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09:55 03.12.2020
Wintersport im Hinterland? Geht es nach den hiesigen Vereinen, findet er trotz Corona-Pandemie statt – vorausgesetzt, die Witterung spielt mit.
Wintersport im Hinterland? Geht es nach den hiesigen Vereinen, findet er trotz Corona-Pandemie statt – vorausgesetzt, die Witterung spielt mit. Quelle: Thorsten Richter/Archiv
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Biedenkopf

Für die heimischen Skiclubs war die vergangene Saison eine ziemlich enttäuschende. Die milden Temperaturen verhinderten, dass Wintersportler im Hinterland ausgiebig auf ihre Kosten kommen konnten.

„Wir hatten keinen einzigen Tag Skibetrieb in der vergangenen Saison“, klagt Udo Achenbach, Vorsitzender des Skiclubs Kleingladenbach. Dem Ski-Club Hartenrod erging es nicht besser. „Wir hatten gar keinen Skibetrieb“, erzählt Dieter Haus, 2. Vorsitzender des Vereins.

Als macht es die Witterung den Ski- und Snowboardfahrern sowie Rodlern in heimischen Gefilden nicht schon schwer genug, kommt seit Ende vergangener Wintersport-Saison ein weiteres Problem hinzu, dass sich auch auf die bevorstehende Saison auswirkt: Corona mitsamt der Einschränkungen und Ungewissheiten, die die Pandemie mit sich bringt. Für den Ski-Club Holzhausen / Hünstein hat dies schon Auswirkungen.

„Wir bieten immer einmal im Jahr eine Skifreizeit an“, erzählt Sebastian Bahmer, Vorsitzender des SC. Im Januar dieses Jahres ging es zum Wilden Kaiser nach Tirol. „Im nächsten Jahr wird wegen Corona leider nichts stattfinden“, sagt Bahmer, der dies – bei allem Verständnis für die derzeitigen Einschränkungen – bedauert, denn: „Das ist ein Grundpfeiler unseres Vereins.“

Doppelanker-Lifte nur für eine Person?

Ein Tätigkeitsschwerpunkt ist für die Clubs der Skibetrieb selbst, auf den sich alle heimischen Vereine unabhängig der Unwägbarkeiten akribisch vorbereiten. „Das technisch Notwendige haben wir bei Arbeitseinsätzen bereits auf Vordermann gebracht“, sagt Haus.

So werde der Lift des Vereins im Sommer für Mountainbiker genutzt, entsprechend seien kleinere Anpassungen für den Wintersport-Betrieb notwendig gewesen. Auch in Holzhausen seien schon „Vorbereitungen getroffen, dass Sportbetrieb bei uns stattfinden kann. Sofern es die Witterung zulässt, könnten wir den Betrieb gewährleisten. Und das würden wir auch gerne“, sagt Sebastian Bahmer.

Dass der Wintersport-Betrieb auch in Corona-Zeiten unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln stattfinden könnte, daran hegen die Vereinsverantwortlichen im Gespräch mit der OP keinen Zweifel. „Wir haben einen Doppelanker-Lift, womit nur eine Person befördert werden könnte“, zeigt Haus auf.

Vereine sind auf die Einnahmen angewiesen

Achenbach schlägt mit seiner Argumentation in dieselbe Kerbe: „Über ein Hygienekonzept müssten wir uns noch Gedanken machen“, sagt der Vorsitzende des SC Kleingladenbach, der im selben Atemzug fragt: „Wo wäre das Problem, wenn man bei der Liftfahrt das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes vorschreibt, wenn man die Abstände beim Anstehen einhält und die Gruppenstärke in der Skischule reduziert?

Wintersport ist eine Outdoor-Sportart. Wir kuscheln ja nicht“, argumentiert Achenbach. Auch beim Essens- und Getränkeverkauf, dabei sind sich die drei Vereinsverantwortlichen einig, könne man die Auflagen erfüllen – schließlich sei die Nutzung einer Hütte dafür nicht zwingend notwendig, Menschenansammlungen auf engstem Raum würden also vermieden.

Auf die Einnahmen seien die Vereine allerdings angewiesen – in diesem Jahr umso mehr, „weil wir in der vergangenen Saison keine hatten“, gibt Achenbach zu bedenken. Zwar lässt Bahmer durchblicken, dass „bei uns keine Existenzen“ am Wintersport-Betrieb hängen. Dennoch fielen Kosten an, macht Haus deutlich. „Einige Tausend Euro sind das schon – etwa für TÜV oder Versicherungen“, verrät er. „Aus diesem Grund brauchen wir schon ein paar Einnahmen“, sagt der 2. Vorsitzende des SC Hartenrod.

Für Achenbach wäre eine zeitige Entscheidung, ob und unter welchen Bedingungen Ski-Betrieb stattfinden könnte, wichtig. Der SC Kleingladenbach verfügt über eine Kunstschnee-Anlage, die jedoch eine entsprechende Vorlaufzeit benötige, damit es auch in Corona-Zeiten das gibt, worauf sich viele Wintersportler freuen: schneeweiße Pisten.

Von Marcello Di Cicco