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Lokalsport Blista-Teams erreichen Aufstiegsrunde
Sport Lokalsport Blista-Teams erreichen Aufstiegsrunde
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00:18 19.04.2019
Charlotte Hartz (links) und Pia Knaute decken das Tor ab, Knaute pariert einen Angriff. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

„Quiet, please.“ Ein Pfiff ertönt. „Play!“ Das Einzige, was man danach noch hören kann, ist das Rollen des Balls über den Boden des Turnhallenbodens und das Klingeln der Glocken im Spielgerät.

In der Zeit zwischen der Ansage des Schiedsrichters und der Ausführung des Spielers würde man selbst eine Stecknadel auf den Boden fallen hören.

Für die beiden Teams der SSG Blista Marburg ging es in dieser Atmosphäre gegen Friedberg um die Qualifikation für die Aufstiegs-Playoffs in die erste Bundesliga im Blindensport Goalball.

Marburger Frauen III mit perfekter Ausbeute

Während der insgesamt sechs Partien konnte die Frauenmannschaft, die als Marburg III antrat, jedes Spiel gewinnen. Das Team bestand aus den Nationalspielerinnen Annkathrin Denker, Charlotte Hartz, Pia Knaute und Stefanie Behrens. Für die Frauen ging es in erster Linie um die Vorbereitung auf die Europameisterschaft in Rostock (8. bis 13. Oktober). „Wir haben uns eigentlich nur in der zweiten Liga angemeldet, um Spielpraxis für die EM zu bekommen“, erklärte Pia Knaute.

Beim zweiten Spiel gegen Marburgs Zweite erzwang das Team bestehend aus Tamim Raufi, Rauan Mardnli, Burak Elekci und Roman Qayumi immer wieder den Ausgleich. In einem Kopf-an-Kopf-Rennen behielt Marburg III am Ende auch im zweiten Aufeinandertreffen die Oberhand und konnte mit 15:12 gewinnen, das erste Spiel der Doppelrunde „Jeder gegen jeden“ war mit 9:2 deutlicher.

Erste Mannschaft spielt am 27. April

„Wir haben uns in den beiden Spielen ziemlich schwer getan und oft unnötige Fehler gemacht“, sagte Knaute dennoch. Da Marburg II die Partien gegen Friedberg mit 15:7 und 10:9 für sich entscheiden konnte, sind nun beide Marburger Mannschaften für die Playoffs in Ilvesheim qualifiziert.

Ergebnisse

2. Bundesliga:
Friedberg – Marburg II 7:15
Marburg III – Friedberg 9:3
Marburg II – Marburg III 2:9
Marburg III – Marburg II 15:12
Friedberg – Marburg III 1:11
Marburg II – Friedberg 10:9.

Die Gegner der Marburger stehen auch bereits fest: Die SSG-Frauen werden in Pool A auf L. E. Sport Leipzig und die Schlossschule Ilvesheim treffen. Marburg II spielt in Pool B gegen die SpVgg 03 Ilvesheim und den Rostocker Goalballclub Hansa II.

Bevor jedoch die Playoffs ausgetragen werden wird das Bundesliga-Team am 27. April wieder ins Geschehen eingreifen. In Dresden wird der erste Spieltag der Rückrunde ausgetragen und die SSG-Goalballer sind auf Wiedergutmachung für die Niederlagen in Rostock aus.

Staatssekretär Heck bringt Scheck

Schon vor dem Zweitliga-Spieltag hatte die SSG Blista Grund zur Freude. Der Staatssekretär des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport, Dr. Stefan Heck, war zu Besuch – und er hatte einen Zuwendungsbescheid zur Förderung des inklusiven Goalball-Angebots in Höhe von 1.500 Euro dabei.

„Ich habe hier eine neue Sportart kennengelernt, von der ich vorher nie etwas gehört hatte. Aber ich bin beeindruckt von dieser Mannschaft“, sagte Heck und führte aus: „Den inklusiven Sport von Menschen mit Behinderung weiter zu fördern, ist ein wichtiges Ziel hessischer Sportpolitik. Wir wollen allen Menschen eine selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe am Sport ermöglichen, mehr Anerkennung für Menschen mit Behinderung erreichen und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Bei der SSG Blista Marburg gelingt dies alles mit Leichtigkeit. Gegenseitiges Verständnis wird gestärkt und Vorurteile und Berührungsängste werden abgebaut. Vereine wie die SSG Blista leisten damit einen herausragenden Beitrag zur Sensibilisierung für die Themen ­
Behindertensport und Inklusion.“

Sportart wieder ein Stück bekannter

Michael Feistle, Nationalspieler und Vorsitzender der SSG, bedankte sich für die Förderung und auch beim Direktor der Deutschen Blindenstudienanstalt, Claus Duncker, für die seit vielen Jahren sehr gute Zusammenarbeit: „Zum einen freut es mich, dass wir unsere Sportart wieder etwas bekannter machen können. Zum anderen aber auch, dass uns nun Mittel zur Verfügung stehen, um Goalball inklusiv für Sehende zu öffnen“, sagte Feistle.

National dürfen bereits in der Jugend zwei Sehende mitspielen. „Ich persönlich kann nur jeden animieren, Goalball einmal selbst zu testen. Ob Seheinschränkung oder nicht – jeder ist bei uns herzlich willkommen.“ Alle Anwesenden probierten sich anschließend selbst darin aus, ein Tor zu erzielen. „Das ist gar nicht so einfach, wie es von außen aussieht“, sagte Stefan Heck.

von Leonie Rink