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Lokalsport Wilfried Eisenberg ist auch künftig mit viel Herzblut bei der Sache
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10:58 07.03.2021
Julia Swelam (ehemals Merbach) und Wilfried Eisenberg sind ein starkes Team.
Julia Swelam (ehemals Merbach) und Wilfried Eisenberg sind ein starkes Team. Quelle: Helmut Schaake
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Hier sitzt dir ein Menschenfreund gegenüber, in sich selbst ruhend, stets milde lächelnd. Du hättest keine Probleme damit, ihn spontan zu umarmen. Allerdings hat er auch keine Scheu, sich einem Eintracht-Frankfurt-Fan in einem Trikot vom 1. FC Kaiserslautern zu präsentieren. Warum auch nicht?

„Ich stamme aus der Pfalz“, sagt Wilfried Eisenberg, der im November 80 Jahre alt wird. 1955 habe ihn sein Vater Helmut erstmals mit zu einem Spiel der Lauterer genommen. Damals siegen die Betzebuben im Südwest-Derby beim Karlsruher SC. „Das Siegtor zum 2:1 erzielte Ottmar Walter mit einem spektakulären Kopfball“, erinnert er sich. Überhaupt hat der Vater großen Anteil an der frühkindlichen Prägung seines Buben für den Sport.

Er durfte Manfred Germar und Martin Lauer erleben

Außer für den Fußball begeistert er sich und seinen Sprössling für die Leichtathletik. Er nimmt ihn mit zu Großveranstaltungen, etwa einem Leichtathletik-Länderkampf der Schweiz gegen Deutschland in Basel, oder den Deutschen Jugendmeisterschaften in Frankfurt. „Immerhin habe ich dabei so großartige Athleten wie den Sprinter Manfred Germar und den späteren 110-Meter-Hürden-Weltrekordler Martin Lauer erleben dürfen.“

Und in der Heimat sind es vor allem die Leichtathleten des USC Mainz – seinerzeit eine der größten Hausnummern der nationalen Szene –, die dazu beitragen, dass er sich fortan der Leichtathletik verschreibt. „Ich habe mir viel von den großen Cracks abgeschaut“, sagt Eisenberg.

Eisenberg selbst nur ein „Durchschnittsathlet“

Allerdings räumt er ein, dass er selbst nur ein „Durchschnittsathlet“ gewesen sei. Aber immerhin hat er einige Male an den Landesmeisterschaften teilgenommen.

Auch eine Top-Karriere als Fußballer ist dem „bissigen“ Wilfried nicht beschieden. „Ich bin als rechter Verteidiger nur selten über die Mittellinie hinausgekommen.“ Seine Talente im Sport liegen auf anderen Gebieten, wie sich zeigen soll.

Nach dem Abitur absolviert er in Neustadt seinen Wehrdienst bei den Panzergrenadieren. Er schließt sich dem VfL Neustadt an und trainiert dort mit den Leichtathleten, zu denen auch Jutta Schönfeld gehört. Er lernt die ambitionierte Weitspringerin und Sprinterin kennen und lieben. Beide sind fortan ein Paar.

Zum Studium zieht es ihn zunächst nach Mainz

Zum Studium zieht es ihn jedoch wieder nach Mainz, wo er zunächst das Diplom als Sportlehrer erwirbt und später die Qualifikation für das Lehramt an Gymnasien in den Fächern Geschichte und Sport. Die rosaroten Bande der Liebe lassen ihn wieder nach Hessen zurückkehren. 1969 schließen Jutta und Wilfried Eisenberg den Bund fürs Leben. An der damaligen Gesamtschule in Kirchhain erhält er Anfang der 70er-Jahre einen Lehrauftrag für die Sportfördergruppe und schließlich ein Referendariat.

Er bleibt der Kirchhainer Schule treu, die später in Alfred-Wegener-Schule umgetauft wird, und ist dort unter anderem Koordinator am Schulsportzentrum mit dem Förderschwerpunkt Leichtathletik und Turnen. Darüber hinaus wird er im Februar 1972 zum Vorsitzenden der Leichtathletikabteilung des TSV Kirchhain gewählt und versieht diesen ehrenamtlichen Job noch immer.

Kooperation zwischen Schule und Verein

Über die Kooperation von Schule und Verein wird es in erheblich besserem Maße möglich, Talente zu sichten und zu fördern. „Die Zusammenarbeit mit dem TSV funktioniert bestens“, betont Eisenberg, „der Verein hat immer ein offenes Ohr für unsere Probleme“.

Im Laufe der Jahre führt er zum Beispiel die Mittelstrecklerin Gaby Lesch (später Lesch-Sewing) bis zur Teilnahme an den Olympischen Spielen in Seoul, wo sie 1988 über die 800-Meter-Strecke den neunten Platz belegt, und zur Bronzemedaille bei den Halleneuropameisterschaften 1988.

Mit der 100-Meter-Hürden-Sprinterin Heike Tillak schraubt er deren Bestleistung auf 13,28 Sekunden und erreicht mit ihr die Qualifikation für Halleneuropameisterschaften 1994. Sein Schützling Oliver Hoffmann wird mehrfach süddeutscher Meister über 3000 Meter Hindernis und belegt Platz sieben bei den nationalen Marathonmeisterschaften. Jürgen Stenzel wird unter Eisenbergs Regie deutscher Jugendmeister (1975) über die 1500 Meter und deutscher Vizemeister (1978) bei den Senioren in der Halle.

Die Liebe zur Leichtathletik bleibt erhalten

Auch nach seiner Pensionierung im Jahre 2005 bleibt die Liebe des Oberstudienrates zur Leichtathletik erhalten. Er betreut weiterhin eine kleine, aber erlesene Schar von Sportlern. Zu ihr zählen Julia Swelam (vormals Merbach), die elffache Hessenmeisterin über 400, 800 und 1500 Meter, Laura Sewing, die aktuelle Hessenmeisterin über 100-Meter-Hürden, die Seniorin Helga Schüßler, die es auf 23 Deutsche-Meister-Titel über 100 und 200 Meter sowie im Weitsprung gebracht hat und schließlich das 13-jährige Sprinttalent Janne Elsaßer, die 2020 den Hessenrekord über die 75 Meter aufgestellt hat und damit die deutsche Bestenliste anführt.

„Wir wollen Janne an die nationale Spitze heranführen“, betont der Trainer und Sportpädagoge, der auch zu Coronazeiten für seine Schützlinge dezidiert ausgearbeitete Trainingspläne erstellt. Mit „wir“ meint er seine Frau Jutta und sich. „Wir sind ein Gespann, das sich ergänzt. Solange wir gesund bleiben, werden wir auch künftig die meisten unserer Wochenenden in Sachen Leichtathletik verbringen und mit viel Herzblut bei der Sache sein“, sagt Jutta. Von den vielen Trainingsstunden unter der Woche ganz zu schweigen.

Von Bodo Ganswindt