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11:00 08.01.2021
Stadtallendorfs Ben-Luca Fisher (links) trifft im Heimspiel gegen den SSV Ulm den Pfosten. Torwart Maximilian Reule kann nicht eingreifen.
Stadtallendorfs Ben-Luca Fisher (links) trifft im Heimspiel gegen den SSV Ulm den Pfosten. Torwart Maximilian Reule kann nicht eingreifen. Quelle: Thorsten Richter
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Stadtallendorf

Am ersten Spieltag der laufenden Fußball-Saison in der Regionalliga Südwest bot sich den Zuschauern auf der Bezirkssportanlage im Mainzer Stadtteil Mombach ein kurioses Bild: Im 41-jährigen Gino Parson und im 17-jährigen Ben-Luca Fisher stellte Eintracht Stadtallendorf gegen Schott Mainz (2:4) zeitgleich einen Routinier und einen Youngster auf.

„So richtig wusste ich es erst vor dem Spiel, dass ich spiele – auch wenn ich mir vorher Gedanken gemacht hatte, wusste, dass ich gut trainiert hatte“, blickt Fisher zurück – und gesteht eine gewisse Aufregung. „Schließlich war es mein erstes Regionalliga-Spiel.“ Er wusste nicht so richtig, was auf ihn zukommt.

Zehntes Regionalliga-Spiel ohne Zuschauer

Inzwischen ist der gebürtige Hanauer, der in Reptich bei Jesberg wohnt und die zwölfte Klasse der Jugenddorf-Christophorusschule Oberurff besucht, 18 Jahre alt und hat bereits neun Regionalliga-Spiele für die Herrenwälder absolviert, gegen die Offenbacher Kickers könnte Samstag (9. Januar, 14 Uhr) der zehnte hinzukommen, was ihn freuen würde, wenngleich er bedauert, dass es vor leeren Rängen stattfindet: „Die Erfahrung, vor großer Kulisse zu spielen, hätte ich schon gerne gemacht.“

Vor großer Kulisse hat er wegen der Corona-Beschränkungen zwar noch nicht gespielt, dafür aber schon für einen großen Namen: Nach seiner Ausbildung bei der JSG Borken (2006 bis 2012) und beim KSV Baunatal (2012 bis 2018) zog es ihn für eine Saison in die B-Junioren-Bundesliga West, zum FC Schalke 04, wo ihn Ex-Profi Frank Fahrenhorst als Trainer unter seinen Fittichen hatte. „Ein Scout hatte mich zuvor bei einem Spiel gegen Eintracht Frankfurt gesichtet“, erzählt Fisher, den zwei Verletzungen allerdings früh ausbremsten.

Neue Rolle unter Dragan Sicaja

„Die Saison bei Schalke 04 hat mich in der Persönlichkeitsentwicklung sehr weitergebracht“, sagt der bekennende Anhänger von Borussia Mönchengladbach – nicht nur, weil er fern vom eigenen Elternhaus im Internat lebte. „Ich habe dort gelernt, wie es ist, wenn man mal nicht spielt.“

Eine Erfahrung, die der im Sommer aus der A-Jugend von Ligakonkurrent Hessen Kassel gekommene 18-Jährige bei der Eintracht bisher nur selten machte. Auch weil in Abwehrchef Kevin Vidakovics, Perry Ofori und Matthias Pape drei etatmäßige Innenverteidiger verletzt ausfallen, baut Stadtallendorfs Cheftrainer Dragan Sicaja, der Fisher schon vor einigen Jahren im DFB-Stützpunkt Borken trainierte, auf den Innenverteidiger, der erst unter Sicaja sozusagen zum Abwehrspieler umfunktioniert wurde.

„Ich habe meine ganze Jugend im Mittelfeld gespielt – als ‚Achter‘ oder ‚Zehner‘“, verrät Fisher. „Mein Berater sagte mal zu mir, dass ich bestimmt ein guter Innenverteidiger sei. Das wollte ich ihm erst nicht glauben.“ In den ersten Trainingseinheiten probierten Sicaja und Co. es dann aus – „und offenbar hat es ganz gut geklappt“, schmunzelt Fisher. Es klappte auch deshalb, weil er in Vidakovics einen Spieler an seiner Seite hatte, der ihm Sicherheit gab.

Was fehlt ist der Kapitän

Zwar sei das Vertrauen zu allen anderen Innenverteidigern gegeben, und auch die Kommunikation mit ihnen klappe gut. „Kevin fehlt mir aber“, gesteht Fisher. „Ich habe die ganze Vorbereitung mit ihm trainiert, kann von ihm in bestimmten Situation viel lernen. Ich kann ihn zwar fragen, aber es ist immer etwas anderes, wenn er mit dir auf dem Platz steht“, sagt Fisher, der den verletzten „Capitano“ zudem als Stimme auf dem Spielfeld vermisst.

Auch wenn das Restprogramm wohl hart, die Aufholjagd für den Tabellenletzten der Südweststaffel „auf jeden Fall schwer“ werden dürfte, sagt der Youngster: „Es ist machbar. Natürlich glaube ich noch dran“, gibt sich der 18-Jährige kämpferisch, ohne das Ziel auszusprechen, dass da für ihn und seine Teamkollegen heißt: Klassenerhalt.

Von Marcello Di Cicco