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Lokalsport Der BC bewältigt Tiefs als Mannschaft
Sport Lokalsport Der BC bewältigt Tiefs als Mannschaft
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11:55 08.11.2018
Die Marburgerin Tonisha Baker (rechts) kontrolliert den Ball gegen Freiburgs US-Amerikanerin Kristen Gaffney, rechts: Johanna Klug. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Der BC Pharmaserv Marburg festigte in der Georg-Gaßmann-Halle mit dem 86:65 (47:33)-Erfolg gegen die Eisvögel USC Freiburg die Tabellenführung in der Bundesliga. „Wir taten uns anfangs schwer, wirkten auch etwas planlos. Freiburg ist aber auch kein schlechtes Team, und wir haben uns über die Defensive ins Spiel hereingekämpft und die kritischen Phasen als Team überstanden“, sagte Marburgs Trainer Patrick Unger.

Der BC Marburg als Tabellenführer im Heimspiel – dies war sicher einer der Gründe, warum sich unter den 550 Zuschauern in der Georg-Gaßmann-Halle viele Vertreter der örtlichen Politprominenz befanden. Selbst ein Fernsehteam des Hessischen Rundfunks war anwesend (BC-Spielerin Marie Bertholdt ist am Montagabend zu Gast im „Heimspiel“ ab 23.15 Uhr im HR-Fernsehen). Besonders freute sich Unger, dass er mit seiner Mannschaft Unterstützung durch die Marburger Basketballlegende Henning Harnisch fand.

Freiburg dominiert Anfangsphase

Aber ob es nun diese äußeren Umstände oder die äußerst aufmerksamen und schnellen Gäste aus dem Breisgau waren, auf jeden Fall wirkten die Marburgerinnen anfangs unkonzentriert und hektisch. Zwar hatte Alexandra Wilke die ersten beiden Punkte für die Gastgeberinnen erzielt, danach reihten sich aber einige Fehler im Spielaufbau und im Abschluss aneinander.

Freiburg wirkte in dieser Phase einfach spritziger und ehrgeiziger. Freiburgs Luana Rodefeld – ebenso wie Laura Zdravevska schon in der Kooperation Grünberg/Marburg aktiv gewesen – sorgte mit einem Dreier für die 5:2-Führung der Gäste. Nach vier Spielminuten hatte Freiburg sieben Zähler Vorsprung (11:4). „Wir lebten da von unserer Euphorie, unserer Schnelligkeit“, sah es Freiburgs Trainerin Hanna Ballhaus.

Unger lobt Yohn und Teamgeist

Doch Marburg fing sich, entscheidend dafür war Paige Bradley mit starken Aktionen: Sie warf zwei ­Dreier in Folge zum 15:12, „stahl“ den Freiburgern den Ball und leitete den ersten Dreier von Katlyn Yohn zum 18:14 ein – Yohn hatte in der ersten Halbzeit eine hundertprozentige Trefferquote bei fünf Versuchen jenseits der Linie.

„Wir sind froh, Katlyn in unserem Team zu haben. Sie übernimmt Verantwortung und schafft auch Räume für die anderen Spielerinnen“, sagte Unger über die mit 24 Punkten beste Korbwerferin. Marburg suchte eher den Blick für seine Mitspielerinnen, das zeigt die Statistik: 17 Assists des BC standen nur sechs des USC gegenüber.

Baker reißt ihr Team und Publikum mit

Kurz vor Viertelende kam für Bradley aber unglücklich das Aus: Sie knickte mit dem Fuß bei einer Offensivaktion um und musste vom Feld getragen werden. Erste vorläufige Diagnose: Bänderverletzung und mindestens vier Wochen Pause. „Mit Paige verloren wir eine Führungsperson. Andere Spielerinnen mussten ihre Aufgaben übernehmen, haben dies auch ziemlich gut gemacht“, sagte Unger.

Nach dem 23:18 im ersten Viertel tat sich das Heimteam zunächst weiter schwer, die energischen und mit viel Tempo spielenden Gäste in die Schranken zu weisen. Doch anstatt das Spiel kippen zu lassen, „explodierten“ die Dolphins in ihrer Leistung: Bakers Zähler zum 31:28 gaben den Startschuss. Fast alle Rebounds unter dem eigenen wie dem fremden Korb wurden gewonnen, die Freiburgerinnen zu Fehlern gezwungen und (fast) jeder Wurf saß.

Und die „Dolphins“ trauten sich jetzt auch mehr zu, so wie Wilke, die vom eigenen Korb über das ganze Feld und zum gegnerischen Korb „spazierte“ und zum 35:28 einlupfte. Den (Marburger) Zuschauern gefiel das Spiel dermaßen, dass sie in einer Auszeit vor Viertelende mit rhythmischem Klatschen ihre Genugtuung ausdrückten. Sechs Punkte aus zwei Würfen von Yohn brachten eine 47:30-Führung, nach einem Dreier Freiburgs ging es in die große Pause.

USC-Trainerin beklagt wiederkehrende Fehler

„Es ist bei uns immer wieder das gleiche Problem: Wir spielen eine hohe Intensität, aber wenn sich der Gegner darauf einstellt, schaffen wir es nicht, wieder neu in einen Rhythmus zu finden. Und wenn mal zwei, drei Würfe nicht reingehen, lassen wir auch defensiv plötzlich Sachen vermissen – und Marburg nutzt dies aus“, sagte Ballhaus.

Nach dem berauschenden Auftritt war im dritten Viertel eine „Verschnaufpause“ angesagt, zumindest auf der Gastgeberseite. BC-Trainer Unger konnte im weiteren Verlauf seinen besonders beanspruchten Spielerinnen Auszeiten gönnen, was Ballhaus auf Freiburger Seite nicht so möglich war.

Mit einem 13:2-Lauf zog der BC schließlich viereinhalb Minuten vor Spielende auf 80:56 davon. Eine tragende Rolle hierbei spielte die Hungaro-Kanadierin Alexandra Kiss-Rusk, die nicht nur 14 Punkte markierte, sondern mit zwölf Rebounds (davon neun defensiv) zusammen mit Johanna Klug (sieben Rebounds) auch unter den Körben bärenstark agierte. „Es ist wichtig, dass wir uns aus Tiefs gegenseitig herausholen“, sagte Klug: „Und es ist möglich, jedes Team zu schlagen, wenn wir den Basketball spielen, den wir können und wollen.“

von Michael Seehusen

Statistik

BC Pharmaserv Marburg – USC Freiburg 86:65 (47:33).

Viertel: 23:18, 24:15, 20:21, 19:11.

Marburg: Katlyn Yohn (24 Punkte/6 Dreier), Alexandria Kiss-Rusk (14), Tonisha Baker (11/1), Marie Bertholdt (8), Johanna Klug (8), Alex Wilke (6), Paige Bradley (6/2 Dreier), Stephanie Wagner (3/1), Maria-Angelina Sola (2), Finja Schaake (2), Kim Winterhoff (2).

Freiburg: Kristen Gaffney (14), Mirna Paunovic (14), Kelly La Nette Moten (13), Luana Rodefeld (11/3), Ilze Jakobsone (7/1), Laura Zdravevska (2), Sanata-Lea Quadraogo (2), Pauline Mayer (2).

Zuschauer: 550.