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Zeitstrafe statt Gelb-Roter Karte
Zeitstrafe statt Gelb-Roter Karte
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14:58 30.06.2021
Schiedsrichter Janik Gärtner pfeift ein Testspiel des VfB Wetter an. Leiten Referees künftig Pflichtspiele auf Kreisebene, müssen sie sich umstellen: Eine Zehn-Minuten-Strafe ersetzt weitgehend die Gelb-Rote Karte.
Schiedsrichter Janik Gärtner pfeift ein Testspiel des VfB Wetter an. Leiten Referees künftig Pflichtspiele auf Kreisebene, müssen sie sich umstellen: Eine Zehn-Minuten-Strafe ersetzt weitgehend die Gelb-Rote Karte. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Zweimal Gelb macht Gelb-Rot – das weiß jeder Fußballer. Und viele werden sich nun umstellen müssen. Auf Kreisebene in Hessen, in allen Männer-Spielklassen bis einschließlich zur Kreisoberliga und im Kreispokal, gibt es eine Neuerung. Dort greift ab Mittwoch (30. Juni) die Regelung eines Modellversuchs: Mit dem formalen Start der neuen Saison am 1. Juli wird die Zeitstrafe eingeführt. Wer bereits verwarnt ein zweites Gelb-würdiges Foul begeht oder sich ein sonstiges Vergehen erlaubt, muss vom Platz – allerdings nur für zehn Minuten.

Peter Schmidt findet die Neuerung, die eigentlich gar nicht so neu ist, gut: „Ich kenne das von früher“, sagt der der Marburger Kreisfußballwart, blickt dabei auf die 1980er zurück. „Der Vorteil ist, dass sich der betroffene Spieler beruhigen kann.“ Sollte er dann auch: Gibt es nach einer Zeitstrafe ein drittes verwarnungswürdiges Vergehen, zückt der Referee nicht Gelb und Rot, sondern ausschließlich Rot. Der Platzverweis ist dann, wie Kreisschiedsrichterobmann Markus Bengelsdorff erläutert, auch mit einer Sperre verbunden. Gelb-Rot hatte in den betroffenen Ligen bislang keine über das Spiel hinausgehenden Konsequenzen.

Test auf zwei Jahre ausgelegt

Bengelsdorff hält den zunächst auf zwei Jahre ausgelegten Test für „keine schlechte Idee“, hat „grundsätzlich nichts dagegen“, möchte vor einer Bewertung aber zunächst Erfahrung damit sammeln. Darum geht es bei dem Modellversuch auch: Der Hessische Fußball-Verband (HFV) ist Vorreiter, andere Landesverbände könnten folgen, auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist an den Erkenntnissen interessiert.

Die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter sind unter anderem mit einem Rundschreiben über die Neuerung informiert worden. Darin geht es auch um Spezialfälle: Ist ein Spieler betroffen, der bereits verwarnt wurde, aber ausgewechselt worden ist, gibt es keine Zeitstrafe, sondern weiterhin Gelb-Rot, er darf in dem Spiel also nicht mehr eingreifen.

Ein anderes Beispiel: Ein Spieler, der innerhalb der letzten zehn Minuten der Verlängerung eines Pokalspiels eine Zehn-Minuten-Strafe erhält, darf trotzdem an einem möglichen Elfmeterschießen teilnehmen. Dazu könnte es eventuell schon in wenigen Wochen kommen: Die neue Regelung gilt auch für die Corona-bedingt noch nicht ausgetragenen Pokalpartien der Vorsaison. Sowohl im Marburger als auch im Biedenkopfer Kreispokal soll es am 17. Juli weitergehen.

Von Stefan Weisbrod