Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Lokalsport Schüddemage ist seit 50 Jahren Trainer
Sport Lokalsport Lokalsport Schüddemage ist seit 50 Jahren Trainer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 14.02.2021
Wolfgang Schüddemage mit einigen Erinnerungen aus seinen 50 Jahren als Schwimmtrainer.
Wolfgang Schüddemage mit einigen Erinnerungen aus seinen 50 Jahren als Schwimmtrainer. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Stadtallendorf

Für viele Sportler ist es gerade keine leichte Zeit: Wettkämpfe finden aufgrund von Corona nicht statt, und selbst Training ist für das Gros der Vereinssportler wegen Beschränkungen nicht möglich. Auch Trainer Wolfgang Schüddemage und seinen Schützlingen von der Schwimmabteilung des TSV Eintracht Stadtallendorf setzt die Pandemie ordentlich zu.

Lange war Training gar nicht möglich, seit einer Woche können die Kaderathleten des Vereins wieder ins Becken steigen – allerdings nur im Kirchhainer Bad, weil die Heimtrainingsstätte in Stadtallendorf für den Bade- und Trainingsbetrieb geschlossen ist. Immerhin dreimal wöchentlich kann Schüddemage seine Sportler nun zu Übungseinheiten bitten. Es gab Zeiten, da hätte dies bei weitem nicht ausgereicht, um die Erfolge zu erreichen, die die Sportler des heute 74-Jährigen erzielten.

Erst in das Schwimmbad, dann in die Schule

Ob WM-Medaillengewinner (2003) und Olympiateilnehmer (2004) Johannes Oesterling oder Deutsche Meister wie Jens Beck, Jonathan Berneburg und Florian Schepp – Schüddemage hatte sie alle unter seinen Fittichen, verbrachte mit ihnen unzählige Stunden im Schwimmbad, manchmal sogar morgens um 5.30 Uhr vor seinem Job als Lehrer.

An einen Erfolg erinnert sich Schüddemage, der 1981 seinen erste Trainerposten in Frankenberg antrat (siehe Infobox), besonders gern: als sein Team mit dem sehgeschädigten Paralympicssieger Karsten Othmar, dem gehörlosen Helmut Müller (Simtshausen), Beck (Neustadt) und Peter Mühling (Treysa) 1983 in Mainz den Aufstieg in die zweite Bundesliga schaffte.

Schwimmtrainer Wolfgang Schüddemage (1983, rechts) mit Stefan Almeling, Carsten Othmar und Helmut Müller (von links) Quelle: Privatarchiv Schüddemage

Gerade einmal zwei Jahre war Schüddemage, der von 1979 bis 1989 Trainer der SSG Blista Marburg war, zu dieser Zeit Trainer in Stadtallendorf. „Dieser Erfolg war emotional, weil mit uns niemand gerechnet hatte. Wir waren als Dritter in den Endkampf gestartet“, erinnert sich der gebürtige Michelstädter.

Weit mehr als 100 Medaillen

„Das war eine tolle Mannschaft mit positiv-verrückten Charakteren. Wenn mal einer einen schlechten Tag hatte, hat der eine den anderen hochgezogen. Die Gruppendynamik hat damals so gut funktioniert, wie ich es danach wie mehr erlebt habe“, sagt der Coach, dem im OP-Gespräch spontan einige Anekdoten aus dieser Zeit einfallen.

Etwa wie Mühlings Vater seinen Sohn zu Hause dabei erwischte, wie er mit Kopfhörern auf dem Billardtisch liegend Comics las, während er vom Tonband das Geräusch der Rollbank über Lautsprecher abspielte, um Training vorzutäuschen. „Damals war ich ziemlich sauer, als ich davon hörte“, sagt Schüddemage. Heute kann er herzlich lachen, wenn er davon erzählt.

Weit mehr als 100 Medaillen bei Deutschen Meisterschaften und Deutschen Jahrgangsmeisterschaften holten Schüddemages Athleten, zahlreiche Wettkämpfe wie süddeutsche Meisterschaften, Erst- und Zweitliga-Durchgänge oder Länderkämpfe richteten er und die Verantwortlichen der Abteilung aus – bis 2014, als Schüddemage wegen Perspektivlosigkeit aufgrund des Umbaus des Stadtallendorfer Hallenbades sein Engagement beim TSV Eintracht für drei Jahre ruhen ließ.

Wunsch: Playoffs-Teilnahme der Marburg Mercenaries

Viel zu verdanken gehabt habe er in den vergangenen vier Jahrzehnten Funktionären wie Helmut Rohm, früherer Vorsitzende des Vereins. „Er hat sich für uns eingesetzt, wollte Leistungssport hier haben. In Manfred Vollmer (ehemaliger Bürgermeister von Stadtallendorf, Anmerkung der Redaktion) hatten wir jemanden, der sehr sportaffin war“, sagt Schüddemage, für den auch die Unterstützung der Schwimmabteilungsleiter in seiner Amtszeit eminent wichtig war und ist, denn: „Sie haben mir den Rücken freigehalten, sodass ich mich ausschließlich um die ,Wasserarbeit’ kümmern konnte.“

Dies will der 74-Jährige auch weiterhin tun. „Ich mache so lange weiter, solange ich darin einen Sinn sehen kann“, denkt Schüddemage nicht ans Aufhören; hört man bei seinen Erzählungen doch heraus, wie viel Freude ihm die Arbeit mit jungen Sportlern macht – auch wenn diese im Vergleich zu früheren Jahren nicht einfacher geworden ist. Dies liege aber nicht allein an seinen Schützlingen.

„Eltern sind heute ein größerer Faktor als früher“, meint Schüddemage, „sie sind von morgens bis nachmittags dabei, teilweise wird alles gefilmt, alles dokumentiert. So meint jedes Elternteil besser Bescheid zu wissen als der Trainer selbst.“ Was seine Zukunftswünsche angeht, gibt er sich gewohnt launig: „Friede auf Erden, Gesundheit für alle – und die Mercenaries in den Playoffs“, sagt der Coach, der seit 2013 im Besitz einer Saisonkarte der Marburger Footballer ist.

Von Marcello Di Cicco

14.02.2021
14.02.2021
13.02.2021