Stürmer Christian Kinsombi hatte eine Großchance, vergab jedoch kläglich (36.).

Nicht einmal 30 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff waren die Gäste dann jedoch reif. Nach sehenswerter Kombination. Gegen Kinsombi konnte Hrvoje Vincek noch klären, doch beim Nachschuss von Antoine Makoumbou war er machtlos. Aus lauter Ärger drehte Sicaja an der Seitenauslinie eine Pirouette und fuchtelte mit den Armen in der Luft herum – Action pur.

Mainzer Trainer fehlen die Worte

Löblich: Trotz des für den TSV ärgerlichen Zeitpunkts des Gegentors verlor er nicht den Faden. „Wir hatten in der Saison schon viele schlechte Erlebnisse, 
 und dann kommen die Erinnerungen wieder hoch“, meinte Sicaja. Doch sein Team brach nach der Pause nicht ein. Auch die Auswechslung des verletzten Daniel Vier brachte die Eintracht nicht zu Fall.

Abgesehen von viel Ballbesitz und einer Großchance in der Nachspielzeit brachten die Mainzer in Durchgang zwei kaum noch etwas zustande. Auf der anderen Seite hätten Celik und Nolte die Partie bereits vorher mit dem 3:1 entscheiden müssen.

Und der FSV? Gaul war über die Leistung entgeistert: „Mir fehlen ein wenig die Worte. Gegen eine gewachsene Männermannschaft haben wir naiv wie eine Jugendmannschaft gespielt“, kritisierte der Trainer. Ungeachtet der schwachen Mainzer Leistung ist die Eintracht wieder siegreich und nicht mehr Tabellenletzter.

Statistik

Tore: 0:1, 0:2 Erdinc Solak (10. FEM, 26.), 1:2 Antoine Makoumbou (45.+1).

FSV Mainz 05 II: Dahmen - Breitenbach, Scheithauer, Grau, Kölle - Petermann, Löchelt, Makoumbou (46. Tyrala, 71. Demirbas) - Lappe - Parker (18. Bell Bell), Kinsombi.

Eintracht Stadtallendorf: Säglitz - Gaudermann, Baltic, Vier (46. Ofori), Schütze - Wolf (61. Wolf), Abdel-Ghani, Döringer Celik - Solak (84. Zildzovic), Nolte.

Schiedsrichter: Manuel Bergmann (Erbach). Zuschauer: 498.

Gelbe Karten: Scheithauer, Löchelt, Breitenbach / Döringer, Vier, Nolte, Solak.

Beste Spieler: Baltic, Solak, Abdel-Ghani, Gaudermann, Nolte / Löchelt, Bell Bell.

von Benjamin Kaiser

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