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Lokalsport „Söldner“ können doch gewinnen
Sport Lokalsport „Söldner“ können doch gewinnen
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21:58 26.05.2019
Die Marburg Mercenaries haben sich gegen die Kirchdorf Wildcats ihren ersten Saisonsieg erkämpft. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Es ist vollbracht und es war eine schwierige Geburt! Die Marburg Mercenaries haben im vierten Saisonspiel ihren ersten Sieg eingefahren. Head Coach Dale Heffron raufte sich das schüttere Haar und war fix und fertig, Offensive Coordinator Elias Gniffke bekam eine Getränke-Dusche auf dem Spielfeld – zwei von vielen interessanten Szenen nach dem Spiel.

Verständlich, da es am Ende kaum dramatischer hätte sein können. Zwei Sekunden vor Ablauf der Spielzeit hatten die Kirchdorf Wildcats die Chance auf den Sieg. Nur sieben Yards von Marburgs Endzone entfernt waren die Gäste beim Spielstand von 49:55 im Ballbesitz. Ein Touchdown hätte dem Auswärtsteam den Sieg beschert und die „Söldner“ ins Jammertal hinab befördert.

Doch den Pass in die Endzone, den letzten Spielzug der Partie, machten Cornerback Sidney Shiundu und Malte Klein mit einem starkem Einsatz zunichte. Die „Söldner“ an der Seitenauslinie stürmten auf den Platz, lagen sich mitunter in den Armen und das Publikum war fast genauso aus dem Häuschen.

Heffron war alles andere als aufgeregt. Er war fertig, schüttelte immer wieder den Kopf. Sein Gehirn schien Schwierigkeiten zu haben, die vergangenen drei Stunden vollständig zu begreifen und der Coach machte den Eindruck, als sei er am Sonntagnachmittag um Jahre gealtert. Er müsse sich abstützen. „Es war unglaublich. Und das nicht im positiven Sinne. Ich freue mich natürlich für den Verein und die Spieler über den Sieg, aber wir haben gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben und noch längst nicht da sind, wo wir sein wollen“, erklärte der ehemalige Profi-Quarterback nach der emotionalen Talfahrt.

„Letzte Woche bei der Niederlage gegen Frankfurt hat unsere Verteidigung uns im Spiel gehalten. Heute war es unsere Offensive, die das Spiel entschieden hat“, sagte der Trainer. Seine Art, um seine Unzufriedenheit mit der Defensive auszudrücken. Eine Begegnung, in der die Offensive 55 Punkte bewerkstelligt, darf nie und nimmer eine eine derart knappe Kiste sein – noch dazu bei einem Heimspiel.

Auch wenn die Kirchdorfer Offensive – besonders die Kombination aus Quarterback Ian Kolste und Wide Receiver Robert Ruiz, die die Marburger Passverteidigung über die gesamte Dauer terrorisierte – zum ersten Mal in dieser Saison wirklich heiß lief, machten die Schützlinge von Defensive Coordinator (DC) Sergej Schmidt schlichtweg zu viele Fehler.

Verteidigung löchrig wie ein Schweizer Käse

„Wir haben einen deutlichen Schritt zurück gemacht. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Oft haben wir uns mit schlechtem Tackling und Kommunikationsfehlern selbst ins Bein geschossen“, stellte der DC niedergeschlagen fest. Satte 35 Zähler kassierte seine Verteidigung in Durchgang eins. Beim Kabinengang lagen die Hausherren 33:35 zurück. Und während die Laufverteidigung erneut solide agierte, war einmal mehr die Passverteidigung das laut plärrende Sorgenkind. „Natürlich haben wir junge Spieler, aber ich erwarte von allen, einschließlich den Trainern, mehr“, befand Schmidt.

Glück für die Verteidiger, dass Quarterback Jakeb Sullivan seine wohl beste Saisonleistung einreichte. Trotz mehreren Interceptions, die auf seine Kappe gingen, zeigte Marburgs Spielmacher einige starke Pässe. Dabei profitierte er auch von einer starken Vorstellung seiner besten Passfänger, Luke Wildung und Hendrik Schwarz. „Natürlich müssen wir die Statistiken abwarten, aber wir haben in etwa 600 Yards in der Offensive auf die Beine gestellt“, berichtete Gniffke.

Ihm und seinem Team ging kurz vor Schluss jedoch der Hintern auf Grundeis, als Sullivan mit 90 Sekunden auf der Uhr und einem Rückstand von 47:49 eine Interception warf – fünf Yards von Kirchdorfs Endzone entfernt. Hätte Wide Receiver Tyler O‘Donnell den Ball einen Augenlick später nicht mit einem heroischen Einsatz zurückerobert, wäre die Niederlage für die „Mercs“ sicher gewesen. „Da hatten wir einfach Glück. Aber das braucht man eben auch mal“, meinte Gniffke.

Positiv für Marburg: Saisonsieg Nummer eins ist unter Dach und Fach. Negativ: In allen Bereichen ist noch viel Luft nach oben. Aber möglicherweise war der erste Saisonsieg genau das, was der Doktor für den Marburger Patienten verordnet hat. Aber letztlich werden das die Leistungen in den kommenden Wochen zeigen.

von Benjamin Kaiser