Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Zoff im Lager der Footballer
Sport Lokalsport Lokalsport Zoff im Lager der Footballer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 22.07.2020
So würden sich die Spieler der Marburg Mercenaries am liebsten bald wieder sehen. Doch noch steht nicht fest, ob die Saison Anfang September startet. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Im Profi-Football gibt es in Bezug auf den möglicherweise bevorstehenden Saisonstart Anfang September großen Zoff. Schwere Vorwürfe kommen aus dem Lager des Bundesligisten Frankfurt Universe. Carsten Dalkowski, Liga-Sprecher der German-Football-League und Präsident der Marburg Mercenaries, tritt diesen entgegen.

Universe-Geschäftsführer Korosek übt harsche Kritik

Hintergrund ist ein Bericht des hr-sport, der hohe Wellen in Football-Deutschland geschlagen hat. Demzufolge soll Alexander Korosek, Geschäftsführer des Bundesligisten Frankfurt Universe, dem American Football Verband Deutschland (AFVD) vorgeworfen haben, gegen die Vereine zu agieren. Das Vertrauen in den Verband sei dahin, das Tischtuch zwischen AFVD und Clubs zerschnitten.

Anzeige

Von Verbandsseite äußerte sich am Mittwoch Liga-Sprecher Carsten Dalkowski dazu auch gegenüber der OP: „In der Tat besteht die Gefahr, dass es zu einer Spaltung in Football-Deutschland kommt, zumal es unterschiedliche Interessen gibt. Sie bestehen darin, dass einige Vereine trotz der Corona-Krise für die ab September geplante Saison melden wollen, andere wiederum nicht. Man sollte das Ganze allerdings nicht zu hoch hängen. Die vergangenen Monate waren für alle Beteiligten nicht einfach. Es mussten Lösungen gefunden werden, um doch noch eine zumindest verkürzte Saison unter den derzeitigen Bedingungen auszurichten.

Stein des Anstoßes ist die neue Saison in der German Football League (GFL) und der GFL 2. Sie soll im September beginnen und nur bis Ende Oktober dauern. Dabei soll den Vereinen freigestellt werden, ob sie melden oder nicht. Darauf hatte sich die Liga geeinigt. „Auch wenn man nicht meldet, soll dies keine negative Auswirkungen auf die übernächste Saison haben“, betont Dalkowski, der neben seiner Tätigkeit als Liga-Sprecher auch das Amt des Präsidenten bei den Marburg Mercenaries ausübt.

Das Schreiben des Verbands, das Ende vergangener Woche verschickt wurde, hatte mit dieser Entscheidung laut Korosek aber nichts mehr zu tun, berichtete hr-sport.

„In der Tat hat der Verband etwas anderes gemacht hat, als die German Football League wollte“, bestätigte Dalkowski, „aber nicht in dem Ausmaß, wie es der Universe-Geschäftsführer darstellt“.

Der Verband will wissen, wo genau der Schuh drückt

In neun von zehn Punkten sei der Verband den Beschlüssen der Liga gefolgt. Nur bei der Exit-Option, will heißen, ein Verein meldet diese Saison nicht, habe sie einen „kleinen, feinen Unterschied“ eingearbeitet. „Wenn ein Verein nicht meldet, wollen wir wissen, wo genau der Schuh drückt. Es soll keine pauschale Begründung geben“, sagt Dalkowski. Allein Corona als Begründung reiche dem Verband nicht aus, um ein Jahr zu pausieren. „Schließlich will der Verband den Vereinen helfen. Und dies kann er nur tun, wenn er Konkretes weiß. Diese Änderung beziehungsweise Ergänzung fanden einige Vereine in Ordnung, andere fühlten sich eher vor den Kopf gestoßen. Gerade Frankfurt fand das besonders schlimm“, ergänzt Dalkowski.

Warum der Universe-Geschäftsführer der Meinung ist, dass die Lizenz für die Saison 2021 in Gefahr sei, wenn Frankfurt in diesem Jahr nicht spielt, kann sich Carsten Dalkowski nicht erklären.

Als „Kindergarten“ hatte Korosek laut hr-sport das Gebaren des Verbands bezeichnet. Dalkowski wiederum habe nach den öffentlichen Äußerungen des Universe-Geschäftsführers Mails von anderen Vereinsverantwortlichen erhalten, die sich über den Frankfurter aufregten.

„Ich habe dennoch Verständnis für die schwierige Lage in Frankfurt. Da Alexander Korosek aber Geschäftsführer der ausgelagerten Betriebs GmbH und kein Vereinsverantwortlicher bei Frankfurt Universe ist, hat er kein Mandat, für die Liga zu sprechen“, sagt Dalkowski, der immer noch hofft, dass möglichst viele Mannschaften melden werden, damit die Saison doch noch starten kann.

Meldeschluss ist am kommenden Sonntag

Dazu haben die Vereine der German Football League noch bis zum Wochenende Zeit. Am Sonntag steht dann fest, wie viele der 16 Mannschaften (acht aus der Nord- und acht aus der Süd-Gruppe der GFL) die Saison spielen werden.

Im Moment geht Dalkowski davon aus, dass es auf 50:50 hinauslaufen werde. Fest steht, dass „seine“ Marburg Mercenaries antreten werden. Darüber hinaus werden aller Voraussicht nach auch Schwäbisch Hall, München, Dresden, Potsdam und Köln melden. Alles andere entscheidet sich spätestens Sonntag.

Die Vereine benötigen schnellstmögliche Klarheit

Und dann muss alles sehr schnell gehen. Eine Woche später sollen die Spielpläne vorliegen. „Die Zeit drängt. Uns läuft die Zeit davon. Spätestens Anfang August sollten die Vereine wieder voll umfänglich trainieren können, sonst wird es eng“, befürchtet Dalkowski. Er hofft nach den ausgesprochenen Empfehlungen der Sportminister-Konferenz, ab September wieder Sport in vollem Umfang und gegebenenfalls auch mit Zuschauern zu ermöglichen (die OP berichtet), auf eine schnellstmögliche Entscheidung aus der Politik.

„Wir haben die Corona-Verordnungen betreffend viele unterschiedliche Vorgaben in den einzelnen Bundesländern. Das ist wie ein Flickenteppich. Wir benötigen aber endlich Klarheit, egal, wie sie aussieht“, fordert Dalkowski.

Von Michael E. Schmidt