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Lokalsport Mercenaries verlieren Hessenderby
Sport Lokalsport Mercenaries verlieren Hessenderby
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00:17 15.05.2019
Auch das erste Heimspiel der neuen Saison verloren die Marburg Mercenaries. Das Spiel gegen Frankfurt Universe endete 14:20. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Jeder Football-Coach in der German Football League (GFL) spricht immer wieder darüber, wie wichtig Turnover sind: Ballgewinne durch Interceptions und erzwungene Fumbles der eigenen Defensive. Auf der anderen Seite soll die Offensive sorgsam mit dem Ball umgehen und dem Gegner keine zusätzlichen Angriffsrechte bescheren. In dieser Kategorie versagten die Marburg Mercenaries im Hessenderby gegen das Topteam Frankfurt Universe auf ganzer Linie. Bitter für sie, da mehr drin war.

Ein Blick in Dale Heffrons Gesicht nach dem Spiel verriet alles. Nach schweren Schritten ließ sich der Head Coach der Marburger auf einer Bierbank nieder. „Ich bin frustriert. Unser Angriff hat dem Gegner viermal den Ball gegeben. Frankfurts Offensive hat sich keine Turnovers erlaubt. Das ist der Knackpunkt des Spiels“, sagte er erschöpft.

Drei Interceptions und einen Fumble leistete sich Quarterback Jakeb Sullivan. Der Preis dafür war die Siegchance. Der kostspieligste Fehler unterlief Marburgs Spielmacher 70 Sekunden vor Schluss. Die Hausherren waren im Ballbesitz und in Frankfurts Hälfte beim Spielstand von 14:20. Ein Touchdown – und die „Mercs“ hätten das Spiel wohl gewonnen. Aber Sullivans Pass auf Wide Receiver Luke Wildung, der eine hervorragende Leistung und viel Raumgewinn einreichte, fischte Frankfurts Sebastian Gauthier aus der Luft. Es war der Spielzug, der das Hessenderby entschied. Und es war ein Wurf, den Sullivan so nicht hätte machen müssen und dürfen. Genug Zeit war auf der Uhr, um noch mehrere Spielzüge durchzuführen.

„Er wollte den Wurf machen und hat den Gegenspieler nicht gesehen“, sagte Heffron. Seinem Spielmacher wollte er keinen Vorwurf machen. So sah es auch Offensive Coordinator Elias Gniffke. „Wir verlieren und gewinnen als Team“, unterstrich er. Niemand ärgere sich über die Ballverluste mehr als Sullivan. Zumal die Receiver im Laufe des Spiels auch mehrere gute Pässe ihres Spielmachers fallen ließen, die sie hätten an Land ziehen müssen. „Solche Fehler sind tödlich für die Siegchancen“, sagte Heffron.

Besonders bitter ist, dass die Marburger durch diese Fehler die beste Leistung des Sorgenkindes namens Offensive Line nicht mit Punkten belohnten. „Wir haben uns verdient, das Spiel zu gewinnen“, meinte Heffron. Gegen Frankfurts viel gepriesene Defensivfront schlugen sich die „Mercs“ tapfer. Frankfurts Pass Rush war zeitweise völlig abgemeldet.

Für die Marburger Defensive war die Partie aber wieder die alte Leier. „Wir haben unter der Woche und vor dem Spiel darüber geredet, dass wir nicht früh in Rückstand geraten und nicht den tiefen Pass kassieren dürfen“, berichtete Defensive Coordiantor Sergej Schmidt und lächelte gequält. Der zweite Spielzug für die Gäste war ein tiefer Pass, und kurz darauf markierte Sebastien Sagné nach einem Pass von Quarterback Steve Cluley die Führung.

1250 Zuschauer sehen die Partie

Somit liefen die Marburger im dritten Saisonspiel in Serie dem Spielstand hinterher. Danach berappelte sich die Defensive aber. Die Frankfurter punkteten in Hälfte zwei überhaupt nicht mehr. Dabei konnte Schmidt einmal mehr auf seine gute Rushing Defense bauen. Selbst ein Team mit einer so starken Offensive Line wie die Universe musste gegen die Defensivfront der „Mercs“ klein beigeben.

„Damit bin ich zufrieden. Dass wir Frankfurt unter 21 Punkten halten, ist auch sehr ordentlich. Was mich aber stört: Wir haben unserer Offensive keinen zusätzlichen Ballbesitz ermöglicht, keine Turnover produziert“, monierte Schmidt. Wobei Cluley und seine Mitstreiter auch sehr konservativ zu Werke gehen konnten, da sie fast über die gesamte Distanz in Front lagen. Zwar konnte Passfänger Tyler O‘Donnell kurz nach Frankfurts Führung ausgleichen – Sullivan hatte ihn mustergültig bedient –, aber bis zum Pausenpfiff sorgte ein weiterer Touchdown von Sagné sowie ein Field Goal von Marius Duis zum 20:7-Halbzeitstand.

Das dritte Viertel war für die 1 250 Zuschauer mehr Graus als Schmaus. Beiden Teams gelang nichts. Den letzten Touchdown erzielte Wildung vier Minuten vor Schluss nach einem Sullivan-Pass – 14:20. Knapp zwei Minuten waren noch zu spielen, als die Offensive wieder aufs Feld trat. Sullivan und seine Mitstreiter hatten die Siegchance vor Augen. Doch der US-amerikanische Spielmacher warf sie unfreiwillig weg.

von Benjamin Kaiser