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Lokalsport BC Marburg drängt in die zweite Liga
Sport Lokalsport BC Marburg drängt in die zweite Liga
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00:25 11.05.2019
Der BC-Vorsitzende Oliver Pohland will die Nachwuchsarbeit neu aufstellen, damit Talente wie Hanna Reeh künftig besser ans Bundesliga-Team herangeführt werden können. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Wenn es um die Gründe geht, warum es nicht mehr weitergeht mit der Kooperation zwischen den Basketball-Standorten Marburg und Grünberg, fällt auch der Name Ama Degbeon. Die heute 23-Jährige ist gerade mit A3 Basket Umea schwedischer Meister geworden. Vor fünf Jahren sorgte die gebürtige Berlinerin für Furore, als sie in der Bundesliga bei den Blue Dolphins schnell zur Stammspielerin wurde. Degbeon sei „die letzte Leistungsträgerin“ gewesen, die aus dem Basketball-Teilzeitinternat und der Zusammenarbeit mit dem TSV Grünberg hervorgegangen sei, sagt Christine Hellkötter, Sportliche Leiterin des BC Marburg. „Das ist nicht das, was wir uns vorstellen.“

Außer Degbeon sieht Hellkötter von den aktuellen Bundesligaspielerinnen nur noch Luana Rodefeld, die sich zur Leistungsträgerin entwickelt habe. „Ansonsten sind alle von der Bildfläche verschwunden“, sagt das BC-Vorstandsmitglied.

Das soll sich ändern. Und dafür will der BC Marburg die Nachwuchsarbeit selbst aufziehen, ohne Kompromisse eingehen oder zeit- und nervenaufreibende Absprachen mit dem ehemaligen Kooperationspartner treffen zu müssen. „Mehr Eigenverantwortung“, fasst der BC-Vorsitzende Oliver Pohland das Vorhaben zusammen. „Es gibt Dinge, die wir neu aufgestellt wissen wollen.“

Klar ist bereits, wer die beiden Mannschaften trainieren soll, um die es hauptsächlich geht. Matthias Alver bleibt ligaunabhängig Trainer der zweiten Mannschaft. „Wenn es mit der Wildcard nicht klappt, wollen wir über eine starke Regionalliga-Mannschaft den Aufstieg schaffen“, sagt Pohland zu Plan B. Er ist aber zuversichtlich, dass Plan A greift und der BC mit seinem Unterbau trotz fehlender sportlicher Qualifikation in Liga zwei antreten darf. Ein entsprechender Antrag ist bei der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) eingereicht worden, die Entscheidung wird Ende Mai erwartet.

Die U 18 übernimmt Mohamed Diar Bakerli. Der Trainer muss das junge Team Mitte Juni noch durch die Qualifikation für die Jugend-Bundesliga, WNBL genannt, führen. Dort will auch der TSV Grünberg mit neuem Kooperationspartner TSV Butzbach als Team Mittelhessen antreten. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre stimmen Hellkötter optimistisch, dass es für den BC klappt: „Wir haben uns den Grünbergern Schritt für Schritt angenähert und sie von der Leistungsfähigkeit im Nachwuchs überholt.“ Pohland erklärte, man habe Grünberg zuletzt noch ein Angebot gemacht, um weiterhin ein gemeinsames U 18-Team zu stellen „mit deutlicher Akzentuierung Richtung Marburg“. Das sei „nicht auf fruchtbaren Boden gestoßen“.

Jetzt stemmt der BC also die Ausbildung des Nachwuchses und die Heranführung der Talente an die Bundesliga selbst. „Wir haben eine Top-Uni und einen Top-Verein mit basketballerischem Angebot. Das finden Sie nicht nochmal in Deutschland“, sagt Pohland selbstbewusst. „Wir denken, dass wir noch attraktiver werden für junge deutsche Spielerinnen“, ergänzt Hellkötter.

Die Idee: Ein Marburger Zweitliga-Team könnte als Sprungbrett dienen für Talente wie Hanna Reeh oder länger verletzte Spielerinnen wie Mali Sola. Grünberg muss dagegen stärker auf sportlichen Erfolg achten. „Spielerinnen, die aus dem WNBL-Alter herauskommen, sollen leistungsgerecht gefördert werden“, sagt Hellkötter. Man könne diesen Talenten viele Einsatzminuten der 2. Bundesliga garantieren. Letztlich soll das dazu führen, dass mehr eigene Spielerinnen den Sprung in die erste Liga schaffen.

von Holger Schmidt