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Lokalsport Was ist möglich unter Corona-Regeln?
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14:07 08.10.2020
Die Boxer, wie hier beim Pferdehofboxturnier, fahren wieder zu Wettkämpfen. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Marburg

Seit dem 1. August ist das Trainieren auch in Kontaktsportarten wieder erlaubt. Auch die Schwimmer des VfL Marburg sind wieder im Becken. Jedoch ohne Anfängerkurse.

„Die Kinder brauchen einfach noch Hilfestellungen und weil wir keine geben dürfen, brauchen wir auch keine Anfängerkurse stattfinden zu lassen“, merkt VfL-Abteilungsvorstandmitglied Manfred Hellmann an.

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Auch die anderen Trainingsgruppen mussten definiert werden, da nur acht Personen pro Bahn erlaubt sind. Außerdem dürfen sich nur drei Personen gleichzeitig in den Umkleidekabinen aufhalten.

„Die Sportler haben jetzt das Problem, dass sie sechs Monate nicht trainieren konnten. Dadurch haben die Schwimmer jetzt keine Ziele mehr, weil keine Wettkämpfe stattfinden“, sagt Hellmann. Dementsprechend ist auch der Trend der Mitgliederzahlen rückläufig.

Sorge bereitet Hellmann zudem eine andere Tatsache. „Es lernt jetzt ein ganzer Jahrgang kein Schwimmen. Und je länger die Situation noch anhält, können daraus auch zwei Jahrgänge werden“, stellt Hellmann fest. Aber für den Moment akzeptiert das Vorstandsmitglied die Situation. „Es ist jetzt erstmal so, wie es ist. Aber wir als Schwimmer haben noch schlechte Karten, weil alles gereinigt und desinfiziert werden muss“, merkt Hellmann an.

Boxer fahren wieder zu Wettkämpfen

Bei den Kampfsportarten ist der Kontakt ähnlich wichtig, wie bei den Schwimmern. „Bei uns dürfen 16 Personen gleichzeitig trainieren. Fühlt sich ein Boxer krank, dann darf er auch nicht zum Training kommen. Darauf achten wir, aber auch die Sportler. Wir mussten aber auch tief in die eigene Tasche greifen, um die ganzen Desinfektionsmittel zu kaufen“, merkt Trainer Ronald Leinbach an, der beim 1. BC Marburg auch das Amt des Sportlichen Leiters inne hat. Aktuell trainiert der Marburger Box-Club neun Gruppen in allen Altersklassen. „Wir haben sogar noch Anfragen von Eltern, die ihre Kinder noch im Training unterbringen wollen“, sagt Leinbach.

Im Gegensatz zu den Schwimmern fahren die Boxer wieder auf Wettkämpfe. Aber die Einschränkungen sind deutlich. „Es sind zwar Steuerungskämpfe, aber die sind fast auf Wettkampf-Niveau. Aber es sind kaum Zuschauer in den Hallen. Und sobald ein Team die Halle betritt, muss das andere Team die Räumlichkeiten verlassen. Sogar die Anreise darf nicht zusammen erfolgen“, berichtet Leinbach.

Auch die Ausübung von Selbstverteidigung fand nur vereinzelt oder gar nicht statt. Für Marco Beyer, der Menschen mit Handicap im Taidô Ryû JûJûtsu unterrichtet und selbst sehgeschädigt ist, war die Zeit nicht einfach. „Es ist einfach frustrierend, wenn die Kurse ausfallen oder verschoben werden“, sagt Beyer, der 1. Dan im Taidô Ryû JûJûtsu ist. Durch die Aufhebung der Begrenzung fand das Technik-Training immer mit Maske und Handschuhen statt. Dabei wurden feste Trainingspartner festgelegt, um die Hygiene-Regeln vor und nach dem Kurs einhalten zu können.

Nach den Herbstferien starten alle Kurse

„Alles findet gerade in einer abgespeckten Version statt. Wir versuchen, unser Größtmöglichstes zu tun und ansonsten schauen wir gerade einfach von Woche zu Woche“, stellt Beyer fest. Da die Temperaturen sinken, findet das Training nun ausschließlich in geschlossenen Räumen statt. „Das macht uns die Arbeit noch schwieriger, weil wir nicht mehr draußen trainieren können“, stellt Beyer fest. Momentan trainiert Beyer mit zwei Jugendlichen.

Nach den Herbstferien werden die Kurse dann wieder für alle Altersgruppen geöffnet. „Die Erwachsenen Teilnehmer sind uns ganz weggebrochen. Viele haben sofort gekündigt. Davon hatten einige sicher Angst vor dem Corona-Virus. Die anderen Teilnehmer haben sich wahrscheinlich gedacht, wenn sie ihre Leistungen nicht mehr bekommen, wieso sollten sie dann noch Beiträge zahlen“, sagt Beyer.

„Wenn ältere Teilnehmerinnen allein in einer Halle stehen und sie niemanden mehr berühren können, fühlen sie sich erstmal verloren“, resümiert Abteilungsleiterin Christa Duwe vom Tanzkreis des TV Gladenbach ihre Erfahrungen.

Wiederaufnahme mit Kaffee und Kuchen

Die Lösung war einfach: Bunte Tücher wurden aneinander gebunden. Damit sollten die Teilnehmerinnen, die aufgrund ihres Alters vermehrt zur Hochrisiko-Gruppe gehören, eine Orientierungshilfe bekommen, ohne den Mindestabstand außer acht zu lassen. „Im Seniorentanz muss man sich immer gegenseitig Halt geben. Der Kreis aus Tüchern hat diesen Halt vermittelt. Bei den Schritten nach innen werden die Schritte einfach kleiner gehalten, die nach außen dagegen größer“, erklärt Duwe das Vorgehen.

Nach der Ausarbeitung des Schutzkonzeptes durch den TV Gladenbach wusste die Abteilungsleiterin gleich, was zu tun ist: „Ich habe die Teilnehmerinnen angerufen und sie zum Kaffee eingeladen. Dabei haben wir immer einen Tisch freigelassen, damit der Abstand eingehalten wird. Aber alle haben gesagt, dass sie sofort zurück wollen“, sagt Duwe.

Der Tanzkreis besteht aktuell aus zehn Personen, dennoch wird der Sicherheitsabstand untereinander immer noch eingehalten. „Wir haben das Glück, mit der Kulturhalle in Gladenbach eine große Halle zur Verfügung zu haben“, merkt Duwe an.

Von Leonie Rink