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Lokalsport Bayern, BVB – oder Überraschungsmeister?
Sport Lokalsport Bayern, BVB – oder Überraschungsmeister?
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11:00 16.08.2019
Der FC Bayern um Robert Lewandowski (links) ist für Eike Immel erneut Topfavorit auf den Meistertitel, Julian Weigls BVB der erste – aber nicht einzige – Herausforderer. Quelle: Guido Kirchner
Stadtallendorf

247 Bundesliga-Spiele hat Eike Immel zwischen 1978 und 1986 für Borussia Dortmund bestritten, weitere 287 bis 1995 für den VfB Stuttgart, mit dem er 1992 Deutscher Meister wurde.

Das Geschehen verfolgt der 58-Jährige, der seit einigen Wochen die zweite Mannschaft seines Heimatvereins TSV Eintracht Stadtallendorf trainiert, noch immer ganz genau. Mit der OP sprach der frühere Torhüter, der 19 A-Länderspiele für Deutschland bestritt, über …

Titelverteidiger FC Bayern München:

„Die Bayern haben sich in den vergangenen Jahren einen großen Vorsprung erarbeitet. Den haben sie nicht geschenkt bekommen, die haben sich das verdient. Die Mannschaft hat die höchste Qualität in der Liga, auch wenn es bezüglich der Neuzugänge nicht so gelaufen ist, wie sich die Verantwortlichen das sicherlich vorgestellt haben. Aber das Transferfenster ist ja noch eine Zeit lang offen. Für mich ist ganz klar: Die Meisterschaft geht nur über die Bayern.“

Herausforderer Borussia Dortmund:

„Der BVB hat im Rahmen seiner Möglichkeiten super eingekauft. Gut ist auch, dass die Zugänge die Vorbereitung schon zum größten Teil mitgemacht haben. Da ist die Borussia manchen anderen einen Schritt voraus. Gut finde ich, dass die Verantwortlichen dieses Mal klar sagen: ‚Wir wollen Meister werden.‘ Man muss Ziele haben.

Ich würde mir natürlich wünschen, dass es klappt – weil ich viele Jahre in Dortmund gespielt und gelebt habe und an dem Verein hänge, aber auch, weil die Stadt wie keine andere in Deutschland Fußball lebt. Damit es klappt, darf sich die Mannschaft aber diesmal keine Patzer gegen kleinere Vereine, wie in der Vorsaison zum Beispiel die Niederlage in Düsseldorf, erlauben.“

Andere Anwärter auf vordere Plätze:

„Ich habe das Gefühl, dass auch Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig das Zeug dazu haben, ganz vorn mitzuspielen. Wenn sich die Bayern einige Schwächen leisten und auch der BVB nicht immer überzeugt, dann haben diese beiden Mannschaften die Chance, für eine große Überraschung zu sorgen.“

Die Aussichten der Frankfurter Eintracht:

„Ich traue der Eintracht alles zu – außer Meister zu werden. Ich bin in der vergangenen Saison mehrmals in Frankfurt im Stadion gewesen. Die Atmosphäre war sensationell. Ich hoffe auch für die phantastischen Fans, dass die Mannschaft in der Europa­ League wieder weit kommt und in der Bundesliga eine gute Rolle spielt.

Ich mache mir da aber keine großen Sorgen, trotz der Abgänge der Topstürmer. Fredi Bobic und Adi Hütter machen super Arbeit, auch das Scouting funktioniert richtig gut. Den Weg, Talente jung zu verpflichten, zu entwickeln und später teuer zu verkaufen, ist genau der richtige, wenn man langsam aber stetig weiter nach oben kommen will.“

Die Abstiegskandidaten:

„Zunächst einmal sind es fünf Mannschaften, die ich gefährdet sehe. Paderborn wird es ganz schwer haben, das liegt einfach an der Qualität. Union­ Berlin traue ich eher zu, drin zu bleiben. Neven Subotic und Christian Gentner zu verpflichten, war genau richtig. Beide bringen eine Menge Erfahrung mit, das kann im Abstiegskampf nur helfen. Bei Fortuna Düsseldorf lief es in der vergangenen Saison überragend.

Ich schätze Friedhelm Funkel sehr, ich glaube aber nicht, dass noch so eine Spielzeit gelingt. Auch Augsburg und Mainz erwarte ich im unteren Tabellendrittel. Köln schätze ich hingegen stärker ein. In den vergangenen Jahren haben wir aber auch immer wieder gesehen, dass auch andere Mannschaften wie zuletzt Schalke ­unten reinrutschen können.“

Die internationale Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga:

„Die vergangene Saison verlief natürlich enttäuschend, abgesehen vom Halbfinal-Einzug der Frankfurter in der Europa League. Aber man muss auch sehen, dass Dortmund in der Champions League gegen Tottenham ausgeschieden ist und die Bayern gegen Liverpool. Das waren die beiden Mannschaften, die später im Finale standen. In K.-o.-Spielen passiert das eben.

Trotzdem ist es aktuell so, dass die englischen Clubs und auch die spanischen Topvereine meilenweit enteilt sind. Wenn es normal läuft, dann machen sie die Titel wieder unter sich aus, vielleicht noch mit Juventus Turin. In England ist einfach das meiste Geld vorhanden und die spanischen Clubs verschulden sich, weil der Erfolg über allem steht. In Italien ist das ähnlich.

So gesehen ist die Bundesliga finanziell auf jeden Fall gesünder. Und die Atmosphäre in den deutschen Stadien ist viel besser als in den allermeisten anderen. Das liegt auch daran, dass sich hier die echten Fans noch Karten leisten können, in England ist das oft nicht mehr so. In diesem Bereich ist die Bundesliga attraktiver.“

Die Lage des VfB Stuttgart:

„Die vergangene Saison war natürlich eine Katastrophe, mir hat das Herz geblutet. Der Wiederaufstieg ist Pflicht, aber das wird kein Selbstläufer. Trotzdem bin ich zuversichtlich. Thomas Hitzlsperger ist als Sportvorstand eine gute Wahl, hat eine Menge Sachverstand. Tim Walter hat als Trainer in Kiel gute Arbeit geleistet. Ich hoffe, dass ihm das auch in Stuttgart gelingt. Ich hoffe nur, dass nicht Jürgen Klinsmann in den Verein geholt wird. Ich glaube, das könnte für Unruhe sorgen und würde die Position von Thomas Hitzlsperger schwächen.“

von Stefan Weisbrod