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Lokalsport Marburg startet in CEWL-Saison
Sport Lokalsport Marburg startet in CEWL-Saison
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00:17 03.11.2018
Marburgs Alexandra Wilke (rechts) soll nach dem Ausfall von Aufbauspielerin Paige Bradley noch mehr Verantwortung übernehmen. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Tabellenführung mit sechs Siegen aus sechs Bundesliga-Spielen, im nationalen Pokal locker ins Achtelfinale eingezogen – es läuft in dieser Saison rund bei den Blue Dolphins. Grund genug, um sich so richtig auf das erste europäische Highlight zu freuen: Diesen Mittwoch um 19 Uhr kommt Sokol Hradec Kralove aus Tschechien zum Auftakt in der Central Europe Women League (CEWL) in die Gaßmann-Halle.

Ein Wermutstropfen allerdings trübt die ansonsten prächtige Stimmung in Marburg allerdings ein wenig: Paige Bradley wird ihrem Team fehlen, nicht nur diesen Mittwoch, sondern vermutlich in den nächsten drei bis vier Wochen. Die amerikanische Aufbauspielerin war beim 86:65-Sieg über die Eisvögel Freiburg um­geknickt. Die Diagnose: zwei-
facher Bänderriss im Knöchel.

Bradleys Führungsqualitäten fehlen

„Wir müssen uns darauf vorbereiten“, sagt BC-Trainer Patrick Unger. „Finja (Schaake, Anm. der Redaktion) hat das ja phasenweise schon gespielt.“ Allerdings schränkt Unger gleich ein: „Man kann so eine Position schlecht trainieren.“ Bradley, wenngleich das aus den Statistiken oft nicht hervorgeht, ist der Kopf der Mannschaft, die Taktgeberin im Ballvortrag, während Schaake ihre Stärken eher im Abschluss hat. „Von der Lea­dership her ist Paige nicht 1:1 zu ersetzen, das wird uns am meisten fehlen“, sagt Unger über die Führungsqualitäten der 24-Jährigen.

Bradleys Ausfall bedeutet nicht nur, dass Schaake sich gelegentlich in neuer Rolle wiederfinden wird. Auch Tonisha Baker dürfte im Spielaufbau mehr gefordert sein. Und zwei junge Spielerinnen können ihre Chance auf mehr Einsatzzeit nutzen: Alexandra Wilke, die ohnehin den Back-up für Bradley gibt, und die 18-jährige Hanna Reeh. „Alex muss mehr Verantwortung übernehmen, Hanna wird ihre ersten CEWL-Minuten sehen“, kündigt Unger an.

Als bloßes Einspielen für die nächsten Bundesliga-Aufgaben ohne Bradley will Unger die Partie diesen Mittwoch gegen Hradec Kralove aber nicht begriffen wissen. „Erst mal wollen wir gewinnen“, sagt der Coach. Damit wäre der Grundstein für das Erreichen des Top-4-Turniers gelegt, für das sich die jeweils ersten beiden Teams aus den zwei Dreier-Gruppen qualifizieren.

Unger plant mit Zonen-Verteidigung

Allerdings kommt ein starker Gegner auf die Blue Dolphins zu. Nach durchwachsenem Saisonstart kommt Hradec Kralove immer besser in Form. Zuletzt brachte das Team von Trainerin Romana Ptackova in der heimischen Liga dem bisher ungeschlagenen Tabellenzweiten KP Brno mit 78:74 die erste Niederlage bei.

Unterschiede zu den Gegnern aus der Bundesliga beschreibt Unger so: „Sie spielen mit mehr Bumms, ein bisschen aggressiver. Das ist uns noch nicht so oft begegnet.“ Dagegen wolle er sich etwas einfallen lassen und gibt einen kleinen Einblick in seine Überlegungen in eine neue Defensivvariante. „Wir gucken mal, ob wir mal eine Zone spielen, das haben wir bisher noch nie gemacht.“

Eine Spielerin kennen die Blue Dolphins noch aus der vergangenen Saison: Tatsiana Likhtarovich, eine von nur zwei Legionärinnen im tschechischen Team, spielte da bei den Rutronik Stars Keltern. Der Vertrag mit der Weißrussin wurde allerdings vor dem Playoff-Halbfinale gegen den BC aufgelöst. „Uns erwartet ein sehr gutes Team, das uns fordern wird“, fasst Unger zusammen, der im Europapokal auf mehr Fan-Unterstützung baut als im Vorjahr. Das beste Argument: „Wir spielen attraktiven Basketball.“

von Holger Schmidt